Vom 6. bis 16. September findet das Junge Programm des 26. internationalen Literaturfestivals Berlin statt. Es lädt mit internationalen Autorinnen und Autoren sowie Geschichten, die aktuelle Themen aufgreifen und Mut machen, ein, Literatur auf vielfältige Weise zu erleben. Wir sprachen mit Lena Scheitz, der Leiterin des Jungen Programms, über die Höhepunkte des diesjährigen Programms, die Bedeutung guter Geschichten und die besonderen Angebote für Kinder, Jugendliche, Familien und Schulklassen.
Frau Scheitz, was macht das Junge Programm in diesem Jahr besonders
Erstmals wird unsere Sektion mit der Präsentation einer Graphic Novel eröffnet! Ich freue mich sehr auf die Rede von Özge Samancı und die anschließende Präsentation von „Evil Eyes Sea“, einem feministischen Polit-Thriller, der in den 1990er Jahren in Istanbul verortet ist. Ich bin außerdem gespannt auf die szenische Lesung im Theater an der Parkaue. Die Kooperation haben wir erstmals im letzten Jahr durchgeführt – in diesem Jahr wird unter der Regie von Alex Peil der für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierte Kinderroman „Inseltage mit Rosa“ szenisch umgesetzt. Darüber hinaus bin ich in diesem Jahr besonders stolz auf unser partizipatives Projekt „Jugend kuratiert“, in dem Jugendliche selbst das Programm mitgestalten konnten.
Gibt es Themen, die Kinder und Jugendliche in den vergangenen Jahren besonders beschäftigt haben und die sich auch im Festivalprogramm widerspiegeln?
Kinder und Jugendliche spüren die globalen Krisen und die Unberechenbarkeit unserer stark vernetzten Welt deutlich. In unseren Büchern setzen die Protagonist/-innen diesem Gefühl der Unsicherheit etwas entgegen: Mut, Zusammenhalt, Kreativität. So meistert Nike in „100 Tage zu Hause“ ihre Schulangst, der schüchterne Uno findet in „12 Süßigkeiten und 2 Todesfälle“ eine beste Freundin und Lila bewältigt in „Inseltage mit Rosa“ ihre Trauer. Die präsentierten Bücher greifen aber auch globale Themen auf, so etwa die Protestbewegung im Iran in „Badjens“ von Delphine Minoui oder die Abholzung des Regenwalds in „Kayabu“ von Eymard Toledo.
Mit der „Lesesause“ und „Jugend kuratiert“ gibt es in diesem Jahr zwei neue Formate im Jungen Programm. Was verbirgt sich dahinter und worauf dürfen sich Besucherinnen und Besucher freuen?
In diesem Jahr haben wir ein ganz neues Veranstaltungsformat etabliert: Die Lesesause, ein Fest rund ums Buch für Kinder und ihre Familien im Haus der Berliner Festspiele. Während sich das Junge Programm in der Vergangenheit vor allem an Schulklassen gerichtet hat, setzen wir hier einen starken Akzent für Familien. Natürlich gibt es Lesungen, aber auch Bastelworkshops, Kinderschminken und eine Rallye übers Festivalgelände. Besonders freue ich mich, dass wir Cornelia Funke als Gast für den Tag gewinnen konnten.
Die zweite Besonderheit in diesem Jahr: Jugendliche haben selbst Programm gemacht! Im Projekt „Jugend kuratiert“ hat der Leseclub „Die LesArtigen“ internationale Kinder- und Jugendliteratur gewälzt und zwei Lieblinge ausgewählt: „The Glass Girl“ von Kathleen Glasgow und „Badjens“ von Delphine Minoui.
Was erwartet Schülerinnen und Schüler bei einer Lesung – und was unterscheidet sie von einer klassischen Autorenlesung?
Wir konzipieren unsere Lesungen einladend, spannend und interaktiv. Dafür setzen wir Veranstaltungselemente wie Live-Illustrationen und Bilderbuchkino ein und legen viel Wert auf Publikumsfragen. Unsere Moderator/-innen beziehen das junge Publikum auf vielfältige Weise mit ein und begegnen ihm auf Augenhöhe. Bei unseren internationalen Gästen übernehmen außerdem professionelle Schauspieler/-innen das Vorlesen. Im Anschluss an eine Veranstaltung gibt es die Möglichkeit, die Autor/-innen bei der Signierstunde persönlich kennenzulernen – für viele Kinder und Jugendliche ist diese Begegnung ein Highlight.
Neben den Lesungen gibt es zahlreiche Workshops für Schulklassen. Was unterscheidet die Workshops von den Lesungen?
Die Workshops finden mit einzelnen Schulklassen statt, bieten also einen geschützteren Raum für die Teilnehmenden. Der Ansatz ist interdisziplinär, das heißt, die Kinder oder Jugendlichen nähern sich dem Buch über eine andere Kunstform. Dafür kooperieren wir mit Theatern, Bibliotheken, Kunstschulen und vielen weiteren Institutionen der kulturellen Bildung in Berlin. Insbesondere für Kinder und Jugendliche, die bisher nicht viel oder gern lesen, hat sich dieser Ansatz als sehr fruchtbar erwiesen. Alle Teilnehmenden bekommen außerdem das Buch geschenkt. Bei einem abschließenden Meet&Greet treffen sie die Autor/-innen. Das schafft Nahbarkeit und ist meist für beide Seiten ein sehr schönes Erlebnis, das nachhaltig in Erinnerung bleibt.
Wie genau melden sich Schulklassen für Workshops oder Lesungen an? Und was kosten die Tickets?
Tickets für Lesungen kosten bei uns 5 € pro Schüler/-in, ermäßigt 3 €. Begleitpersonen sind immer kostenlos. Die Anmeldung erfolgt über unser Anmeldeformular. Die Workshops sind kostenlos.
Uns ist bewusst, dass die frühe Planung und Buchung für viele Schulen eine Herausforderung ist. Deshalb können Tickets bis zum Veranstaltungstag kostenlos storniert werden – die Zahlung der Tickets erfolgt generell erst nach dem Festival und nur für die Anzahl an Schüler/-innen, die wirklich da waren.
Wir beraten gern auch telefonisch oder per E-Mail und finden gemeinsam heraus, welche Veranstaltung gut zur jeweiligen Schulklasse passt. Alle Informationen zur Anmeldung gibt es auf unserer Website.