Die Ernst-Schering-Schule in Berlin ist eine von vier Schulen, die an dem länderübergreifenden Projekt „Voneinander Lernen!“ der Liz Mohn Stiftung teilnehmen. Die Stiftung ermöglicht Lehrkräften Austausch mit jungen „Digital Natives“ aus der Start-Up-Szene als Mentoren. Sie wurden vermittelt und angeleitet vom Netzwerk „Digital8“. Gemeinsam entwickeln die Tandems ein Digitalprojekt, das auf die ganze Schule ausgeweitet werden kann. Wir haben Eindrücke der beteiligten Fachkräfte gesammelt.
Frau Dr. Beyer, was hat Sie als Schulleitung dazu bewogen, mit Ihrer Schule am Projekt „Voneinander Lernen“ teilzunehmen?
In den letzten Jahren hat unsere Schule ihre digitale Ausstattung massiv ausgebaut: flächendeckendes WLAN, iPad-Koffer, Notebook-Ladewagen, interaktive Whiteboards und die IServ-Schulplattform. Jetzt geht es uns darum, gemeinsam mit unseren Lehrkräften und anderem pädagogischen Personal diese Technik sinnvoll in den Unterricht zu integrieren. Das Projekt „Voneinander Lernen“ schien uns hierfür ein vielversprechender Partner, da es wertvolles Know-how direkt an die einzelne Lehrkraft bringt. Als Schule stand für uns die Förderung eines schulübergreifenden und interdisziplinären Austauschs im Vordergrund, um neben intergenerationellem Lernen auch von einem fächer- und länderübergreifenden Austausch zu profitieren.
Und wie wird das Projekt von der Stiftung begleitet?
Jede Lehrkraft erhielt einen „Digital Native“ als Mentor/in zugeordnet, mit dem sie sich nach individueller Absprache über mehrere Monate getroffen hat. Das Projekt wurde regelmäßig evaluiert und der Austausch mit den Mentor/-innen wurde inhaltlich-fachlich durch Expert/-innen auf gemeinsamen Veranstaltungen der Liz Mohn Stiftung begleitet. Die Initiatorinnen, Frau Büdenbender und Frau Mohn, haben sich regelmäßig zum Projektfortschritt informieren lassen.
Welche Vorteile sehen Sie als Schulleiterin im Reverse Mentoring an Schulen?
Reverse Mentoring bringt durch die Mentor/-innen zusätzliche Perspektiven, neue Impulse und Instrumente von außen in die Schule ein. Besonders bereichernd war es, zu sehen, wie die Schüler/-innen in Zusammenarbeit mit den „Digital Native“ – Mentor/-innen Ideen aufgriffen und diese selbstständig umsetzten, beispielsweise bei der Gestaltung eines Instagram-Accounts für die Schule. Hilfreich war auch die fachliche Unterstützung bei der Entwicklung eines „Fakten-Checker“-Tools, das die Medienkompetenz der Schüler/-innen stärkt.
Frau Meise, was hat Sie als Deutsch-Lehrerin motiviert, mitzumachen? Und wie läuft die Zusammenarbeit mit den Mentor/-innen ab?
Ich habe mir neue Impulse für das Projekt „digitale Schülerzeitung“ erhofft und mich sowohl digital als auch persönlich mit meiner Mentorin getroffen, um gemeinsam Ideen dafür zu entwickeln. Meine Mentorin führte im Unterricht einen Workshop durch, in dem sie das digitale Tool „Canva“ vorstellte und die Schüler/-innen dabei unterstützte, ansprechende Layouts und Grafiken für ihre Beiträge und Videos zu gestalten. Diese Zusammenarbeit war sehr praxisnah und lehrreich. Die Jugendlichen konnten viel Neues lernen, und auch ich habe viele tolle Ideen mitgenommen.
Zum Beispiel?
Aus der digitalen Schülerzeitung sind zwei Formate entstanden: Das „Schul-ABC“, in dem die Schule kreativ anhand der Buchstaben des Alphabets vorgestellt wird, und die Rubrik „Unser Wedding“, in der die Schüler/-innen ihren Kiez und ihre Lebenswelt präsentieren. Ich habe die Zusammenarbeit genutzt, um mich intensiver mit Themen wie Datenschutz und der Steigerung der Reichweite auf Instagram zu beschäftigen – Aspekte, die für die Weiterentwicklung der Schülerzeitung sehr hilfreich waren.
Und wie war das bei Ihnen, Herr Borchardt? Sie sind Schulsozialarbeiter an der Ernst-Schering-Schule.
Ich wollte vor allem professionellen Input im Umgang mit den neuen Medien erhalten, der direkt den Schulalltag der Schüler/-innen betrifft. Mir ging es insbesondere darum, auf Falschaussagen und Fake-News zu reagieren, die zunehmend über soziale Medien wie TikTok verbreitet werden. Wir haben uns zunächst mehrmals getroffen, um die Projektidee zu planen und die Umsetzung vorzubereiten, insbesondere die Programmierung des Fakten-Checkers sowie die Erstellung einer entsprechenden Website. Später fand einmal monatlich ein Treffen statt, bei dem wir das Projekt nachjustieren und offene Fragen klären konnten.
Und wie geht es jetzt weiter?
Wir haben die Website www.fakten-checken.de entwickelt und mit einer Gruppe von Schüler/-innen erprobt. Mithilfe dieser Website wollen wir unsere Schüler/-innen in die Lage versetzen, TikTok-Posts selbstständig einzuordnen und gegebenenfalls zu überprüfen. Im Jahr 2026 soll in jeder Klasse ein Workshop mit der Klassenleitung und der Schulsozialarbeit angeboten werden, um die Schüler/-innen weiter für das Thema Fake News auf TikTok zu sensibilisieren.
Können Sie sich eine Verstetigung des Projekts vorstellen, Frau Meise?
Ich bin sehr dankbar für die vielen Impulse und Ideen, die das Projekt gebracht hat, sowohl für mich persönlich als auch für unsere Schüler/-innen. Die Zusammenarbeit war wertschätzend, ergebnisreich und hat neue Perspektiven im digitalen Bereich eröffnet. Besonders die kreativen Impulse und die praxisnahen Ansätze der Mentorin nehme ich gerne mit in meinen Unterricht.
Und Sie Herr Borchardt?
Ich bin offen für eine Verstetigung des Projekts. Es gibt sogar Pläne für die Ausweitung auf andere Schulen aus dem Projekt. Dafür müssen aber noch konkrete Fragen geklärt werden, etwa wie die Schulen das technisch umsetzen können. Es gibt die Idee eines Barcamps, an dem Teilnehmer/-innen aller involvierten Schulen sowie Digital Natives von Digital8 teilnehmen.