Realisierungsteil | Preisträger:innen für das Rathaus

1. Preis: 158.000 €

Atelier Schmelzer Weber Architekten PartGmbB, Dresden
Verfasser:in: Paul Schmelzer, Peter Weber
Mitarbeiter:in: Johannes Hermann, Patrick Wenske,
Matthias Ziegler, Jenas Rehwagen, Helena Nienhaus

Storch.Landschaftsarchitektur, Dresden
Verfasser:in: Robert Storch
Mitarbeiter:in: Roya Keyhani

Tragwerk: BfB – Büro für Baukonstruktionen GmbH, Dresden
Verfasser:in: Hagen Grütze

TGA: IPROconsult GmbH, Dresden
Verfasser:in: Felix Schlamm
Mitarbeiter:in: Charlotte Darmer

Sonderfachleute:
Renderings: Lindenkreuz Eggert GbR, Robert Mengel

  • Beurteilung durch die Jury

    Die Arbeit 1005 schafft mit einem dreigeschossigen Sockel, einem 18-geschossigen Hochpunkt mit 68,70 m Höhe entlang der Otto-Braun Str. und einem 6-geschossigen versetzten Baukörper mit 45 m Höhe nach Osten zur Wohnbebauung eine klare städtebauliche Ordnung.

    Das Sockelbauwerk mit den öffentlichen Nutzungen zeigt eine eigenwillige gefaltete Fassadenstruktur, die sich im DG mit den öffentlich genutzten Trauräumen wiederholt und so auch das Erscheinungsbild der Fassade klar strukturiert.

    Die Ebenen für die Verwaltungsnutzung setzen den Grundgedanken subtil mit zurückhaltender Stützenausbildung fort. So zeigt die mit einem Naturstein (Berliner Muschelkalk) bekleidete Fassade auch nach außen die beiden Hauptnutzungen aus Verwaltung und öffentlichem Raumangebot, weithin sichtbar durch den kronenartigen Dachabschluss.

    Die umlaufenden Kolonnaden im EG wurden kontrovers diskutiert. Sie bieten einerseits eine öffentliche Schicht zum Verweilen und mit dem Rücksprung eine natürliche Verschattung, so dass die Eingangsebene nicht spiegelt und einsehbar ist. Gleichzeitig werden die Kolonnaden im alltäglichen Gebrauch nicht ohne Herausforderungen sein.

    Die Haupterschließung von Rathausplatz ist städtebaulich richtig gesetzt und lädt mit großzügigen Treppenanlagen innen in den mit guter Lichtführung und mit Zenitlicht hellen öffentlichen Bereich ein. Allerdings wird der Bereich zwischen Eingang und Treppenantritt als zu knapp erachtet.

    Die Grundrisse sind klar gegliedert und L-förmig in den Ebenen unterteilt, dies ermöglicht eine gute Orientierung. So sind vom Haupteingang, mit guter Wegeführung und räumlicher Inszenierung der Treppe gut auffindbar, Bibliothek und Ausstellung im 1. OG und darüber im 2. OG BVV-Saal mit zugeordneten Fraktionsbüros zu erreichen. Dem BVV-Saal sind ein großzügiges Foyer und eine Außenterrasse zugeordnet. Positiv bewertet wurde die gute Erreichbarkeit. Kritisch hinterfragt wurde die mit 4,40 m eher knappe Geschosshöhe des EG.

    Die räumlichen Zusammenhänge sind gut gelöst. Der Hochpunkt, der sich als Scheibe erhebt, nutzt umlaufend die Fassaden für natürlich belichtete und belüftbare Büros. Die Treppenhäuser, Besprechungsangebot und Nebenflächen sind klassisch in der Gebäudemitte situiert. Der klar strukturierte Grundriss zeigt nicht, wo die Tragstruktur und Stützen verortet sind – diese sind für die Raumausbildung aber ent- scheidend.

    Prallscheiben und Sonnenschutz an den Fassaden, eine robuste Natursteinbekleidung und solide Grundstrukturen im Innenraum sprechen für ein ehrliches und realistisches Projekt, die veranschlagten Kosten liegen im Rahmen. Die Abstandsflächen sind im Wesentlichen eingehalten.

    Die Arbeit stellt einen gelungenen Beitrag zur Aufgabe –„Rathaus der Zukunft“ dar.

    Die städtebauliche Situierung zusammen mit der zurückhaltend eleganten Erscheinung werden positiv hervorgehoben, ebenso wie die Öffnung des Hauses für die Öffentlichkeit.

    Gleichzeitig sorgt der Entwurf für Büroflächen für die Verwaltung, die sowohl Sicherheitsaspekte berücksichtigen als auch ungestörtes Arbeiten ermöglichen.

    Die ungewöhnliche Fassadengestaltung fügt sich mit ruhigem Gesamtausdruck ein und zeigt mit oben abschließender „Krone“ eine selbstbewusste wiedererkennbare Haltung.

  • 1. Preis Perspektive aussen

    Perspektive außen

  • 1. Preis Perspektive innen

    Perspektive innen

  • 1. Preis Lageplan

    Lageplan

  • 1. Preis Grundriss EG

    Grundriss EG

  • 1. Preis Modellfoto

    Modellfoto

2. Preis: 98.000 €

cruu architecture GmbH, Stuttgart
Verfasser:in: Markus Mehwald
Mitarbeiter:in: Erick lozano, Weisheng Fang, Marina Turdova

w+p Landschaften GmbH, Berlin
Verfasser:in: Hans-Jörg Wöhrle
Mitarbeiter:in: Lukas Mettler, Maryam Esmaeilzadeh, Jiarui Zhang

Tragwerk: Werner Sobek Frankfurt GmbH, Frankfurt am Main
Verfasser:in: Daniel Torakai
Mitarbeiter:in: Christian Stefak

TGA: Ingenieurgesellschaft Hetzel GmbH & Co KG, Schwäbisch Gmünd
Verfasser: Thomas Hetzel

Sonderfachleute:
Nachhaltigkeit: Werner Sobek Green Technologies GmbH, Bilge Zirngast, Stuttgart
Brandschutz: Krebs+Kiefer Ingenieure GmbH, Prof. Dr. Sven Huismann, Silke O’Brien, Berlin

  • Beurteilung durch die Jury

    Städtebaulich fügt sich das hier vorgeschlagene Rathaus der Zukunft als aufgelöster Baukörper harmonisch in die Umgebung ein. Es schließt die offene städtebauliche Lücke maßstäblich als mehrfach geteilter und abgestufter Baukörper. Das Ensemble bildet eine selbstverständliche, sichtbare aber nicht unbedingt prägnante städtebauliche Figur. Die Staffelung des Gebäudes entwickelt sich aus dem Kontext der Umgebung und fügt sich zum östlichen Quartier. Die Querscheibe im Norden definiert einen klaren Abschluss zum Mollplatz. Durch verbindende „Glasfugen“ werden die drei Baukörper auf dem Sockelgebäude gut ablesbar. Das Aktivitätsband im Süden des Gebäudes wird durch den Sockelbereich des Rathauses bis zur Mollstraße durchgeführt. Diese Passage wird den bisher vernachlässigten Raum im Norden des Gebäudes, den Mollplatz, deutlich aufwerten.

    Das hier vorgeschlagene Rathaus der Zukunft löst die komplexe Aufgabe des Eingangs- und Empfangsbereiches vorbildlich und einladend. Als eines der wenigen Gebäude bietet es gleichzeitig Durchgang von Süd nach Nord, Öffnung und Licht im Westen und Osten sowie einen großzügigen Zugang zu den weiteren öffentlichen Bereichen. Das Gebäude empfängt die Besuchenden und Mitarbeitenden über einen deutlich sichtbaren, großzügigen, rund 9m hohen Südeingang und führt sie in eine hohe, würdige und von oben belichtete Empfangshalle, in der sich neben der Rezeption, Kantine und Café an der verglasten Ostfassade sowie ein Ausstellungsraum befinden.

    Über eine seitlich angeordnete großzügige Sitz- und Freitreppe gelangen die Besucher komfortabel in die weiteren öffentlichen Bereiche im 1.OG (Bibliothek). Der BVV-Saal im 2. OG an der Nord-Ost-Ecke des Gebäudes ist leider nur über ein Nebentreppenhaus zugänglich. Jede der drei Bürobauten verfügt über einen eigenen Mitarbeitereingang.

    Der höhere der Baukörper ist etwas schmal geraten. Während dies bei Großraumbüros wohl zu keinen Einschränkungen führt, entstehen aber bei konventionellen Bürotypologien Räume von nur drei Meter Tiefe.

    Die Fassade eignet sich grundsätzlich für natürliche Belüftung. Sie ist im unteren Bereich fast raumhoch verglast und in den Bürobereichen mit Brüstungen versehen. Die Gleichartigkeit der Fassaden strahlt Ruhe aus, wird aber in der dargestellten Transparenz in Frage gestellt. Die Betriebskosten infolge der großen Fensterfläche und des zu erwartenden, hohen Energieeintrages sind zu überprüfen. Die Sinnhaftigkeit der Pflanztröge und PV-Paneele in der Fassade muss weiter diskutiert werden.

    Die gewünschte BGF wird mit 29.681m² leicht überschritten. Die Kosten liegen im Mittelfeld.

    Das Rathaus besticht mit einem werkstoffgerechten Aufbau der Struktur. Auf einem robusten und dauerhaften Sockelbauwerk und um massive Kerne herum sind drei leichte Baukörper für die internen Bereiche und Büroräume angeordnet. Die konstruktive Lösung für diese Baukörper geht gut durchdacht über reinen Holzbau hinaus. Sie ist als eine sinnvolle Kombination aus Holzhybridbau, Massivbau und Recyclingaluminium entwickelt. „Cradle-to-Cradle“-Überlegungen sind hier wirklich ernstgenommen. Die auf den Plänen gezeigten konstruktiven Details zeigen ersten Überlegungen zur Fügung der Holzbaukomponenten. Diese müssen weiterentwickelt werden.

    Alle Fragen zum Brandschutz (Rettungsweg, Sicherheitstreppen, Brandmelde- und Alarmierungsanlage und Sprinklerung) sind ausführlich und zufriedenstellend behandelt.

    Die Jury beurteilt diese Arbeit durchweg positiv.

  • 2. Preis Perspektive aussen

    Perspektive außen

  • 2. Preis Perspektive innen

    Perspektive innen

  • 2. Preis Lageplan

    Lageplan

  • 2. Preis Grundriss EG

    Grundriss EG

  • 2. Preis Modellfoto

    Modellfoto

3. Preis: 59.000 €

TILLO/KAA – Architecture and Urbanism Schumacher Görg Architekten PartmbB, Berlin
Verfasser:in: Levin Schumacher, Oskar Alberto Görg
Mitarbeiter:in: Lorenza Biagini, Thilo Schlinker

fabulism, Berlin
Verfasser:in: Giulia Pozzi
Mitarbeiter:in: Mirko Andolina

Tragwerk: Werner Sobek AG, Stuttgart
Verfasser:in: Roland Bechmann
Mitarbeiter:in: Komelius Steiner, Roman Gatslm, Daniya Dölling

TGA: WINTER Gebäudetechnik Eng. & Services Berlin, GmbH, Berlin
Verfasser:in: Jordan Kornfeld

Sonderfachleute:
Energie und Nachhaltigkeit: Werner Sobek, Rodrigo Cavalho, Moritz Brornbacher
Fassadenplanung: Sina Windt, Henrik Wessels
Kostenplanung: Höhler+ Partner, Daniel Kirch
Tragwerksplanung: Planwerk, Komelius Steiner
Brandschutz: Thomas c Dehmel
Visualisierung: Jonas Bloch Architekturvisualisierung, Jonas Bloch
Modellbau: Helmbold Modellbau, Katrin Helmbold

  • Beurteilung durch die Jury

    Eine starke, einfache städtebauliche Präsenz wird durch das Gefüge aus Hochhaus, Foyer und östlich parallel verlaufendem Flachbau erreicht. Das städtebauliche Ensemble besteht aus einer einfachen, wohlproportionierten und markanten Hochhausscheibe, die in einen ausgewogenen Dialog mit den anderen Hochpunkten der näheren Umgebung tritt. Nach Westen bildet die Hochhausscheibe eine starke Kante zum Straßenraum, wenn auch zu Lasten der Fußgänger zwischen Gebäude und Straße. Nach Osten bildet der langgestreckte zweigeschossige Flachbau ein angemessenes und untergeordnetes Gegenüber zur Nachbarbebauung und zum Stadtzimmer. Die identitätsstiftende Fuge zwischen beiden Gebäuden bildet ein einladendes und offenes Entree zu einer schönen und belebten Innenstraße. Das Rathaus wird von beiden Stadtplätzen (Nord und Süd) erschlossen, ohne die Übersichtlichkeit des Eingangs zu verlieren.

    Die wichtigsten öffentlichen Funktionen sind sinnvoll und selbsterklärend in den ersten 2 bis 3 Geschossen untergebracht. Eine Ausnahme bildet das Standesamt im 16 OG. Hier werden die Gebäudegeometrie und Ausrichtung sehr positiv genutzt, um einen besonderen Ort (mit Dachgarten) zu ermöglichen. Die Bibliothek ist sehr gut im Erdgeschoss platziert und orientiert sich direkt zum Eingang und zum Rathausplatz. In der Mitte der Passage wird die Erschließungsrichtung spannungsvoll gewechselt. Eine repräsentative und dennoch angemessene Treppe führt das Publikum direkt in die Ausstellungsräume bzw. ein Geschoss höher in den BVV-Saal. Der gut proportionierte und sehr gut nutzbare Saal schwebt über dem Eingangsbereich und öffnet sich zum Rathausplatz bzw. zur Stadt.

    Ab dem 3. bzw. 4. Obergeschoss sind die neuen Bürowelten geplant. Sie können von der Passage oder direkt von außen erschlossen werden. Die geplante starke Trennung zwischen öffentlichen und halböffentlichen Bereichen verspricht eine gute Organisation der unterschiedlichen Nutzerinnen und Nutzer. Die Auseinandersetzung mit zukünftigen Bürowelten ist deutlich erkennbar, dennoch bleibt die Entwurfsstrategie mit drei versetzten Geschossen innerhalb einer „Halle“ teilweise fragwürdig. Themen wie Akustik, individuelle Bedürfnisse und Brandschutz erscheinen problematisch. Die Hallen haben beidseitig ca. 1,50 – 3,0 m tiefe Klimapufferzonen. Diese bieten ein zusätzliches Angebot in der Nutzung und im nachhaltigen Betrieb, allerdings werden die Grundrisse dadurch deutlich tiefer und dunkler.

    Die Wahl des Tragwerks in Hauptgebäude folgt dem Hallenprinzip und bietet mit einer Stahlkonstruktion eine voraussichtlich sehr flexible und gut rückbaubare Lösung. Die Verwendung von CO2 freiem Stahl ist derzeit nicht möglich und von der weiteren Entwicklung abhängig. Insofern ist das Konzept grundsätzlich zu hinterfragen. Der Flachbau ist als reiner Holzbau angemessen und nachhaltig gewählt. Der Baukörper wird über eine Doppelhelixtreppe mit geschlossenen und offenen Läufen erschlossen. Der Erschließungsturm kann in der dargestellten Einfachheit nicht überzeugen. Das Brandschutzkonzept ist bedingt gelöst.

    Der architektonische Gesamtausdruck ist von Einfachheit geprägt, im Detail verbirgt sich jedoch eine komplizierte, hochverglaste Fassadenstruktur, die kontrovers diskutiert wird. Die Erstellungskosten für die Fassade werden als hoch eingestuft, gleichzeitig wird das Energiekonzept als kritisch bewertet.

    Trotz der klaren städtebaulichen Präsenz und der gut gestalteten öffentlichen Räume fehlt es in der Gesamterscheinung an der Erkennbarkeit des Rathauses als Rathaus.

  • 3. Preis Perspektive aussen

    Perspektive außen

  • 3. Preis Perspektive innen

    Perspektive innen

  • 3. Preis Lageplan

    Lageplan

  • 3. Preis Grundriss EG

    Grundriss EG

  • 3. Preis Modellfoto

    Modellfoto

Anerkennung: 39.500 €

ZRS Architekten GvA mbH, Berlin
Verfasser:in: Jan Schreiber
Mitarbeiter:in: Bruno Röver, Michel Cordes, Max Pfaffelhuber

SCHÖNHERR Landschaftsarchitekten, Berlin
Verfasser:in: Mareike Schönherr
Mitarbeiter:in: Natalia Gushchina, Fransesco Montesarchio,
Marie Kucklick, Fabienne Lange, Markus Schönherr

Tragwerk: ZRS Ingenieure GmbH, Berlin
Verfasser:in: Uwe Seiler
Mitarbeiter:in: Tobias Sieger, Teddy Karn Sadja

TGA: IB Trieb GmbH & Co. KG, Mühldorf am Inn
Verfasser:in: Oliver Trieb

Sonderfachleute:
Energieberatung: ee concept gmbh, Angele Tersluisen
Brandschutzberatung: ZRS ArchitektenG vA mbH, Monique Bührdel, Berlin
Fassadenberatung: Priedemann Fassadenberatung GmbH, Karsten Berghäuser-Tournier, Berlin
Visualisierungen: Veronica Alessi, Zürich

  • Beurteilung durch die Jury

    Die vertikale Stapelung der Kuben, bildet städtebaulich einen gegliederten Körper im Stadtraum, welcher sich markant in den Standort einfügt und den Rathausplatz nach Norden mit einem klaren Endpunkt abschließt. Im Norden und Osten reagiert der Baukörper durch Staffelung der Volumen sowie durch Einschnitte zwischen den einzelnen Kuben, angemessen auf die angrenzende Wohnbebauung. Er bleibt jedoch in der Geste klarer Kanten nach Süden und Westen sowie der solitären Einbindung in den Raum eindeutig. Die horizontalen Fugen vermitteln die Körperhaftigkeit der unterschiedlichen Volumina und minimieren den massiven Eindruck der Baumasse. Positiv hervorgehoben wird, dass sich durch Grundkonfiguration der Stapelung, die Vielfältigkeit der Nutzung im Rathaus abzeichnet.

    Das Leitmotiv des Beitrags als offenes Haus für die Bürger:innen der Stadt wird eindrücklich und nachvollziehbar über die artikulierten Eingänge sowohl im Süden als auch im Norden umgesetzt. Die klare Formulierung der beiden 3-geschossigen Eingangspforten im Süden und Norden bilden eine durchgängige Fläche im Erdgeschoss aus, laden niederschwellig zur Durchwegung in das Gebäude ein und lassen Stadtraum und Eintritt in das Rathaus verschmelzen.

    Zwischen den beiden gegenüberliegenden Eingängen spannt sich eine 3-geschossige Halle auf. Durch die Ausformulierung dieses großzügigen Raumes als öffentliche Fläche im Rathaus wird die Geste des Rathauses als Ort für alle Bürger*innen unterstrichen. Die durchlaufende einläufige Treppe im Inneren der Halle verbindet die 3 Ebenen und lädt zur Durchwegung ein. Angegliedert an diese befinden sich auch die markanten öffentlichen Funktionen. Als Endpunkt des Weges erreichen die Besuchenden den BVV-Saal, der prominent in den mehrgeschossigen Foyer-Raum hineinragt.

    Unbeantwortet bleiben Fragen der räumlichen Ausformulierung der Flächen, sowie funktionaler Aspekte, wie die Durchwegung ab dem dritten Obergeschoss, die Luftdurchströmung des Baukörpers und die Temperaturentwicklung in der Halle, sowie die Praktikabilität der großen Türen als Geste des offenen Hauses. In der Diskussion dieser Punkte wird v.a. die Eindeutigkeit der angestrebten Durchwegung des Gebäudes, deren Wegführung und Erkennbarkeit für Besuchende als vertikale Erschließung, vermisst. Ebenso kritisch diskutiert wird die im Osten durch die Abstufung der Kubatur hervorgerufene Verlagerung der Treppen und Erschließungskerne an die Fassaden. Damit gehen potenzielle Nutzflächen mit natürlicher Belichtung und Belüftung verloren, während sich in anderen Bereichen im Gebäude innenliegende Aufenthaltszonen ohne direkten Außenbezug ergeben. Im Erdgeschoss wird durch die Zonierung der öffentlichen Bereiche nach Westen und der dienenden Funktionen nach Osten eine Zweiteilung geschaffen, die sich zum Wohnquartier abgrenzt und einen klaren Funktionsrücken zur Berolina-Straße ausbildet. Ebenso fraglich ist die Aufenthaltsqualität der Dachfläche als Endpunkt der vertikalen Durchwegung, wobei das Verhältnis von Geste und Effekt kritisch diskutiert wurde.

    Die Holzkonstruktion in Kombination mit angemessenem Umgang transparenter und geschlossener Fensterflächen und der Integration eines Sonnenschutzsystems reduziert starke Lastschwankungen v.a. im Sommer und bietet die Basis eines einfachen haustechnischen Konditionierungskonzeptes. Die vorgeschlagene Lochfassade in unterschiedlicher formaler Ausbildung der einzelnen vertikal gestapelten Baukörper wird hinterfragt, da diese die Körperhaftigkeit der einzelnen Baukörper konterkariert.

    Insgesamt würdigt die Jury die Öffnung des Hauses im Erdgeschoss zum Rathausplatz und den starken städtebaulichen Ausdruck des Körpers. Allerdings erscheint die Vielfalt der verwendeten Mittel sehr additiv und in der Gesamterscheinung nicht stimmig.

  • Anerkennung ZRS Perspektive aussen

    Perspektive außen

  • Anerkennung ZRS Perspektive innen

    Perspektive innen

  • Anerkennung ZRS Lageplan

    Lageplan

  • Anerkennung ZRS Grundriss EG

    Grundriss EG

  • Anerkennung ZRS Modellfoto

    Modellfoto

Anerkennung: 39.500 €

C.F. Møller Deutschland GmbH, Berlin
Verfasser:in: Thomas Margaretha
Mitarbeiter:in: Mads Mandrup, Caspar Kollmeyer,
Jakob Hillert, Janis Wieland

C.F. Møller Danmark A/S, Aarhus C.
Verfasser:in: Julian Weyer
Mitarbeiter:in: Kirn Holst Jensen, Sandra Trochimowic

Tragwerk: Schöne Neue Welt Ingenieure PartGmbB, Berlin
Verfasser:in: Dr. Jan Mittelstädt

TGA: M&P Braunschweig GmbH, Braunschweig
Verfasser:in: Sören Grund
Mitarbeiter:in: Sören Grund, Fatmir Muhadjeri, Shanjiao Jiang

  • Beurteilung durch die Jury

    Das neue Rathaus wurde mit der abgeschrägten Fassade als eigenständiger Baukörper entworfen. Die Grundstruktur soll als ein flexibles, dreidimensionales Raster verstanden werden. Durch diese Abstraktion erscheint das Gebäude offen und einladend. Der Baukörper nimmt keine Raumbezüge im Stadtraum auf. Das monolithische Erscheinungsbild des Gebäudes und die fehlende Wiedererkennbarkeit (als Rathaus) wurden insgesamt kontrovers von der Jury diskutiert.

    Die Eingangssituation mit dem durchgesteckten Foyer als Passage wirkt sehr einladend. Auch die grundsätzliche Organisation der öffentlich zugänglichen Nutzungen ist gut nachvollziehbar. Die Lage des BVV-Saales im Erdgeschoss wurde vom Bezirk positiv gewertet. Von Teilen der Fachjury wurde die Lage zwischen der Passage als Foyer und dem Bürgersteig kritisch gesehen. Die weiteren Funktionsbereiche im Erdgeschoss, wie das Frontoffice und Backoffice, ebenso die Kantine ohne Küche benötigen jedoch eine Überarbeitung zur Sicherstellung deren Funktionalität. Sehr einladend wirken die Zeremonienräume für die Hochzeiten im Dachgeschoss, die mit einem eigenen Dachgarten und Blick über Berlin werben.

    Die Idee mit einer offenen Treppenanlage alle internen Funktionsbereiche zusammen zu binden, wird als kommunikatives Mittel positiv gesehen, anderseits erfordert dies erhebliche technische Kompensationsmaßnahmen für den Brandschutz.

    Durch den abgeschrägten Baukörper entstehen sehr tiefe Grundrisse. Das vierte Obergeschoss wurde als Archiv geplant. Hier stellt sich einfach die Frage der Sinnhaftigkeit ein so wertvolles belichtetes Stockwerk als Archiv zu nutzen. Auch die darüber liegenden Stockwerke für die Verwaltung haben extrem tiefe Grundrisse, die durch die eingeschnittenen Lufträume vermutlich nicht ausreichend mit Tageslicht und Zugang zur natürlichen Lüftung versorgt werden können. Nur die oberen zwei von fünfzehn Stockwerken sind wirtschaftlich organisierbare Bürogeschosse. Positiv wurden die Dachterrassen in den oberen Stockwerken für die Verwaltung gesehen. Insgesamt ist zu erwarten, dass der technische Aufwand für künstliche Belüftung, Belichtung und die brandschutztechnischen Maßnahmen in der Erstellung und im Unterhalt sehr hoch sein wird.

    Die Fassade wirkt im Entwurf nach außen transparent und offen. In der Umsetzung werden die Glasflächen jedoch deutlich dunkler sein. Auch in der Ausformulierung der Fassade hinsichtlich deren Funktionalität als saisonal variierende Schnittstelle zwischen Innen- und Außenraum wurde kritisch diskutiert. Der große Glasflächenanteil ohne ersichtliche Öffnungsflügel wurde aus bauphysikalischen und ökologischen Gründen bemängelt. Der angedachte außenliegende Sonnenschutz, als schienengeführter Lamellenraffstore, wurde in Bezug auf Windstabilität kritisch gesehen. Insofern wird das angedachte offene Erscheinungsbild in der Umsetzung deutlich geschlossener wirken.

    Der Arbeit fehlen mehr als 12% der Nutzfläche, obwohl sie unter den 20 Arbeiten den höchsten Bruttorauminhalt hat. In dieser Form ist der Entwurf nicht innerhalb des Budgets realisierbar.

    Insgesamt ist die Arbeit ein sehr interessantes Konzept, das aber im Detail und in der Wirtschaftlichkeit deutliche Mängel aufweist.

  • Anerkennung CFMoller Perspektive aussen

    Perspektive außen

  • Anerkennung CFMoller Perspektive innen

    Perspektive innen

  • Anerkennung CFMoller Lageplan

    Lageplan

  • Anerkennung CFMoller Grundriss EG

    Grundriss EG

  • Anerkennung CFMoller Modellfoto

    Modellfoto

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Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Referat Architektur, Stadtgestaltung, Wettbewerbe