25 Jahre Mauerfall

15.11.2014

Kiezspaziergang vom 15.11.2014 mit der Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und der Landrätin Kornelia Wehlan

Bildvergrößerung: Angelika Schöttler begrüßt Ihre Gäste am S-Bahnhof Lichtenrade
Angelika Schöttler begrüßt Ihre Gäste am S-Bahnhof Lichtenrade

Liebe Kiezspaziergänger und Kiezspaziergängerinnen,
ich begrüße Sie recht herzlich zum 19. Kiezspaziergang.

Er steht unter dem Motto „25 Jahre Mauerfall“.
Die großen Feierlichkeiten und Gedenkveranstaltungen fanden vor rund einer Woche statt. Die Lichtinstallation mit fast 7.000 leuchtenden Ballons entlang der ehemals innerstädtischen Grenze war mehr als beeindruckend.

Diese einzigartige Mahnung an die Grausamkeit der Teilung fand ein weltweites Echo. Vielleicht waren sie selbst vor Ort. Mit Sicherheit haben Sie Bilder davon gesehen.
Damit konnten und wollten wir nicht konkurrieren. Wir wollen auf unsere Weise an den Mauerfall erinnern, den Opfern Gedenken und die wiedergewonnene Einheit Deutschlands feiern.
Dies machen wir heute im Rahmen des Kiezspazierganges gemeinsam mit dem Landkreis Teltow-Fläming und der Gemeinde Blankenfelde- Mahlow. Der Bezirk Tempelhof (heute Tempelhof-Schöneberg) pflegt seit 1991 eine lebendige Partnerschaft zum Landkreis Teltow-Fläming.

Bildvergrößerung: Die Bezirksbürgermeisterin und die Landrätin Kornelia Wehlan
Die Bezirksbürgermeisterin und die Landrätin Kornelia Wehlan

Ich begrüße daher Frau Kornelia Wehlan, die Landrätin des Landkreises Teltow-Fläming und den Bürgermeister der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow, Herrn Ortwin Baier.

(Es folgt die Begrüßung der Landrätin Frau Wehlan )

Wir werden nun die Prinzesinnenstraße entlanggehen und dann in die Paetschstraße links einbiegen.
Unser erster Halt wird der „Hermione-von-Preuschen-Platz“ sein.

Hermione-von-Preuschen-Platz

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Der Hermione-von-Preuschen-Platz

Hermione von Preuschen war eine der schillerndsten Persönlichkeiten Lichtenrades. Sie lebte ab 1908 für die letzten zehn Jahre ihres Lebens in der Prinzessinnenstraße 14. Das Haus steht heute nicht mehr, aber dieser Platz ist nach ihr benannt.

Sie wurde 1854 geboren und wuchs privilegiert in einem hessischen Adelsgeschlecht auf. Bereits mit 15 Jahren bekam sie privaten Malunterricht. Ein Studium durfte sie als Frau zur damaligen Zeit nicht aufnehmen.

Dies kritisierte sie auf dem „Internationalen Kongress für Frauenwerke und Frauenbestrebungen“ 1896 in einer kämpferischen Rede. Sie sagte unter anderem:
„Der talentvollen hübschen Anfängerin schaut der Mann duldsam von oben herab auf die Finger, wehe aber der Frau, die ernst genommen werden muss und die es wagt, ebenso Gutes oder gar Besseres zu leisten als der Durchschnittsmann“.

Hermione von Preuschen setzte sich über alle Konventionen ihrer Zeit hinweg und führte ein unabhängiges Leben als Künstlerin und Schriftstellerin. Zahlreiche Reisen führten sie rund um die Welt.
Die Künstlerin gilt als Begründerin des „Historischen Stilllebens“.
1887 erregte sie mit ihrem Bild Mors Imperator große Aufmerksamkeit:
Das Gemälde zeigte ein Skelett mit den Herrschaftszeichen eines Königs. Dies wurde als Anspielung auf den bereits 90jährigen Kaiser Wilhelm I. angesehen. Der Vorstand der Berliner Kunstausstellung wies das Bild wegen Majestätsbeleidigung zurück.

Bildvergrößerung: Die Bezirksbürgermeisterin und die Bürger_Innen am Hermione-von-Preuschen-Platz
Die Bezirksbürgermeisterin und die Bürger_Innen am Hermione-von-Preuschen-Platz

Der Kaiser ließ allerdings verlautbaren, dass er keine Bedenken gegen das Bild habe. Dennoch durfte es nicht ausgestellt werden. Hermione von Preuschen mietete kurzerhand ein Lokal und stellte das Bild mit großem Erfolg privat aus.
Die letzten zehn Jahre ihres Lebens lebte sie in Lichtenrade.
In ihrem Buch „Der Roman meines Lebens – Ein Frauenleben um die Jahrhundertwende“ schreibt sie:

„Ich male sehr fleißig im Winter und im ersten Frühling 1908 führte mich der Zufall nach Lichtenrade bei Berlin. Bekannte hatten mir gesagt, dort sei Grund und Boden noch erschwinglich…Ich fuhr also nach Lichtenrade, an dem Tag, da ich zum
ersten Mal seinen Namen gehört hatte.“
Sie kaufte eine Villa in der Prinzessinnenstraße, in der sie Kunstausstellungen veranstaltete und schillernde Feste in der Gesellschaft berühmter Persönlichkeiten feierte.
1918 starb sie.
Ein Jahr später wurde das Wahlrecht für Frauen eingeführt (Reichstag / Weimarer Republik) und Frauen erhielten auch das Recht, Universitäten zu besuchen.

Goltzstraße Ecke Horstwalder Straße (hinter der S-Bahn-Brücke)

Bildvergrößerung: Straßenschild Goltzstraße Ecke Horstwalder Straße
Straßenschild Goltzstraße Ecke Horstwalder Straße

Lichtenrade – Allgemein

Im Jahr 1375 wurde Lichtenrade erstmals erwähnt. Der Name soll sich aus „Lichtenrode“, eine gerodete Lichtung, herleiten. Im Gegensatz zu Tempelhof, Marienfelde und Mariendorf gehörte Lichtenrade nie zum Gebiet der Tempelritter.
Ende des 15. Jahrhunderts fielen Teile Lichtenrades an den Domstift zu Cölln und waren damit dessen Besitz.

Später – 1688 – wurde Lichtenrade komplett an das kurfürstliche Domkapitel verkauft (das Domkapitel ist die Leitungskörperschaft einer Bischofskirche ) .

Lichtenrade blieb lange Zeit ein relativ unbedeutendes Dorf mit wenigen Bauern, Gartenbaubetrieben und einem landwirtschaftlichen Großbetrieb. Nach und nach siedelten sich auch Handwerker und Gewerbetreibende an.
Einen Entwicklungsschub erhielt Lichtenrade erst durch die Eröffnung der Bahnstation 1892.
An den Bevölkerungszahlen kann man dies gut ablesen:

  • 1890 hatte Lichtenrade 546 Einwohner,
  • 1900 waren es 851 und
  • 1910 zählte Lichtenrade bereits 3.239 Einwohner.

1920 wurde Lichtenrade dann Bestandteil des neuen „Groß-Berlin“ und Teil des Bezirkes Tempelhof. In dieser Zeit hat sich auch die heutige Bebauung herausgebildet. Nach der Eingemeindung wurden die Ackerflächen nach und nach mit Einfamilienhäusern bebaut. Noch heute ist Lichtenrade fast vollständig mit flachen Einfamilienhaussiedlungen bebaut. Auf der bisherigen Strecke haben wir diese kleinteilige Bebauung bereits beobachten können. Im weiteren Verlauf des Spazierganges wird sich das nicht ändern. Genießen Sie also den Blick in die herbstlichen Gärten und die zum Teil sehr stilsicher hergerichteten Häuser.

Erst in den 1960iger und 1970iger Jahren kamen zwei Groß-Siedlungen an der Groß-Ziethener Straße hinzu, die im Rahmen des damaligen Sozialen Wohnungsbaues errichtet wurden.
Heute leben rund 50.000 Menschen in Lichtenrade.
Und da wir vorhin im Zusammenhang mit Hermione von Preuschen über berühmte Persönlichkeiten Lichtenrades gesprochen haben, der Hinweis, dass Klaus Wowereit ein Sohn Lichtenrades ist.

Mauerweg / Gedenkstele für Eduard Wroblewski

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Gedenkstele von Eduard Wroblewski

Wir haben jetzt den sogenannten „Berliner Mauerweg“ erreicht. Er wurde in den Jahren 2002 bis 2006 realisiert und führt über rund 160 Kilometer um das ehemalige West-Berlin herum.
In den meisten Abschnitten verläuft die Rad- und Wanderroute auf dem ehemaligen Kolonnenweg, den die DDR-Grenztruppen für ihre Kontrollfahrten angelegt hatten.
An vielen Stellen des Mauerweges informieren Stelen und Informationstafeln über die Historie und besondere Ereignisse in den Mauerjahren von 1961 bis 1989.
Diese Stele erinnert an den Tod des Eduard Wroblewski.

Am Abend des 26. Juli 1966 wurde er beim Versuch, die Grenzanlagen zu überwinden, von Grenzsoldaten erschossen. Er steht damit stellvertretend für 138 Menschen, die nach dem 13. August 1961 allein an der Berliner Mauer Opfer des Schießbefehls an der innerdeutschen Grenze wurden.
Er steht aber auch stellvertretend für die Vielen, die auf andere Art Opfer der DDR-Repressionen geworden sind und zum Teil noch heute darunter leiden.

Diesen Mauerweg werden wir (nicht die gesamten 160 Kilometer) bis zum Kirchhainer Damm ablaufen. Dort befindet sich der ehemalige Grenzübergang, der nach dem Mauerbau ab 1977 als Grenzübergang für die Entsorgungsfahrzeuge der Berliner Stadtreinigung zur Mülldeponie in Schöneiche, Kreis Zossen, benutzt wurde.
Heute steht dort ein vor fünf Jahren errichtetes Denkmal, das an Mauerbau und Mauerfall erinnert. Dort werden wir im Rahmen eines kleinen Bürgerfestes Gelegenheit haben, den 25. Jahrestag des Mauerfalles, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern aus Teltow-Fläming, angemessen zu begehen.

Gedenkstele für Herbert Kiebler

Bildvergrößerung: Gedenkstele für Herbert Kiebler
Gedenkstele für Herbert Kiebler

Kiebler wohnte in Mahlow und wurde 1975 von Grenzsoldaten erschossen.

(Es folgen die Gedenkworte vom Ehrenvorsitzenden des Fördervereins Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde Harald Fiss, begleitet durch durch Trompeter)

Kirchhainer Damm gegenüber dem Mauerdenkmal / Bürgerfest

(Es folgt das Grußwort der Landrätin Teltow-Fläming Frau Wehlan)

(Es folgt das Grußwort der Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler)

Verabschiedung

Ich wünsche uns allen – bei einer warmen Erbsensuppe und einem heißen Getränk – einen angenehmen Ausklang des heutigen Kiezspazierganges.