„Natur pur“ - Freizeitpark Marienfelde

21.06.2014

Kiezspaziergang vom 21.06.2014 mit Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Bürgerinnen und Bürger,

Bildvergrößerung: Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler begrüßt die KiezspaziergängerInnen am S-Bahnhof Buckower Chaussee
Angelika Schöttler begrüßt die KiezspaziergängerInnen am S-Bahnhof Buckower Chaussee

Ich begrüße Sie recht herzlich zum
15. Kiezspaziergang.

Im Mittelpunkt steht heute die Natur.

Wir werden zum Freizeitpark Marienfelde gehen und dort vergessen, dass wir in einer Großstadt sind.

An diesem Ort stellt sich eine naturbezogene Stimmung allerdings noch nicht ein. Lassen Sie uns deshalb losgehen.

Am ersten Haltepunkt werde ich Ihnen dann den Ortsteil Marienfelde vorstellen und noch weitere Informationen geben.

Entstehung Marienfeldes

Wir befinden uns hier im Ortsteil Marienfelde. Deshalb etwas zur Geschichte Marienfeldes:

Bildvergrößerung: Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler informiert über die Entstehung Marienfeldes
Angelika Schöttler informiert über die Entstehung Marienfeldes

Das Angerdorf entstand, gemeinsam mit dem benachbarten Mariendorf, etwa um 1220 als Bauernsiedlung im Schutz des Komturhofs Tempelhof, der von Tempelrittern errichtet worden war. (Als Komtureien wurden die Niederlassungen der Ritterorden bezeichnet)
Die früheste bekannte urkundliche Erwähnung stammt von 1344. Das Dorf gehörte anfangs zu den Ländereien des Templerordens, nach dessen Auflösung ab 1312 zum Johanniterorden.

Bis 1800 war Marienfelde ein kleiner Ort mit weniger als 200 Bewohnern. Etwa ab 1850 nahm die Zahl der Einwohner langsam zu.
Nach der Eröffnung des Bahnhofs Marienfelde (das ist eine S-Bahn-Station nördlich des S-Bahnhofes Buckower Chaussee) im Jahr 1875 begann die Entwicklung des umliegenden Gebietes. Sowohl die Wohnbebauung entwickelte sich als auch das Industriegebiet östlich des Bahngeländes.

Vor dem Ersten Weltkrieg wurden nun schon fast 4.000 Einwohner gezählt. Im Jahr 1920 wurde Marienfelde mit der Bildung Groß-Berlins Teil des Bezirks Tempelhof. Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gab es in Marienfelde über 10.000 Bewohner.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Kern von Neu-Marienfelde durch Bombenangriffe weitgehend zerstört.
Ende 1945 war die Einwohnerzahl auf etwas über 8.000 gesunken. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen Alt- und Neu-Marienfelde zusammen.

Einfamilienhäuser und Mietwohnungen entstanden in den 1950er und 1960er Jahren. 1970 wurden etwa 18.000 Einwohner registriert. In den 1970er Jahren entstand auch das von Hochhäusern geprägte Wohngebiet um die Waldsassener Straße und das Industriegebiet Nahmitzer Damm/Motzener Straße.

Heute leben in diesem Ortsteil etwa 33.000 Menschen.

Am Freseteich/Königsgraben

Bildvergrößerung: Der Fresenteich im Freizeitpark Marienfelde
Der Fresenteich im Freizeitpark Marienfelde

Vor uns liegt der Freseteich. Er bildet das nördliche Ende des sogenannten Königsgraben, der zur Marienfelder Feldmark führt.
Weil er im Jahr 1777 auf Veranlassung Königs Friedrichs II. angelegt wurde, trägt er den Namen „Königsgraben“.

Der Graben hatte in früheren Zeiten eine wichtige Funktion. Nach heftigen Regenfällen stand die Marienfelder Feldmark regelmäßig unter Wasser. Die Folge waren erhebliche Ernteausfälle. Es wurden daher zahlreiche kleine Entwässerungsgräben angelegt, die im Königsgraben mündeten. Von dort lief das Wasser durch Lankwitz bis in die Bäke in Lichterfelde. Heute endet der Königsgraben hier im Freseteich.

Marienfelder Feldmark

Da eben der Begriff „Marienfelder Feldmark“ gefallen ist, auch hierzu einige Anmerkungen:

Wenn man dem Verlauf des Königsgrabens Richtung Süden folgt, kommt man hinter dem Freizeitpark Marienfelde zur „Marienfelder Feldmark.“

Bildvergrößerung: Naturschauspiel im Freizeitpark Marienfelde
Naturschauspiel im Freizeitpark Marienfelde

Die Bezeichnung „Feldmark“ stammt aus dem Mittelalter. Seinerzeit haben die Grundherren und Bauern Flächen in Feldmarken eingeteilt, die durch auffällige Marken eingegrenzt waren. Dies konnten Wassergräben, markante Bäume, Waldränder, große Steine und ähnliches sein.
Bei diesen Gebieten handelte es sich nicht nur um Ackerland, es konnten auch Wälder, Wiesen und ähnliche Flächen sein. Traditionell wurde einmal im Jahr ein gemeinsamer Grenzgang durchgeführt, bei dem die Markierungszeichen kontrolliert wurden.

Die heutige Marienfelder Feldmark liegt am südlichsten Zipfel Marienfeldes zwischen Schichauweg und der Stadtgrenze.

Nachdem vor allem in den 1960er Jahren in Tempelhof, aber auch speziell in Marienfelde durch Wohn- und Industriebauten viele Grün- und Freiflächen verloren gegangen waren, gründete sich 1985 eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Rettet die Marienfelder Feldmark“. Seitdem tritt die Initiative mit Erfolg für den Erhalt dieser Feldmark ein.

Wir gehen weiter Richtung Freizeitpark.

Der Freizeitpark Marienfelde

Bildvergrößerung: Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler führt die BürgerInnen zum Freizeitpark Marienfelde
Angelika Schöttler führt die BürgerInnen zum Freizeitpark Marienfelde

Wir stehen hier an der Nordwestspitze des Freizeitparkes Marienfelde.

Der Park ist etwas 40 Hektar groß. Er ist aus einer Mülldeponie entstanden, denn die BSR lagerte auf dieser Fläche über 30 Jahre lang – von 1950 bis 1981 Hausmüll ab. Nach der Schließung als Mülldeponie konnte sich die Natur entfalten. Der Müll wurde überwuchert und es entstand ein Freizeitpark. Die höchste Erhebung liegt immerhin 77 Meter über dem Meeresspiegel und heißt entsprechend „Alpengipfel“!

Aus der Deponie entweicht, auch noch Jahre nach der Schließung, das Treibhausgas Methan, das mit Erdgas weitgehend identisch ist. Bei der Umgestaltung zum Freizeitpark wurde eine Anlage zur Abführung des Methans gebaut. Das aufgefangene Methan wurde bis 1995 in der benachbarten Schokoladenfabrik Stollwerck zur Erzeugung von Wärme eingesetzt. Als es im Jahr 2001 zu einer Verpuffung des Methangases kam, wurde der Park aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Bildvergrößerung: Das Schild der Naturschutzstation
Das Schild der Naturschutzstation

Durch die BSR wurde eine Anlage zur Erfassung des Gases installiert und 2005 wurde der Park wieder eröffnet. Das ausweichende Gas wird heute nicht mehr genutzt, sondern abgefackelt.

In der Rückschau haben sich die Jahre der völligen Schließung des Parkes als Glücksfall für Flora und Fauna herausgestellt. Es konnte sich ungestört eine enorme Artenvielfalt von Amphibien, Reptilien, Vögeln, Schmetterlingen und seltenen Pflanzen entwickeln.

Seit dem Jahr 2010 gibt es im Park eine Naturschutzstation des NABU (Naturschutzbund / Landesverband Berlin).

Hier hat der Naturranger Björn Lindner ein Natur-Erlebnisgebiet angelegt, in dem unmittelbares Naturerleben – vor allem an jüngere Menschen – vermittelt wird.

Insbesondere durch das Engagement des Naturrangers Lindner ist enorm viel entstanden. So gibt es ein umfangreiches Angebot für unterschiedliche Zielgruppen, die sich ein Bild von Flora und Fauna machen wollen.

Herr Lindner hat mit seiner Naturschutz-Station eine Reihe wertvoller Projekte ins Leben gerufen:

Beispielsweise gibt ein 1,5 km langer Naturerlebnispfad an neun Stationen Informationen zu den vielfältigen Lebensräumen und den dort vorkommenden Pflanzen- und Tierarten.

Bildvergrößerung: Bezirksbürgermeisterin Angelika schöttler übergibt Wort und Technik an den Naturranger Björn Lindner.
Angelika Schöttler übergibt Wort und Technik an den Naturranger Björn Lindner.

Der Erfolg derartiger Projekt ist in der Regel davon abhängig, dass sich Einzelne, wie hier Herr Lindner, überdurchschnittlich engagieren.

Es ist daher wichtig, dass die Finanzierung langfristig gesichert ist. Dies ist jedoch leider nicht der Fall. Erst im vergangenen Jahr drohte das Projekt zu platzen, weil die Finanzierung des Naturrangers nicht gesichert war.

Mit Unterstützung der Bezirksverordnetenversammlung und des Bezirksamtes konnte dann zunächst eine – wieder befristete – Lösung gefunden werden. Für 2015 stehen ähnliche Probleme an.

Wir haben noch ein paar Gehminuten vor uns und werden dann auf Herrn Lindner treffen, der uns „sein Natur-Erlebnisgebiet“ vorstellen wird.

Führung durch die Naturschutz-Station

Leider steht der interessante Redebeitrag des Naturrangers nicht zur Veröffentlichung zur Verfügung. Das vielseitige Veranstaltungsprogramm der Naturschutz-Station hält allerdings für große und kleine BesucherInnen allerhand Interessantes parat. Ein Blick auf die Website des Projekts lohnt sich also schon deshalb!

In der Bildergalerie finden Sie einige Impressionen von der Führung des Naturrangers durch den Naturpark Marienfelde.

Da die Zeit bereits weit fortgeschritten war, wurde der Kiezspaziergang nach der Führung durch den Naturranger beendet.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten die Option zu nächstgelegen Bushaltestelle oder zum Ausgangspunkt (S-Bahnhof Buckower Chausee) zurückzulaufen. Etliche Teilnehmer und Teilnehmerinnen blieben aber noch im Freizeitpakt Marienfelde.

Der nächste Kiezspaziergang findet – wie üblich – am 3. Samstag im Monat, nämlich am 19. Juli 2014 statt.

Treffpunkt ist um 14 Uhr am S-Bahnhof Innsbrucker Platz / Ausgang Hauptstraße – Innsbrucker Platz.
Von dort geht es oberirdisch entlang der U-Bahn-Linie 4, also der Schöneberger U-Bahn.