Volkspark Mariendorf und Friedhöfe des Ortsteils

21.09.2013

Kiezspaziergang vom 21.09.2013 mit Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler

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Treffpunkt des 7. Kiezspaziergangs

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Bürgerinnen und Bürger,

ich freue mich Sie zum siebten Kiezspaziergang begrüßen zu dürfen. Heute wird der im Mai abgebrochene Kiezspaziergang fortgeführt. Wir werden uns im Ortsteil Mariendorf bewegen und hier auch wieder sehr unterschiedliche Dinge entdecken.

Zur Einstimmung will ich Ihnen kurz etwas zur Entwicklung Mariendorfs sagen. Das Dorf Mariendorf wurde ebenso wie die Dörfer Tempelhof und Marienfelde seit etwa 1200 vom Templerorden verwaltet. Ab 1318 wurden die Dörfer den Johannitern übertragen. Erst 1810 gerieten durch die Säkularisierung des Ordens Grund und Boden der Dörfer in uneingeschränkten Privatbesitz.

Wenn man sich die Landkarte Mariendorfs heute ansieht, so erkennt man ein Tortenstück. Im Norden breiter und im Süden spitz zulaufend. In der Mitte des Tortenstückes befindet sich der Dorfkern (heute Alt-Mariendorf). Längs wird das Tortenstück von Norden nach Süden durch den Mariendorfer Damm, auf dem wir gerade stehen, in zwei fast gleichgroße Stücke geteilt.

Der heutige Mariendorfer Damm wurde 1836 bis 1838 als Chaussee von Berlin nach Cottbus angelegt. Deshalb siedelten sich zahlreiche Handwerker und Händler hier an und verhalfen dem Dorf Mariendorf zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. So zählte Mariendorf 1858 immerhin schon 839 Einwohner.
Wie überall in den Gebieten rund um das sich schnell und heftig entwickelnde Berlin, hoffte man auch in Mariendorf, auf Ackerland Villen bauen zu können. Besonders westlich des heutigen Mariendorfer Dammes schien dies realistisch zu sein, weil das Gelände durch Eisenbahnlinien (Anhalter-Bahn und Dresdener-Bahn) sehr gut an Berlin angeschlossen war. Das Gelände gehörte zwei Mariendorfer Bauern, die es 1872 an eine Grundstücksgesellschaft verkauften. Ein Jahr später wurde die Kolonie Südende gegründet.

Als 1875 der Bahnhof Südende fertig gestellt war, entwickelte sich das Gebiet – erwartungsgemäß – zu einer Kolonie von Villen und Landhäusern. Bei der Gründung von „Groß-Berlin“ 1920, die unter anderem die Einteilung in zwanzig „Bezirke“ vorsah, war eine Gebiets-Neuordnung notwendig.Ein Teil der Kolonie wurde dem „Bezirk“ Steglitz zugeschlagen, der andere Teil dem „Bezirk“ Tempelhof. Mariendorf wurde Ortsteil von Tempelhof.

Bildvergrößerung: Frau Schöttler begrüßt die zahlreich erschienenen Bürger_innen
Frau Schöttler begrüßt die zahlreich erschienenen Bürger_innen

Auf der anderen Seite, also auf der östlichen Seite, des Mariendorfer Dammes reihten sich kleinere Häuser aneinander. Dahinter waren freie Felder. Für dieses freie Gelände interessierten sich besonders die Kirchengemeinden aus der Berliner Innenstadt (Berlin hatte um 1900 bereits 1,8 Mio Einwohner).

Mehrere Landsteifen wurden an Berliner Kirchengemeinden verkauft, so auch 1902 das gegenüberliegende Grundstück an die evangelische Gemeinde der Christuskirche, die ihren Sitz in Berlin-Friedrichstadt hatte. Den Friedhof werden wir gleich durchqueren. 1913 – das wissen wir noch vom Mai-Kiezspaziergang – wurde dann die Trabrennbahn Mariendorf eingeweiht. Die Entscheidung, die Trabrennbahn hier anzulegen, fiel nicht zuletzt wegen der Pferdebahn, die aus Berlin über den Dorfanger Mariendorf bis hierher fuhr. Spätestens seit 1920, also der Gründung „Groß-Berlins“ in seiner heutigen Größe und der damit einhergehenden Eingemeindung, entwickelte sich auch Mariendorf – abzulesen an den Einwohnerzahlen:

  • 1858 – rd. 839 Einwohner
  • 1905 – rd. 9.000 Einwohner
  • 1925 – rd. 23.000 Einwohner
  • heute rd. 53.000 Einwohner.

Christusfriedhof

Der Christuskirchhof ist ein evangelischer Friedhof. Das Gelände ist ca. 62.000 qm groß. Wir haben es bereits gehört, der Friedhof wurde um 1902 angelegt. 1903 entstanden eine Kapelle und die Einfriedung mit dem Eingangsportal. Beides hat der Baumeister Schwencke errichtet.

Bildvergrößerung: Kapelle auf dem Christusfriedhof
Kapelle auf dem Christusfriedhof

Die Kapelle ist im gotischen Stil errichtet. Der Giebel ist reich verziert. Backsteinelemente und heller Putz wechseln sich ab. Auch die zinnenartigen Ecktürme zeugen von der aufwändigen Gestaltung.
Über dem Eingang befindet sich ein Mosaik mit dem Kopf Jesu Christi. Links und rechts neben dem Kopf sehen wir die griechischen Buchstaben Alpha und Omega.
Alpha und Omega sind der erste und letzte Buchstabe des klassischen griechischen Alphabets. Sie symbolisieren Anfang und Ende und damit das Umfassende des Christentums. Die beiden Buchstaben „A“ und „O“ haben Eingang in unsere Umgangsprache gefunden. Wenn wir heute vom „A“ und „O“ einer Sache reden, dann meinen wir den Kern oder das Wesentliche dieser Sache.

Gartenarchitektonisch ist der Freidhof geometrisch unterteilt.
Wir werden die Hauptachse des Friedhofes gleich durchschreiten.
Achten Sie auf das gleich rechts liegende Mausoleum der Familie Max Golz. Ein sehenswertes Grabmal im neoklassizistischen Stil, das unter Denkmalschutz steht.
Achten Sie auch auf den hinter der Kapelle stehenden hölzernen Glockenturm.

Tag des Friedhofs

Bildvergrößerung: Gräber auf dem Christusfriedhof
Gräber auf dem Christusfriedhof

Bevor wir uns wieder in Bewegung setzen, muss ich sie noch darauf aufmerksam machen, dass jedes Jahr am dritten September-Wochenende, also in diesem Jahr heute und morgen, bundesweit der „Tag des Friedhofs“ begangen wird.

Den „Tag des Friedhofs“ gibt es seit 2001. In diesem Jahr lautet das Motto: „Kein Ort wie jeder andere“. Begleitet wird der Tag mit Führungen, Diskussionen, Ausstellungen, Musikveranstaltungen etc.

Mit diesem Gedenktag soll die Bedeutung des Friedhofs als Ruhestätte und Ort der Trauerbewältigung stärker ins Bewusstsein gerückt und erweitert werden. Denn Friedhöfe sind natürlich noch mehr. Sie sind Erholungs- und Lebensraum für Mensch und Tier, sind Orte der Kunst und Kultur und auch Orte der Lokalgeschichte.

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Bezirksbürgermeisterin spricht zu den Teilnehmer_innen

Den hektischen, stark befahrenen Mariendorfer Damm haben wir nun hinter uns gelassen. Wir befinden uns jetzt in einem Teil Mariendorfs, der von einer Bebauung mit Einfamilienhäusern geprägt ist.

Die Straßennamen dieses Viertels hängen alle mit den Alpen zusammen. Es handelt sich durchgängig um Berge, Berggipfel oder Gebirgsgruppen der Alpen.

Einige Beispiele:

  • Floningweg, in dem wir uns gerade befinden > Floning, Berg in der Steiermark
  • Wildspitzweg > Wildspitze, höchster Gipfel der Ötztaler Alpen
  • Hochkalterweg > Hochkalter, Berggipfel der bayerischen Alpen
  • Tauernallee > Tauern, Gebirgsgruppe der Alpenkette
  • Reißeckstraße > Reißeck, Gebirgsgruppe der Hohen Tauern

Dazu gehört auch der Hochfeilerweg, der sich wenige hundert Meter Richtung Süden befindet. Der Hochfeiler ist ein Gipfel der Zillertaler Alpen. Ich erwähne diese Straße aber deshalb ausdrücklich, weil dort ein Stolperstein liegt. Ein Stolperstein für Eva Maria Buch.

Stolperstein für Eva-Maria Buch (Hochfeilerweg 23 a)

Eva-Maria Buch wurde am 31. Januar 1921 in Berlin geboren. Sie war eine Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus. Sie gehörte zur „Roten Kapelle“. Sie wurde katholisch erzogen und besuchte die von Ordensschwestern geleitete Ursulinen-Schule, die 1939 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Nur mit der mittleren Reife besuchte sie anschließend ein Dolmetscherseminar an der Auslandswissenschaftlichen Fakultät der Berliner Universität.

Bildvergrößerung: Frau Schöttler unterwegs in Mariendorf
Frau Schöttler unterwegs in Mariendorf

Durch ihre Arbeit in einer Buchhandlung in den Jahren 1941 und 1942 lernte sie Wilhelm Guddorf kennen, über den sie den Kontakt zur „Roten Kapelle“ fand.
Die politisch unerfahrene junge Frau nahm an einigen Zusammenkünften dieser Gruppe teil. Guddorf versteckte sie im Herbst 1942 in einer Gartenlaube. Doch die seit dem 31. August 1942 rollende Verhaftungswelle gegen Angehörige der „Roten Kapelle“ erfasst auch Eva-Maria Buch, die am
11. Oktober 1942 durch die Gestapo inhaftiert wurde. Guddorf wurde kurze Zeit später ebenfalls gefasst und am 13. Mai 1943 hingerichtet.

Eva-Maria Buch kam in Untersuchungshaft und wurde mehrfach verhört. Nach Anklage vor dem Reichskriegsgericht fand dort ihre Verhandlung statt. Als Beweismaterial diente ein von ihr ins Französische übersetzter Artikel, der für Zwangsarbeiter deutscher Rüstungsbetriebe bestimmt war. Die Arbeiter, so die Aussage des Flugblatts, sollten immer daran denken, dass es ihre Angehörigen seien, die von den durch sie gefertigten Bomben zerrissen würden.

Um andere vor der Verhaftung zu schützen, behauptete sie vor Gericht, diesen Artikel selbst verfasst zu haben. Dafür wurde sie zum Tode verurteilt. In der Urteilsbegründung hieß es, sie habe die „Verschlagenheit einer Katholikin und die Staatsfeindlichkeit einer Kommunistin“ gezeigt.

Adolf Hitler lehnte ein Gnadengesuch ihrer Eltern persönlich ab. Die 22-Jährige wurde am 05. August 1943 in Plötzensee hingerichtet.

Gartenkulturpfad Neukölln

Bildvergrößerung: An der Grenze zu Neukölln
An der Grenze zu Neukölln

Wir stehen jetzt unmittelbar an der Grenze zu Neukölln – Ortsteil Britz.
Wie an dem Schild zu erkennen ist, befinden wir uns auf dem „Gartenkulturpfad Neukölln“.

Unter dem Begriff „Gartenkulturpfad Neukölln“ hat Neukölln seit 2007 fünf Stadtspaziergänge ausgeschildert, die Neukölln von der „grünen“ Seite zeigen. Eine gute Idee, wie ich finde. Wir werden gleich auch Ausschilderungen für einen Wanderweg Nr. 10 entdecken. Ein weiß-blaues Schild mit einer „10“ in der Mitte.
Hierbei handelt es sich um einen von 20 Wanderwegen, die von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz ausgearbeitet wurden und auf deren Internetseite nachzulesen sind.
Mitgewirkt haben dabei auch der BUND e.V. und der FUSS e.V. Die Wanderwege firmieren unter dem Begriff „20 Grüne Hauptwege“ und sind bezirksübergreifend angelegt.

Der Wanderweg Nummer 10 startet an der Colditzbrücke am Teltowkanal und geht über Lichtenrade bis nach Großziethen. Für Sie als Wandererfahrene sicherlich ein guter Tipp.

Bildvergrößerung: Eingang zum Britzer Garten
Eingang zum Britzer Garten

Erkennbar ist hier einer der Eingänge zum Britzer Garten. Der 90 Hektar große Britzer Garten bietet Gartenkunst, Gastronomie, Konzerte, Veranstaltungen, Sport- und Gesundheitsangebote und Tiere, vor allem aber gepflegte gärtnerische Anlagen und Natur pur. Deshalb wurde der Park im Jahr 2002 unter die zehn schönsten Gärten Deutschlands gewählt.

Ab Mitte April (je nach Witterung) öffnen sich die Tulpenblüten in der großen Sonderschau “Tulipan im Britzer Garten”. Hunderttausende Tulpen in allen Farben und Formen zeigen bis Mitte/Ende Mai ihre ganze Pracht.

Von Mitte Mai bis Mitte Juni präsentiert der Britzer Garten dann die zarten “Zauberblüten im Rhododendronhain”. Im Juni und September lockt der Rosengarten mit hunderten Beet-, Strauch- und Kletterrosen, die von säuberlich geschnittenen Buchsbaumhecken gesäumt werden. Beim Klang der Wasserspiele lässt es sich dort wunderbar entspannen.

Der Britzer Garten verfügt aber auch über besonders gestaltete Spielplätze, deren Besuch ich Eltern oder Großeltern empfehle.

Wir werden jetzt zum Dr. Hans Hess-Stadion laufen. Der Weg führt uns durch eine schmale Gasse. Links ist das Stadion erkennbar. Rechts der Britzer Garten mit den künstlerisch gestalteten Kinderspielplätzen.

Dr. Hans Hess Stadion

Bildvergrößerung: Vor dem Dr. Hans Hess Stadion
Vor dem Dr. Hans Hess Stadion

1925 wurde der Sportverein Allianz in Berlin gegründet. Auch an anderen Standorten der Allianz gründeten sich Sportvereine, die zum Teil über eigene Sportanlagen verfügten. 1931 entstand das „Glanzstück“ unter den Allianz Sportplätzen hier in Mariendorf. Das Stadion wurde mit einem großen Sportfest eingeweiht. Blickfang der Anlage war eine doppeltürmige Tribüne mit rund 1.000 überdachten Sitzplätzen. Diese wurde im Krieg zerstört.

Die Allianz vergab jährlich einen Wanderpreis an die sportlich erfolgreichste Niederlassung in Form eines bronzenen Speerwerfers.Eine überlebensgroße Nachbildung dieses Wanderpreises steht heute auf der Anlage.Das Stadion wurde nach Hans Hess benannt.

Bildvergrößerung: Grüntenstraße
Grüntenstraße

Hans Hess wurde 1933 Nachfolger an der Spitze der Allianz AG. Er wahrte ein sehr distanziertes Verhältnis zu den Nationalsozialisten, im Gegensatz zu anderen deutschen Geschäftsführern war er nicht Mitglied der NSDAP. Er konzentrierte sich auf Fragen der Mikroökonomie und schuf dabei eine effiziente und langfristig tragfähige Struktur des Konzerns. Seine Arbeit legte somit die Grundlage des heutigen Konzerns. Hans Hess selbst hatte sich in seiner Jugend in den Disziplinen Laufen, Fechten, Speerwurf, Fußball und Pferdesport geübt. Den Leistungsgedanken übertrug er in den Arbeitsalltag, indem erfolgreiche Mitarbeiter wie bei einem Sportwettbewerb belohnt wurden.

Wir gehen jetzt weiter in die Grüntenstraße (auch hier der Hinweis: Der Grünten ist ein Gipfel am Nordrand der Allgäuer Alpen). Achten Sie mal auf die besonders liebevoll gestalteten Vorgärten der Häuser auf der linken Straßenseite.

Kolonie Barnet / Kolonie Charenton le Pont

Das Schild weist auf die Kleingarten-Kolonie „Barnet“ hin. Hinter dieser Kolonie befindet sich eine weitere, die den Namen Charenton le Pont trägt. Erwähnenswert ist hier, dass beide Kolonien Namen von Partnerstädten unseres Bezirkes tragen. Lassen sie mich die Partnerstädte kurz vorstellen:

Bildvergrößerung: Diese Kleingarten-Kolonie trägt den Namen einer Partnerstadt von Tempelhof-Schöneberg
Diese Kleingarten-Kolonie trägt den Namen einer Partnerstadt von Tempelhof-Schöneberg

Barnet:
Der London Borough of Barnet ist ein Bezirk im Londoner Norden. Heute hat der 86,74 km² große Bezirk 331.500 Einwohner, ungefähr so viele wie Tempelhof-Schöneberg. Die Städtepartnerschaft zwischen Tempelhof und Barnet besteht seit 1955.

Charenton le Pont:
Charenton-le-Pont ist eine französische Gemeinde, die an den südlichen Rand von Paris angrenzt. Die Gemeinde hat 26.582 Einwohner. Die Partnerschaft zwischen Charenton-le-Pont und Tempelhof beruht auf einer langjährigen Tradition. Enge Schulkontakte bestehen zwischen der Tempelhofer Gustav-Heinemann-Schule und der französischen Partnerstadt.

Karpfenpfuhl (Grünzug)

Bildvergrößerung: Weg durch den Karpfenpfuhl
Weg durch den Karpfenpfuhl

Wir gehen nun durch den Park an der Britzer Straße. Hier befinden sich drei Pfuhle, also kleine Teiche, die keinen Zufluss haben. Wie an einer Kette sind der Karpfenpfuhl, der Kleine Karpfenpfuhl und der Grüntenpfuhl aufgereiht. Diese Kette setzt sich jenseits der Britzer Straße noch fort. Es handelt sich um ein Überbleibsel der Eiszeit.

Der Grünzug ist durch eine Grundmöräne entstanden, also gewaltige Gesteinsmassen, die unter dem Eis begraben waren und durch den hohen Druck des Eises zermalmt worden sind. Die Pfühle sind sogenannte Toteislöcher, die nach dem Abschmelzen des Eises zum Vorschein kamen. Sie sollen dauerhaft erhalten bleiben und bilden zusammen mit der Uferzone ein geschütztes Naturdenkmal.

Für uns stellt sich der Grünzug als ein Stück Landschaft und Idylle mitten in der Stadt dar. Nur von der Britzer Straße hört man ein Wenig vom Verkehrslärm der Großstadt.

Heidefriedhof

Bildvergrößerung: Schild über dem Eingang des Heidefriedhofs
Schild über dem Eingang des Heidefriedhofs

Der Heidefriedhof ist der größte Friedhof in Mariendorf. Auf seiner zentralen Hauptachse sind Wacholder und Heidekraut angepflanzt, die ihm auch seinen Namen geben.

Der Friedhof ist in einen Landschaftsgarten mit einer Fläche von 210.000 qm eingebettet und liegt zwischen der Straße Alt-Mariendorf und der Reißeckstraße. Die Anlage wurde 1951 vom Architekten Bernhard Kynast errichtet. Sie umfasst 624 Einzelgräber und ein Sammelgrab, in denen Soldaten des Zweiten Weltkrieges und Zivilisten bestattet sind.

Im Rahmen des Volkstrauertages gedenkt der Bezirk jedes Jahr, mit einer Kranzniederlegung, an Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Es befinden sich hier die Grabstätten von folgenden Persönlichkeiten:

  • Otto Burgemeister (1883-1957) , deutscher Politiker der SPD
    Er war von 1919 bis 1933 Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung, von 1947 bis 1951 Bezirksbürgermeister in Berlin-Tempelhof und von 1950 bis 1954 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin.
  • Fritz Grantze (1893-1966) , deutscher Politiker der CDU
    Fritz Grantze lernte Kaufmann, und war seit 1925 selbständiger Großhändler für Krankenhaus- und Arztbedarf. Grantze gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den Mitbegründern der IHK Berlin. In den 1950er Jahren gehörte er dem Bundesvorstand der AOK an. Am 18. März 1964 wurde ihm der Titel eines „Stadtältesten“ verliehen. Grantze war von 1954 bis zu seinem Tode Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Er gehörte dem Deutschen Bundestag vom 17. November 1955 bis 1957 an.
  • Franz Klühs (1877-1938)
    Er war ein deutscher Sozialdemokrat, Redakteur und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.
  • Alfred Menger (1901-1979), Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, Stadtältester von Berlin
    Er war mehrere Jahre SPD-Fraktionsvorsitzender der BVV Tempelhof
  • Fritz Wiesener (1880-1929)
    Er war von 1913 bis 1921 war er Bürgermeister in Tempelhof. (Parteizugehörigkeit war nicht zu ermitteln)

Dorfanger Alt-Mariendorf

Bildvergrößerung: Verabschiedung vor dem Heidefriedhof
Verabschiedung vor dem Heidefriedhof

Wenige Meter geradeaus befinden sich der U-Bahnhof Alt-Mariendorf und etliche Bus-Verbindungen und damit endet auch unser Kiezspaziergang.

Bevor ich mich von Ihnen verabschiede, möchte ich Ihnen noch kurz etwas über den alten Mariendorfer Dorfanger erzählen und noch einen kulturellen Tipp für den nächsten Ausstellungsbesuch geben. Der eigentliche Anger ist nicht mehr erhalten. Auf ihm liegt heute die Straße Alt-Mariendorf. Am Rande stehen jedoch noch einige Zeitzeugen, die auf die dörfliche Vergangenheit hinweisen: die Dorfkirche, die Dorfschule und mehrere alte Bauernhäuser aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

In einem dieser Häuser, dem alten Schulgebäude, befindet sich heute das Tempelhof-Museum. Hier ist die historische Dauerausstellung „Zwischen Feldern und Fabriken – Orte, Menschen, Geschichten“ zu sehen.
Besonders hinweisen möchte aber auf eine aktuelle Ausstellung über Hermione von Preuschen. Sie lebte 1854 bis 1918.

Die kulturhistorische Ausstellung erinnert an eine bemerkenswerte Frau: Hermione von Preuschen setzte sich über alle Konventionen ihrer Zeit hinweg und führte ein unabhängiges Leben als Künstlerin und Schriftstellerin. Zahlreiche Reisen führten sie rund um die Welt. Die Künstlerin gilt als Begründerin des „Historischen Stilllebens“. 1887 erregte sie mit ihrem Bild Mors Imperator große Aufmerksamkeit: das Gemälde zeigte ein Skelett mit den Herrschaftszeichen eines Königs und wurde als Majestätsbeleidigung gewertet. Die letzten 10 Lebensjahre verbrachte Hermione von Preuschen in Lichtenrade, wo sie in ihrer Villa „Tempio Hermione“ Kunstausstellungen und Feste veranstaltete,zu denen die Berliner Gesellschaft anreiste.

Die Ausstellung ist noch bis zum 03.11.2013 geöffnet. Ein Besuch lohnt sich.

Verabschiedung

Ich danke Ihnen, dass Sie mich wieder begleitet haben und hoffe, dass die letzten beiden Stunden für Sie informativ, unterhaltsam und bereichernd waren. Vielleicht habe ich ja auch zu der einen oder anderen „Nachfolge-Aktivität“ angeregt. Es würde mich freuen.

Der nächste Kiezspaziergang findet am 19. Oktober 2013 in Schöneberg statt. Wie immer um 14:00 Uhr. Treffpunkt ist die Potsdamer Straße / Eingang zum Kleistpark / Königskolonnaden. Wir werden das historisch interessante Kammergerichtsgebäude und den Kleistpark kennenlernen.