Baumpflege und Baumprüfungen

Bäume in einer Grünanlage
Bäume in einer Grünanlage
Bild: BA-TS

Baumpflege

Ziel ist es, den Straßenbäumen und den Grünanlagenbäumen eine möglichst optimale Pflege zu geben und damit nachhaltig die Lebensqualität in der Stadt zu erhöhen.
Bäume stellen in der Stadt mit Ihren Veränderungen das sichtbarste Zeichen für den Verlauf der Jahreszeiten dar. Sie sind in ihrer stadtbild- bzw. landschaftsprägenden Funktion wie auch in ihrer Wirkung für die Natur von herausragender Bedeutung.
Von Bäumen gehen viele positive Wirkungen aus:
• Sie sind Lebensraum für Tier und Pflanze.
• Sie dienen als Wind- Sonnen- und Lärmschutz.
• Sie filtern und befeuchten die Luft und produzieren Sauerstoff.

Trotz optimaler Pflege sind Fällungen aus verschiedenen Gründen nicht immer zu verhindern. Weiteres hierzu unter Straßenbaumpflanzungen und Straßenbaumfällungen.

Die Baumpflege umfasst im Einzelnen folgende Aufgaben:
• Verkehrssicherheitskontrollen mit Nachweisführung
• Überwachung der Verkehrs- und Lichtraumprofile
• Beseitigung von Unfall- und Sturmschäden
• Fassadenfreischnitt
• Führen des Baumkatasters
• Abstimmung von privaten und öffentlichen Baumaßnahmen

Grundsätzlich ist der beste Schnitt aus Sicht des Baumes der, der gar nicht stattfindet. Der natürliche Habitus bleibt erhalten. Abgesehen von Erziehungsschnitten bei Jungbäumen bedeutet jede Verletzung eine Verminderung der Vitalität und Lebenserwartung. Aus diesem Grund werden stärkere Schnittmaßnahmen nur durchgeführt, wenn der Baum eindeutig Schadsymptome aufweist oder wenn das Verkehrsraumprofil beeinträchtigt ist.

Seit ca. 15 Jahren werden die bezirklichen Bäume in einem digitalen Baumkataster erfasst und verwaltet. Die einzelnen Baumdaten, die regelmäßigen Baumkontrollen und sämtliche Maßnahmen an den Bäumen werden hier dokumentiert. Im Folgenden die Darstellung der Baumdaten im Baumkataster als Liste sowie als einzelnes Baumdatenblatt:

Darstellung im Baumkataster
Darstellung der Baumdaten im Baumkataster
Bild: BA-TS
Baumdatenblatt beispielhaft
Baumdatenblatt beispielhaft
Bild: BA-TS

Baumprüfungen und weitergehende Untersuchungen

Die regelmäßigen Kontrollen erfolgen gemäß der „Verwaltungsvorschriften über die Kontrolle der Verkehrssicherheit von Bäumen auf öffentlichen Flächen“. Sie finden einmal jährlich als visuelle Kontrolle (Sichtkontrolle) auf Basis von VTA (“Visual Tree Assessment” nach Claus Mattheck) statt. Dabei werden die Bäume durch eine gewissenhafte und fachlich qualifizierte Inaugenscheinnahme vom Boden aus, ohne Werkzeuge oder andere Hilfsmittel, auf Anzeichen überprüft, die die Verkehrssicherheit beinträchtigen können. Unsere Baumkontrolleure sind in VTA geschult und besuchen regelmäßig Seminare, um auf dem Stand der Technik zu bleiben.

Die abschließende Beurteilung der Verkehrssicherheit kann erfolgen, wenn bereits die Sichtkontrolle zu einem zweifelsfreien Ergebnis gelangt. Dies ist der Fall, wenn

a) keine Schäden oder Schadsymptome erkennbar waren, oder
b) Schäden oder Schadsymptome festgestellt wurden und Art und Umfang der erforderlichen Maßnahmen festgelegt werden können.

Wenn nach der Sichtkontrolle Zweifel an der Verkehrssicherheit oder den erforderlichen Maßnahmen bestehen, wird zur Klärung eine visuell-manuelle Kontrolle unter Einsatz von einfachen Werkzeugen, je nach Befund gezielt vorgenommen.

Bei weiterhin bestehenden Zweifeln an der Verkehrssicherheit erfolgt ein weitergehende Untersuchung durch entsprechend geschulte und erfahrene Fachkräfte unter Einsatz der notwendigen technischen Hilfsmittel (z.B. Resistograph – Bohrwiderstandsmessung, Bohrkernentnahme durch Zuwachsbohrer). Bei Naturdenkmalen oder besonders prägenden Bäumen werden unabhängige Baumgutachter hinzugezogen.

Resistograph im Einsatz
Resistograph im Einsatz
Bild: BA-TS
Beispiele Resistographenkurven
Beispiele Resistographenkurven
Bild: BA-TS

Maßnahmen an Bäumen

Bei erkannten Gefahren oder Baumschäden werden die erforderlichen Maßnahmen ergriffen, die eine fachkundige Person als verständiger und umsichtiger, in vernünftigen Grenzen vorsichtiger Mensch für notwendig und ausreichend hält, um andere vor Schaden zu bewahren. Die Maßnahmen werden fachgerecht in einem zumutbaren Umfang und entsprechend ihrer Dringlichkeit ausgeführt. Maßnahmen können sein:

a) Kronenpflege (Entfernung von toten, geschädigten oder reibenden Ästen, Fassaden- und Laternenfreischnitt, Licht- und Verkehrsraumschnitt).

b) Kroneneinkürzung (Entfernung schlecht versorgter oder geschädigter Kronenteile, Ausgleichsschnitt bei zunehmend schiefen Bäumen, Hebelreduzierung bei überlangen Ästen).

c) Baumfällungen (werden nur angeordnet bei abgestorbenen Bäumen, bei lebenden Bäumen nur, wenn keine anderen geeigneten erforderlichen und verhältnismäßigen Maßnahmen zur Herstellung der Verkehrssicherheit zur Verfügung stehen, sowie wenn für Baumaßnahmen die Entfernung unbedingt erforderlich ist).

Da wir immer wieder den Anschuldigungen ausgesetzt sind, gesunde Bäume grundlos gefällt zu haben, weil ja der Sägeschnitt in ca. 1 m Höhe nur gesundes Holz zeigt, folgende Anmerkung:
Der Sägeschnitt zeigt die Momentaufnahme der Sägeschnittebene. Schon wenige Millimeter darunter oder darüber kann das Holz stark zersetzt sein. Die Problemstellen die zur Fällung geführt haben liegen meist auf anderer Ebene, etwa am Wurzelansatz und den Hauptwurzeln, oder am Kronenansatz und den Hauptästen.

Offfene Stockfäule
Nicht immer ist das Problem so deutlich sichtbar wie bei dieser offenen Stockfäule
Bild: BA-TS
Morscher Kronenansatz an einem Kugelahorn
Komplett morscher Kronenansatz eines alten Kugelahornes, der Sägeschnitt in ca. 1m Höhe zeigt sicher kerngesundes Holz
Bild: BA-TS
Fauler Wurzelhals einer Robinie
Wurzelhals der Robinie komplett faul, Sägeschnitt in ca. 1m Höhe zeigt gesundes Holz
Bild: BA-TS

Artenschutz

Bei der Festlegung von Maßnahmen werden die geltenden artenschutzrechtlichen Bestimmungen beachtet. Insbesondere werden bei Fällungen oder Einkürzungen die Bäume auf das Vorhandensein von geschützten Tierarten und deren Lebensstätten untersucht. Oftmals werden Sachverständige um fachkundigen Rat gebeten.

Sind zum Zeitpunkt der Maßnahme genutzte Lebensstätten vorhanden, kann es erforderlich sein, geplante Maßnahmen aufzuschieben und den gefährdeten Bereich zu sperren. Wo dies nicht möglich ist, wird eine Befreiung bei der unteren Naturschutzbehörde beantragt und eine Umsiedlung oder Bergung der Tiere vorgenommen.

Höhlungen in einem alten Baum
Die Höhlungen in einem alten Baum bieten Lebensstätten für Vögel und Fledermäuse
Bild: BA-TS

Hauptsächlich vorkommende sicherheitsrelevante Schäden an Bäumen:

Mechanische Schäden

Anfahrschäden (Teil- oder Totalschäden)

Bruch- oder Wurfversagen zunehmend schiefer Bäume, überlanger Äste

Biologisch: Morschungen und Fäulen aufgrund holzzersetzender Pilze

Pilzsporen gelangen meist durch äußere Verletzungen des Baumes oder der Wurzeln in den Organismus. Das Pilzmyzel wächst in den Holzzellen und zersetzt ja nach Pilzart die Zellulose oder das Lignin. Dieser Vorgang ist meist nicht von außen sichtbar. Sichtbare Pilzfruchtkörper werden erst gebildet, wenn die Holzzersetzung nach außen fortschreitet und das Myzel dadurch Kontakt zur Außenluft erhält. Die Holzzersetzung im Inneren ist meist weit fortgeschritten. Ein Entfernen lediglich der Pilzfruchtkörper löst nicht das Problem! Manchmal ist es möglich, befallene Baumteile zu entnehmen und von einer Fällung noch einige Zeit abzusehen.

Ein Erkennen des Pilzbefalles bei der visuellen Kontrolle ist nur möglich, wenn

  • Pilzfruchtkörper sichtbar sind,
  • der Baum selbst befallene Bereiche durch Reparaturanbauten zu überwallen versucht (Beulen, Verdickungen),
  • befallene Bereiche schlechter versorgt werden und einsinken (Nekrosen).

Leider müssen wir in letzter Zeit vermehrt den Befall mit Pilzarten feststellen, die Holz in kürzester Zeit so zersetzen, dass bereits nach wenigen Monaten Bruchgefahr besteht. Hier wäre besonders die sogenannte „Massaria-Krankheit“ an Platanen zu erwähnen. Festgestellter Befall erfordert sehr schnelles Handeln. In diesem Fall kann mit Schnittmaßnahmen nicht bis zur Vegetationsruhe abgewartet werden.

abgebrochener Ast der auf dem Boden liegt (typischer Massariabruch)
Typischer Massariabruch
Bild: BA-TS
abgebrochener Ast der auf dem Boden liegt (typischer Massariabruch)
Bild: BA-TS

Rechtliche Grundlagen und ihre Auswirkungen auf unsere Baumarbeiten

a) Baumschutzverordnung – BaumSchVO

Die BaumSchVO findet keine Anwendung auf Bäume

  • die als Naturdenkmal ausgewiesen sind,
  • die zu einem Gartendenkmal gehören,
  • die dem Grünanlagengesetz unterliegen.

Von den Ge- und Verboten des § 4 Absätze 1-3, 5 bleiben unberührt:
…2. Maßnahmen der zuständigen Dienststellen auf öffentlichen Straßen sowie auf sonstigen öffentlichen Flächen,
…5. Maßnahmen auf Grabfeldern gewidmeter Friedhofsflächen im Rahmen des Bestattungsbetriebes.
§ 4 Absatz 4: Nicht unter das Verbot des Absatzes 1 fallen
…1. Ordnungsgemäße und fachgerechte Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen…

b) Bundesnaturschutzgesetz – BNatSchG

Der § 39 Absatz 5 Satz 1 Nr.2 verbietet, „Bäume … in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen, …“
Damit fallen zulässige Kronenrückschnitte an Bäumen oder das zulässige Beseitigen von Ästen (zulässig aufgrund der Verbotsfreistellung des § 4 Absatz 4 BaumSchVO) von vorneherein nicht unter das Verbot nach BNatSchG § 39 Absatz 5 Satz 1 Nr. 2.
Denn derartige Eingriffe in die Baumsubstanz müssen während der Zeit des Saftflusses, also innerhalb der Vegetationsperiode erfolgen, damit die zugefügten Wunden besser abgeschottet werden können (dabei lagert der Baum pilzhemmende Substanzen im Bereich der Verletzungen ein). Andernfalls würden die Bäume geschädigt und dadurch in ihrem Weiterbestand beeinträchtigt, was nicht nur der Zielsetzung der BaumSchVO zuwiderliefe, sondern gerade auch im Widerspruch zu der auf die Erhaltung der Lebensgrundlagen zielende Schutzbestimmung BNatSchG § 39 Absatz 5 Satz 1 Nr.2 stünde.
Das Verbot des BNatSchG § 39 Absatz 5 Satz 1 Nr. 2 gilt nicht für Maßnahmen, die im öffentlichen Interesse nicht auf andere Weise oder zu anderer Zeit durchgeführt werden können, wenn sie behördlich durchgeführt werden, behördlich zugelassen sind oder der Gewährleistung der Verkehrssicherheit dienen.

(Quelle Rundschreiben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt IE223 vom 01.08.2014: Anforderungen des allgemeinen Artenschutzes bei der Beseitigung von Bäumen oder anderen Gehölzen während des Zeitraums 1. März bis 30. September)