Das Deutsche Kinderhilfswerk untersucht in seinem Kinderreport Deutschland regelmäßig die Umsetzung der UN-Kinderrechte in Deutschland. Der aktuelle Bericht zeigt, dass Befragte sich einheitliche Bildungsstandards und mehr staatliche Investitionen wünschen.
In den Artikeln 28 und 29 der UN-Kinderrechtskonvention verpflichten sich Bund und Länder, allen jungen Menschen einen diskriminierungsfreien Zugang zu hochwertiger Bildung zu garantieren und Bildungsorte so zu gestalten, dass sie die Persönlichkeitsentwicklung, die Entfaltung von Fähigkeiten sowie die demokratische Teilhabe fördern. Wie Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche den Ist-Zustand der chancengerechten Bildung in Deutschland einschätzen und welche konkreten Veränderungen und Maßnahmen sie für wichtig halten, zeigen die Ergebnisse der repräsentativen forsa-Umfrage für den Kinderreport Deutschland 2026.
Auf die Frage, welche Maßnahmen im Bildungssystem die Befragten für nötig hielten, um sozial benachteiligten Kindern bessere Bildungschancen zu ermöglichen, benannten 93 % der Erwachsenen zusätzliches, qualifiziertes Personal an Schulen und Kitas, um pädagogische Fachkräfte von organisatorischen Aufgaben zu entlasten. 91 % nannten einheitliche Bildungsstandards und -bedingungen, 90 % eine kostenfreie Bildung sowohl in Kita als auch Schule einschließlich Lern- und Unterrichtsmaterialien sowie 88 % eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Kita, Schule und Jugendarbeit. Eine stärkere finanzielle Förderung von Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Kinder empfinden 84 % als wichtig, während 80 % sich dafür aussprechen, geflüchtete Kinder schneller und verpflichtend in das deutsche Schulsystem aufzunehmen. Ein längeres gemeinsames Lernen von Kindern mit unterschiedlichen Leistungsniveaus befürworteten hingegen nur 59 %.
Anders fiel die Gewichtung unter den befragten Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 17 Jahren aus: Sie benannten mit 88 % Zustimmung den kostenlosen Besuch von Kita und Schule sowie den kostenfreien Erhalt von Schulmaterialien als wichtigste Maßnahme für mehr Bildungsgerechtigkeit, dicht gefolgt von einheitlichen Bildungsstandards über alle Bundesländer hinweg mit 87 %. Einen schnellen schulischen Zugang von geflüchteten Kindern befürworten 78 %, mehr finanzielle Mittel für Schulen in sozial herausfordernden Lagen halten noch 61 % für wichtig. Ebenfalls nah beieinander lagen hier eine stärkere Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bildungseinrichtungen wie Kita, Schule und Jugendarbeit mit 72 % und mehr Personal in Schulen, um pädagogische Fachkräfte zu entlasten mit 69 %. Unter den Kindern und Jugendlichen fand sich mit 49 % Zustimmung keine Mehrheit für das längere gemeinsame Lernen zwischen Kindern mit unterschiedlichen Leistungen.
Nah beieinander lagen Erwachsene und Minderjährige bei der Frage nach wichtigen direkten Maßnahmen zur Unterstützung sozial benachteiligter Kinder im Schulalltag. Am wichtigsten empfinden beide verbindliche Lern- und Sprachförderangebote (Erwachsene: 94 %, Minderjährige: 88 %), gefolgt von Unterstützungsangeboten für Familien in belasteten Lebenslagen (Erwachsene: 91 %, Minderjährige: 86 %) und einer flächendeckenden Schulsozialarbeit (Erwachsene: 87 %, Minderjährige: 81 %). Eine individuellere Leistungsbewertung über klassische Noten hinaus befürworten 70 % der Erwachsenen und 71 % der Minderjährigen. Die größte Diskrepanz zeigt sich bei der Frage nach mehr Ganztagsangeboten, die von 82 % der Erwachsenen und 71 % der Minderjährigen befürwortet werden.
Die gestellten Fragen zu förderlichen Maßnahmen für Mitbestimmung, Teilhabe und demokratisches Lernen machen deutlich, wie wichtig Kinder und Jugendliche das Thema finden, zeigen aber auch eine größere Zurückhaltung bei Erwachsenen: Ganze 94 % der befragten Schüler/-innen meinen, in der Schule sollte darüber gesprochen werden, wie Demokratie funktioniert und wie man fair miteinander umgeht (Erwachsene: 88 %), eine Mitbestimmung bei Regeln oder Projekten befürworten 88 % der Kinder und Jugendlichen (Erwachsene: 67 %). Verhältnismäßig einig sind sich Erwachsene und Schüler/-innen hingegen bei der Frage nach mehr Mitbestimmung von Kita-Kindern: Hier sprach sich in beiden Gruppen jeweils nur eine Minderheit (Erwachsene: 40 %, Minderjährige: 41 %) dafür aus.
Für den Kinderreport 2026 wurden im Januar 2026 im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes von der forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH zwei Erhebungen durchgeführt: Befragt wurden 1.006 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 Jahren sowie 1.002 Erwachsene. Beide Befragungen wurden als Online-Befragung durchgeführt.