Berlin stärkt den Kinderschutz und baut Unterstützungsangebote für besonders belastete Kinder und Jugendliche weiter aus. Auf der heutigen Pressekonferenz stellte Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie zentrale Neuerungen in vier Schwerpunktbereichen vor: die Verbesserung der psychologischen Versorgung in stationären Einrichtungen, Reformen in der Pflegekinderhilfe, das Platzausbauprogramm Jugend sowie die Schaffung sogenannter Flexwohnungen zur Stabilisierung hochbelasteter junger Menschen.
Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie: „Mit den heute vorgestellten Maßnahmen stärken wir Schutz, Stabilität und Verlässlichkeit für besonders belastete Kinder und Jugendliche in Berlin. Wir schaffen zusätzliche spezialisierte Plätze für hochkomplexe Bedarfe, stärken individuelle Hilfesettings mit neuen Flexwohnungen, verbessern die psychologische Versorgung und unterstützen Pflegefamilien so konkret wie nie zuvor – unter anderem mit dem Programm Startbonus Pflegekind. Mein Anspruch ist, dass jedes Kind und jeder Jugendliche in Berlin auch in schwierigen und komplexen Lebenslagen auf verlässliche Unterstützung zählen kann. Dafür bauen wir die bestehenden Strukturen gezielt weiter aus und entwickeln sie bedarfsgerecht fort“
Mehr Plätze in der stationären Jugendhilfe und neues Wohnprojekt „Flexwohnen“
Ab 2026 wird das Platzausbauprogramm 1,4 Millionen im Doppelhaushalt 2026/2027 fortgeführt und weiter verstärkt. Damit baut Berlin weiter gezielt spezialisierte stationäre Angebote für Kinder und Jugendliche mit komplexem Unterstützungsbedarf sowie für junge Menschen in akuten Krisensituationen aus.
Dieses Förderprogramm wurde 2024/2025 für zusätzliche Plätze in der Kinder- und Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe mit rund 5 Millionen Euro aufgelegt. Insgesamt entstanden so bereits 79 neue Plätze, darunter 28 für junge Menschen mit komplexem Hilfebedarf, 18 in akuten Krisensituationen, 18 für unbegleitete minderjährige Geflüchtete und 15 für junge Menschen mit Behinderungen. Entwickelt wurde das Programm von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie in enger Abstimmung mit den bezirklichen Jugendämtern und der LIGA der freien Wohlfahrtspflege.
Für junge Menschen mit komplexen Hilfebedarfen an der Schnittstelle zur Psychiatrie schafft die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie drei neue Flexwohnungen mit jeweils einem Intensivplatz und stärkt damit gezielt individualisierte Hilfesettings. Diese stationären Plätze ermöglichen besonders belasteten Jugendlichen, die in Gruppensettings nicht betreut werden können, ein individuell zugeschnittenes und stabiles Hilfesetting inklusive Wohnraum und fachlicher Intensivbetreuung.
Neuerungen in der Pflegekinderhilfe
Seit diesem Jahr 2026 profitieren Pflegepersonen von einer neuen Zuständigkeitsregel der Jugendämter. Künftig ist das Jugendamt am Wohnort der Pflegeeltern zuständig, wenn ein Pflegekind länger als zwei Jahre in einer Pflegefamilie lebt. Zuvor lag die Zuständigkeit beim Jugendamt am Wohnort der Ursprungsfamilie. Mit der Neuregelung erhalten Pflegefamilien eine dauerhafte, wohnortnahe Begleitung.
Mit der elterngeldähnlichen Leistung „Startbonus“ werden Pflegeeltern bei der Aufnahme eines Pflegekindes unter sechs Jahren zusätzlich finanziell unterstützt. Der Startbonus wurde im Jahr 2025 als Modellprojekt eingeführt. Infolge dieser Maßnahme konnten 76 neue Pflegestellen geschaffen werden. Pflegeeltern erhalten über den Startbonus eine zusätzliche Unterstützung in Höhe von 924 Euro monatlich.
Ebenfalls neu ist ein Konzept der Bereitschaftskrisenpflege. Damit werden in allen Bezirken zusätzliche Krisenpflegestellen geschaffen, die insbesondere jungen Kindern in akuten Krisensituationen eine kurzfristige, sichere Unterbringung und verlässliche Versorgung ermöglichen sollen. Geplant ist, in jedem Bezirk mindestens zwei entsprechende Krisenpflegestellen einzurichten. Zudem werden die etablierten Schlüsselprozesse wie Überprüfung, Vermittlung und Beratung inhaltlich geprüft, weiterentwickelt und um den eigenständigen Prozess Kinderschutz ergänzt. Zur bereits erfolgten Anhebung der Pauschalen sind dies maßgebliche Bausteine zur Verbesserung für Pflegefamilien, erstmalig fand zudem im Januar 2026 ein großer Jahresempfang zur Würdigung Berliner Pflegeeltern statt, an dem rund 700 Pflegepersonen teilnahmen. Die Angebote der Ferienreisen für Pflegekinder werden in diesem Jahr weiter ausgebaut.
Stärkung des Berliner Notdienst Kinderschutz (BNK)
Durch die Eröffnung neuer Außenstellen und der Schaffung von zusätzlichen Personalstellen im Berliner Notdienst Kinderschutz (BNK) wurden bereits im letzten Jahr die Weichen für eine nachhaltige Stärkung des Berliner Notdienst Kinderschutz gestellt. Seit 2026 ist der BNK personell und strukturell weiter ausgebaut auf insgesamt 171,01 Vollzeitstellen. Allein an den zentralen Standorten wurden zuletzt 15 zusätzliche Stellen geschaffen, hinzu kommen rund 36 weitere Vollzeitstellen in den neu eingerichteten Außenstellen. Neben den Bestandsstandorten Kindernotdienst, dem Jugendnotdienst und der Kontakt und Beratungsstelle mit Notübernachtung Sleep In gehören heute auch die neu eingerichteten spezialisierten Außenstellen wie das Mädchen Schutzhaus, eine intensivpädagogische Gruppe des Kindernotdienstes sowie eine Außenstelle des Jugendnotdienstes zum festen Bestandteil der BNK-Struktur.
Der BNK sichert außerhalb der Dienstzeiten der Jugendämter den Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung und hält berlinweit 51 Plätze mit Aufnahmeverpflichtung vor. 2025 wurden insgesamt 1.354 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen.
Verbesserung der psychologischen Versorgung in stationären Einrichtungen
Seit 2026 richtet sich das neue Projekt KOMPASS der Psychologische Hochschule Berlin an psychisch stark belastete Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren im betreuten Wohnen oder in Kriseneinrichtungen, insbesondere in den Übergangsphasen.
KOMPASS bietet kurzfristig verfügbare, niedrigschwellige psychotherapeutische Beratung mit durchschnittlich zwölf kostenfreien Sitzungen, auch ohne Krankenversicherung. Ziel ist die Stabilisierung in Krisen, die Begleitung von Übergängen etwa von der Psychiatrie in eine Wohngruppe und die nachhaltige Betreuung in einer Wohnform. Für das Projekt stehen jährlich rund 200.000 Euro zur Verfügung, damit können rund 120 Kinder und Jugendliche erreicht werden.