Mit einem Jahresempfang für Pflegefamilien würdigt das Land Berlin erstmals Pflegeeltern aus allen Bezirken. Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie lädt gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin zu der Veranstaltung ein und setzt damit ein sichtbares Zeichen der Anerkennung für Pflegefamilien und ihren wichtigen Beitrag zum Kinderschutz.
Vor rund 800 Pflegefamilien zieht Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch eine Bilanz der umgesetzten Verbesserungen und kündigt weitere Neuerungen an. Bereits im Jahr 2024 wurden die finanziellen Rahmenbedingungen für Pflegefamilien durch die Anhebung der Pauschalbeträge deutlich verbessert.
Kai Wegner, Regierender Bürgermeister: „Pflegeeltern und Pflegefamilien schenken Kindern das Wertvollste, was es gibt: Geborgenheit und ein sicheres Zuhause. Dieser Jahresempfang – den wir zum ersten Mal und von nun an jährlich veranstalten – würdigt das große Engagement der Pflegeeltern. Wer Verantwortung für ein Kind übernimmt, übernimmt Verantwortung für unsere Gesellschaft. Deshalb werden wir Pflegeeltern stärken und die Unterstützung in den kommenden Jahren weiter ausbauen.“
Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie: „Pflegefamilien leisten einen unverzichtbaren Beitrag für den Schutz und die Entwicklung von Kindern. Mit der heutigen Würdigung machen wir dieses Engagement erstmals stadtweit sichtbar und sagen Danke. Zugleich stärken wir Pflegeeltern auch strukturell – mit verbesserten Rahmenbedingungen und einer verlässlichen Begleitung. Unser Anspruch ist es, Pflegekindern sichere und stabile Lebensorte zu bieten und Pflegefamilien nachhaltig zu unterstützen.“
Zu den Neuerungen gehört unter anderem eine neue Zuständigkeitsregelung der Jugendämter. Künftig ist das Jugendamt am Wohnort der Pflegeeltern zuständig, wenn ein Pflegekind länger als zwei Jahre in einer Pflegefamilie lebt. Zuvor lag die Zuständigkeit beim Jugendamt am Wohnort der Ursprungsfamilie, was insbesondere bei häufigen Wohnortwechseln oder mehreren Pflegekindern mit erheblichen Belastungen für Pflegeeltern verbunden war. Mit der ab sofort geltenden Neuregelung erhalten Pflegefamilien eine dauerhafte, wohnortnahe Begleitung.
Ebenfalls neu ist ein Konzept der befristeten Vollzeitpflege mit Aufnahmeverpflichtung. Damit werden in allen Bezirken zusätzliche Krisenpflegestellen geschaffen, die insbesondere jungen Kindern in akuten Krisensituationen eine kurzfristige, sichere Unterbringung und verlässliche Versorgung ermöglichen sollen. Geplant ist, in jedem Bezirk mindestens zwei entsprechende Krisenpflegestellen einzurichten. Die Finanzierung dieser Plätze übernimmt die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.
Der „Startbonus Pflegekind“ wird fortgeführt und vom Modellprojekt dauerhaft in den Landeshaushalt überführt. In den Jahren 2026 und 2027 stehen hierfür jeweils 800.000 Euro aus dem regulären Landeshaushalt zur Verfügung. Pflegeeltern, die ein Kind neu aufnehmen, erhalten eine monatliche Unterstützung von 924 Euro zur finanziellen Entlastung in der Anfangsphase des Pflegeverhältnisses. Der Startbonus hat sich als wirksames Instrument zur Gewinnung neuer Pflegefamilien erwiesen: Seit seiner Einführung zum 1. Januar 2025 konnten 72 neue Pflegefamilien gewonnen werden. Erstmals nach mehreren Jahren rückläufiger Zahlen ist damit wieder ein Zuwachs zu verzeichnen; für 2026 wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet.
Zur langfristigen Stabilisierung von Pflegeverhältnissen hat die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie zudem neue bezirksübergreifende und gesamtstädtische Entlastungsangebote geschaffen. Dazu zählen jährliche Ferienreisen für Pflegekinder sowie niedrigschwellige psychosoziale Unterstützungsangebote im Rahmen eines zirkustherapeutischen Angebots.
Bereits im Jahr 2024 wurde außerdem die unabhängige Beschwerdestelle PRIO für Pflegekinder und Kinder der stationären Jugendhilfe eröffnet.
Im laufenden Jahr werden die Fachstandards der Pflegekinderhilfe weiterentwickelt, insbesondere mit Blick auf den Kinderschutz und die Stärkung von Schutzkonzepten.