Achtet AlisMB ist das Jugendgremium der Staatlichen Museen zu Berlin. Hinter dem Namen, der ein Anagramm des Verbundnamens darstellt, verbirgt sich eine Gruppe, die Wünsche, Erfahrungen, Ideen und Perspektiven junger Menschen in die Häuser und Ausstellungen der Staatlichen Museen zu Berlin bringen will. Wir sprachen mit einigen Mitgliedern über die Arbeit des Gremiums, bisherige Projekte und die Frage, wie man junge Menschen für Kunst und Kultur begeistern kann.
Was genau macht Ihr innerhalb des Gremiums?
Als Jugendgremium beschäftigen wir uns zum einen damit, dass jungen Menschen mehr Gehör, Rücksicht und Spielräume innerhalb der Museen geschenkt werden. Zum anderen wollen wir genau die Angebote und Möglichkeiten zur Mitgestaltung schaffen, die hier unserer Meinung nach noch fehlen. Dafür erarbeiten wir in enger Zusammenarbeit mit den Museen eigene Projekte vom Konzept bis zur Umsetzung – sei es in Form von Workshops, Events, Audioguides, Texten oder Interventionen.
Wie arbeitet „Achtet Alis“? Seid ihr grundsätzlich an der Konzeption neuer Ausstellungen innerhalb der Museen beteiligt oder werdet Ihr projektbezogen angefragt?
Bisher waren wir vor allem projektbezogen eingebunden. Das heißt, es gab zum Beispiel bereits eine geplante Ausstellung und wir haben uns ein dafür passendes Projekt überlegt, indem wir uns gefragt haben, was uns noch interessieren würde, was fehlt oder nochmal neue Perspektiven auf das jeweilige Thema ermöglichen würde.
Grundsätzlich treffen wir uns jede Woche zum Jour fixe und updaten uns aus unseren Projektgruppen, die sich ganz nach individuellen Kapazitäten und Interessen zusammenfinden. Wir besprechen viel in der Großgruppe, haben für Projekte dann aber meistens Kleingruppen, die intensiv an ihren jeweiligen Ideen arbeiten. Aktuell arbeiten wir beispielswiese an einem Audioguide über die Museumsinsel und unterstützen das Museum für Islamische Kunst, das nächstes Jahr eröffnet.
Würdet ihr euch ein dauerndes Mitspracherecht wünschen?
Mehr Mitsprache wäre toll! Nicht nur was das Ausstellungsprogramm angeht, sondern auch in Bezug auf ganz grundlegende Entscheidungen, die im Museum getroffen werden. Wir denken, dass es auch auf struktureller Ebene wichtig wäre, junge Perspektiven einzubeziehen. Wir möchten mitgestalten, nicht „nur” Angebote hinzufügen. Ein eigenes regelmäßiges Format anzubieten, ist definitiv ein Zeil von uns. Zurzeit fehlen uns die Mittel und Räumlichkeiten dazu, aber wir haben klar definierte Ziele und lassen nicht locker.
Ihr habt in den fünf Jahren seit Gründung von „Achtet Alis“ rund 30 Projekte organisiert. Worum ging es euch da?
Viele unserer Projekte hinterfragen, wie wir gelernt haben, Museen zu erleben. Die unausgesprochenen Regeln, wie man sich in einem Museum verhalten und was man dort interessant finden soll. Im Hamburger Bahnhof, ganz am Anfang der Gründung von „Achtet Alis“, fragten wir mit von uns designten Postkarten: „Was ist scheiße?“. Diese Karten sorgen immer noch für Aufsehen.
In der Neuen Nationalgalerie hatten wir die Gelegenheit, einen gesamten Raum zu gestalten, als dieser einen Monat lang leer stand. Und wir haben uns ausgetobt. Wir stellten Aufgaben, die die Besucher dazu ermutigten, sich anders durch den Raum zu bewegen als gewohnt. Wir eröffneten eine Silent-Disco-Tanzfläche mit Spiegelplatten, und ließen ein riesiges Fadennetz aus Garn von den Besuchern durch den Raum spannen. Wir lieben es, wenn man anpackt, und selber als Besuchende/-r in der Ausstellung sichtbar werden kann.
An anderer Stelle haben wir im Rahmen des Cultural Collabs mit dem Museum Islamischer Kunst das Haus Bastian – das Zentrum für kulturelle Bildung auf der Berliner Museumsinsel – in ein Meer aus Teppichen und Ruhe verwandelt, als wir dort eine Listening Session mit DJ und Ambient Music veranstalteten. Später gestalteten wir die Räume im Haus Bastian zum Thema „Sehnsucht” mit riesigen Pappmaschée-Skulpturen, die Bezug zu Kunstwerken in den Ausstellungen der Staatlichen Museen hatten und in uns Sehnsucht weckten.
Was für Maßnahmen eignen sich eurer Meinung nach am besten, um Jugendliche und junge Menschen für Museumsbesuche oder auch andere kulturelle Angebote zu begeistern?
Die beste Strategie, um junge Leute anzuziehen ist, junge Leute einzubeziehen. Jede Generation kennt die eigene am besten. Auch die größte Empathiefähigkeit ersetzt die Teilhabe von Personen der Altersgruppe selbst nicht. Wir finden Events oder Open Spaces anlockend. Ein offenes Kommen und Gehen, keine festen Zeiten wie bei Workshops oder Führungen. Wir wollen Museen zu Orten gestalten, an denen man einfach Zeit verbringen möchte.
Gerade junge Menschen aus einkommensschwachen Familien haben nicht selten weniger Bezug zu kulturellen Angeboten. Wie kann man diese Kluft überbrücken?
Mit kostenfreien Angeboten für die Altersgruppe. Und wie eben schon gesagt, Räume schaffen, wo man ohne Geld auszugeben, verweilen kann. Und ganz wichtig: viel über die sozialen Medien werben! So viele Museen haben unglaubliche Angebote, aber wenn man nicht in der Bubble ist, erreicht einen das tollste Programm nicht. Auch unsere Arbeit soll Awareness auf beiden Seiten schaffen: den jungen Menschen wollen wir zeigen „schaut, hier gibt es Angebote für uns“ – den Institutionen „schaut, wir haben Interesse!“.
Außerdem können Angebote helfen, die man auch von zuhause aus wahrnehmen kann. Personen, die arbeiten gehen, Angehörige pflegen oder andere Verpflichtungen haben, haben oftmals weniger Ressourcen Kultur zu erleben. Da passen Podcasts, Videos oder Online-Führungen manchmal besser in die vollen Tagesabläufe. Auch der „Standesdünkel”, der in Museen oft noch Gang und Gäbe ist, ist aus unserer Sicht nicht hilfreich, wenn es darum geht, Menschen mit unterschiedlichen Backgrounds anzulocken. Man sollte nicht erst Fachwörter lernen müssen, um Kunst zu verstehen. Auch hier sollte die wichtigste Strategie sein, die Perspektiven der Menschen, die man erreichen möchte, auch in die Entscheidungen miteinzubeziehen.
Seid Ihr offen für neue Mitglieder? Was müssen Interessierte mitbringen, wie können sie sich melden?
Absolut! Wir haben regelmäßig offene Treffen. Besondere Qualifikationen braucht man keine, einfach Neugierde und die Lust und Ausdauer, an alten Strukturen zu rütteln. Aktuell haben wir keine Förderung mehr und sind an kein Museum gebunden, bleiben aber bestehen, da wir weiterhin für Projekte angefragt werden und als Gruppe so gut funktionieren. Wer Interesse hat, kann uns einfach anschreiben, entweder per Mail über achtetalismb@gmail.com oder über unseren Instagram-Kanal. Wir freuen uns natürlich auch über Schüler/-innen und Azubis! Was Interessierte wissen sollten: Wir arbeiten ehrenamtlich.