Nachdem im Juli mit dem Ersten Erwachsenenbildungsbericht ein umfassender Überblick über die Weiterbildungslandschaft Berlins veröffentlicht wurde, ist im September nun auch erstmals der Berliner Erwachsenenbildungspreis verliehen worden.
Einen zentralen Beitrag zur Erwachsenenbildung leisteten im Berichtszeitraum (2021–2024) die Berliner Volkshochschulen (VHS). Im Vergleich zu anderen großstädtischen Volkshochschulen in Deutschland weist Berlin eine deutlich überdurchschnittliche Angebotsdichte auf: Während sich der bundesweite Durchschnitt ohne Berlin bei rund 157 Unterrichtseinheiten je 1.000 Einwohner/-innen bewegt, lag dieser Wert in der Hauptstadt für das Jahr 2024 bei 234. Hierbei muss allerdings eine hohe Varianz zwischen den Bezirken berücksichtigt werden. Während Bezirke wie Mitte (372) oder Neukölln (385) aufgrund ihrer Bevölkerungsstruktur traditionell ein umfangreiches Angebot, insbesondere im Bereich Deutsch als Zweitsprache, aufweisen, liegen Bezirke wie Marzahn-Hellersdorf (118), Treptow-Köpenick (147) oder Lichtenberg (151) sogar unter dem Bundesdurchschnitt. Mit dem Wert aus 2024 erreicht die Weiterbildungsdichte wieder das Niveau von 2019 (234), nachdem die Werte in den Jahren 2020 (154) und
2021 (166) spürbar abgefallen waren.
Die Volkshochschulen verfügen bundesweit über eine einheitliche Programmstruktur. Sie bieten Erwachsenenbildung in den Programmbereichen Politik/Gesellschaft, Kultur, Gesundheit, Sprachen, Grundbildung, Schulabschlüsse sowie Arbeit und berufliche Bildung an. Die Berliner Volkshochschulen sind mit über 40 Sprachen ein bedeutender Anbieter im Bereich Sprachbildung, wobei sich der Programmbereich in Fremdsprachen sowie Deutsch als Zweitsprache gliedert. Insgesamt entfielen im Jahr 2024 652.720 der insgesamt 913.702 Unterrichtseinheiten auf diesen Bereich, was einem Anteil von 71,4 % entspricht. Damit prägt der Sprachenbereich das Gesamtangebot der Volkshochschulen maßgeblich. Gerade der Programmbereich Deutsch als Zweitsprache (DaZ) ist von zentraler Bedeutung für das Angebot der Berliner Volkshochschulen und prägt deren Leistungsstruktur maßgeblich. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Zuwanderung nach Berlin übernehmen die Volkshochschulen eine zentrale Rolle beim Spracherwerb für
Erwachsene und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur kommunalen Integrationsarbeit. Im Jahr 2024 entfielen rund 54 % der Unterrichtseinheiten sowie etwa 28 % der Belegungen auf den DaZ-Bereich.
Auf den Bereich Kultur/Gestalten entfielen weitere 8,9 %, auf den Bereich Gesundheit 7,4 %. Die Programmbereiche Arbeit und berufliche Bildung sowie Politik/Gesellschaft weisen im Zeitverlauf rückläufige Anteile am Gesamtangebot auf. Während der Anteil der beruflichen Bildung im Jahr 2013 noch bei 8 % der Unterrichtseinheiten lag, beträgt er im Jahr 2024 noch 4 %. Auch die politische Bildung weist mit 1,6 % der Unterrichtseinheiten geringe Anteile am Gesamtangebot auf. Allerdings ist bei der Interpretation dieser Entwicklung zu berücksichtigen, dass bei einem insgesamt wachsenden Gesamtangebot bereits konstante absolute Zahlen zu einem sinkenden prozentualen Anteil führen können.
Der Programmbereich Grundbildung hat im Berichtszeitraum deutlich an Bedeutung gewonnen. Im Jahr 2024 wurden rund 20.000 Unterrichtseinheiten durchgeführt, was einem Anteil von gut 2 % aller Unterrichtseinheiten an den Berliner Volkshochschulen entspricht. Im Vergleich zum Jahr 2018 mit knapp 14.000 Unterrichtseinheiten ergibt sich eine überdurchschnittliche Steigerung von nahezu 50 % innerhalb von sechs Jahren. Diese Entwicklung unterstreicht die Aufgabe der Volkshochschulen, niedrigschwellige Bildungsangebote für alle Bevölkerungsgruppen zur Verfügung zu stellen.
Mit Blick auf die Zusammensetzung der Teilnehmenden zeigt sich eine hohe Stabilität. Frauen stellen mit 69,2 % der Teilnehmenden die Mehrheit – ein Wert, der sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert hat. Entgegen verbreiteten Annahmen werden die Angebote der Volkshochschulen allerdings nicht überwiegend von älteren Menschen genutzt. Vielmehr dominieren die mittleren Altersgruppen. Die 35- bis 50-Jährigen stellen mit 29,2 % die größte Gruppe dar, gefolgt von den 25- bis 35-Jährigen mit 24,3 %. Beide Gruppen haben ihren Anteil seit 2021 leicht erhöht. Die Altersgruppe der 50- bis 65-Jährigen bildet mit 23,3 % die drittgrößte Gruppe. Erst danach folgen die über 65-Jährigen. Junge Erwachsene (18 bis 25 Jahre) sind mit 7,9 % geringer vertreten.
Zentraler staatlicher Akteur der politischen Erwachsenenbildung ist die Berliner Landeszentrale für politische Bildung. Im Jahr 2024 erreichte sie in insgesamt 196 Veranstaltungen 10.279 Teilnehmende (vgl. 2021: 172 Veranstaltungen mit 9.459 Teilnehmenden). Die staatlichen Angebote werden durch solche von freien Trägern ergänzt. Bis 2024 wurden insgesamt 47 freie Träger nach dem Erwachsenenbildungsgesetz gesetzlich anerkannt und tragen so zur Vielfalt der Berliner Erwachsenenbildung bei. In 140.887 Unterrichtseinheiten erreichten sie 2024 66.140 Teilnehmende. Die freien Träger der Erwachsenenbildung richten ihre Angebote gezielt an besondere Zielgruppen, sodass 72,2 % der Teilnehmenden unter 25 Jahren alt waren, 58,3 % einen Migrationshintergrund hatten, 38,9 % eine Behinderung aufwiesen und 61,1 % ehrenamtlich tätig waren (Mehrfachnennungen möglich).
Während der Bericht die Arbeit in der Erwachsenenbildung sichtbar macht, würdigte der Anfang September erstmals verliehene Erwachsenenbildungspreis besonderes Engagement in der Erwachsenenbildung. In der Kategorie „Angebot und Projekt“ wurden zwei Auszeichnungen vergeben: Der Verein BAUFACHFRAU Berlin e.V. wurde für sein Projekt „QLab“ geehrt. Das branchenübergreifende Bildungsangebot für Frauen verbindet Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Transformation und praxisnahe Lernformate, um Zukunftskompetenzen, Selbstwirksamkeit und berufliche Neuorientierung zu stärken. ERW-IN („Erwachsenenbildung inklusiv“), ein Angebot der Lebenshilfe Berlin in Kooperation mit den Berliner Volkshochschulen, wurde für sein inklusives und barrierearmes Bildungsangebot für Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen prämiert. Das seit 2012 etablierte Projekt setzt die UN-Behindertenrechtskonvention konsequent um und realisiert Bildungsgerechtigkeit und lebenslanges Lernen für alle. Darüber hinaus wurden
auch ein Preis in der Kategorie „Erwachsenenbildungslehrkraft“ sowie ein Sonderpreis für besondere Verdienste vergeben.