TUKI – Theater & Kita initiiert und gestaltet berlinweit Partnerschaften zwischen Theatern und Kitas, bei denen die Begegnung der Allerjüngsten mit der Darstellenden Kunst im Mittelpunkt steht. Anlässlich der neuen Bewerbungsrunde für eine TUKI-Partnerschaft ab dem Herbst sprachen wir mit der TUKI Programmleitung Ann-Marleen Stöckert und Isabel Feifel über das Konzept und den Ablauf der Kooperationen.
TUKI initiiert Partnerschaften zwischen Kitas und Theatern. Welches Anliegen verfolgt das Programm genau?
TUKI ist ein Programm der frühkindlichen kulturellen Bildung, das sehr jungen Kindern Zugänge zum eigenen Theaterspiel und zur Rezeption von Theaterstücken eröffnet. Gerade für Kinder, die noch nicht lesen und schreiben können, wie auch für Kinder, deren Sprachkenntnisse (noch) nicht stark ausgebildet sind, bieten Theatererfahrungen besondere Möglichkeiten. Die Kinder lernen künstlerische Ausdrucksformen kennen, sich selbst darin zu erproben und im Zusammenspiel aufeinander achtzugeben. Sie erfahren mit allen Sinnen etwas über die Welt und sich selbst. Dabei erweitern sie ganz nebenbei nicht nur ihr Wissen und Können, sie bekommen Anerkennung und entwickeln Selbstvertrauen. Weil die ersten Lebensjahre uns prägen, stärkt kulturelle Bildung jedes einzelne Kind in seiner persönlichen Entwicklung und wirkt positiv auf Bildungsbiografien. Deshalb ist TUKI für uns auch unbedingt ein Programm der kulturellen und gesellschaftlichen Teilhabe, das einen konkreten Beitrag zur
Bildungsgerechtigkeit und zu einem sozialen Miteinander in dieser Stadt leistet.
Warum setzen Sie hier in den Kitas an?
Die Zusammenarbeit mit Kitas ist für TUKI dabei wesentlich. Sie ermöglicht, Kinder unabhängig von ihrer sozialen und sozioökonomischen Herkunft zu erreichen und stärkt gleichzeitig die Kitas als Bildungsorte. Indem Theater ihr junges Publikum besser kennen lernen, können sie passendere Angebote entwickeln und profitieren ebenso von den Partnerschaften. Wir haben eine einzigartige Kindertheaterlandschaft in Berlin, mit der wir eng kooperieren und auch gezielt Produktionen für die Allerjüngsten fördern. Wir sind davon überzeugt, dass man für Kunst und den Reichtum, den sie uns schenkt, nicht zu jung sein kann.
Ab Herbst 2026 startet eine neue Runde, für die sich Kitas ab sofort als TUKI-Tandem- oder TUKI-Forscher-Kita bewerben können. Können Sie die beiden Formate kurz vorstellen?
Im dreijährigen Tandem-Format steht die Vielfalt von künstlerischen Herangehensweisen und methodischen Mitteln im Fokus, die sich in der Theaterarbeit mit Kindern umsetzen lassen. Vom Figuren- oder Schattenspiel über experimentelles Musiktheater bis hin zu Tanz und Performance. Außerdem spielt die Qualifizierung der Pädagog/-innen und die Implementierung der Theaterarbeit in den Kitas eine besondere Rolle. Im einjährigen TUKI ForscherTheater geht es hingegen dezidiert um künstlerische Forschung – ausgehend von einer gemeinsam mit den Kindern gefundenen Forschungsfrage, wie „Woher kommt das Geld?“, „Können wir mit Tieren sprechen?“ oder „Wo sind die Geräusche, wenn man sie nicht hört?“. Das künstlerische Forschen erfordert ein hohes Maß an Beobachtung und Dokumentation und ist eher für ältere Kita-Kinder geeignet. In beiden Formaten ist die Zusammenarbeit mit den pädagogischen Fachkräften Grundvoraussetzung und
Gelingensbedingung. Beide Formate stellen die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Kinder in den Mittelpunkt und verfolgen einen inklusiven und prozessorientierten Ansatz. Das heißt, es geht uns grundsätzlich nicht um die „perfekte“ Präsentation am Ende, sondern vielmehr um partizipative Prozesse und das Finden altersgerechter performativer Formen.
Welche Rolle spielen die Erzieher/-innen in der Projektumsetzung?
Die enge Zusammenarbeit mit Erzieher/-innen ist ein zentrales Element bei TUKI, denn sie sind es, die den pädagogischen Alltag der Kita-Kinder gestalten, ihre pädagogische Expertise ist für die TUKI-Theaterarbeit ebenso unverzichtbar wie die künstlerische Expertise der Theaterschaffenden. Wir entwickeln in Kooperation mit unseren Partner-Theatern und dem Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg für jede TUKI-Runde ein umfangreiches Fortbildungsangebot und unterstützen die Erzieher/-innen dabei, eigene künstlerische Herangehensweisen zu finden und Ideen zunehmend selbständig umzusetzen. TUKI versteht sich grundsätzlich als Netzwerk, in dem alle Beteiligten mit- und voneinander lernen, also nicht nur die pädagogischen Fachkräfte, sondern ebenso die Theaterschaffenden, die Kinder und nicht zuletzt die Theaterhäuser und wir selbst. Und TUKI wirkt nachhaltig: Indem die Kitas und Erzieher/-innen die ästhetisch-künstlerische Bildung zu einem festen
Bestandteil ihres pädagogischen Alltags machen, bleibt der Theaterzauber in den Einrichtungen lebendig. Wir laden unsere ehemaligen Partner-Kitas („TUKI Freiflieger“) weiterhin zu Fortbildungen ein und veranstalten für sie jährlich ein Netzwerktreffen zum kollegialen fachlichen Austausch.
Wie und bis wann können sich interessierte Kitas bewerben?
Es gibt ein mehrstufiges Bewerbungsverfahren. Der erste Schritt ist eine schriftliche Bewerbung, die bis zum 13. März möglich ist. Aus den schriftlichen Bewerbungen treffen wir eine engere Auswahl. Dabei berücksichtigen wir Kriterien wie die Motivation, aber auch die Lage und Größe der Kita, die öffentliche Anbindung, das pädagogische Konzept und die Zusammensetzung der Kinder. Die ausgewählten Kitas besuchen wir dann persönlich, führen ein Gespräch mit der Kita-Leitung und den an TUKI interessierten Erzieher/-innen. Auch geeignete und für TUKI verfügbare Räume sind immer ein Thema. Schließlich beginnt das Puzzeln: die von uns ausgewählten Kitas verbinden wir mit unseren Partner-Theatern. Wir achten einerseits darauf, vor allem Kitas in Randbezirken oder kulturell unterversorgten Gebieten mitzunehmen, andererseits muss das Partner-Theater für die Kita und die Kita für unsere Theaterschaffenden erreichbar sein. Außerdem sollen unterschiedliche Träger und
Bezirke vertreten sein. Den Abschluss bildet ein gemeinsames Kennenlern-Treffen mit den potentiellen Theaterschaffenden, bei dem Erwartungen und Bedingungen abgeglichen werden. Die TUKI-Theaterarbeit erfordert ein hohes Maß an Vertrauen und Offenheit, aber auch Verbindlichkeit und Kommunikation. Wir investieren bewusst viel Zeit in diesen komplexen Auswahlprozess, denn unsere Erfahrung zeigt, dass sich die Sorgfalt lohnt, für alle Beteiligten. Wir sind sehr gespannt auf die neue Runde und freuen uns auf zahlreiche Bewerbungen theaterbegeisterter Kitas!