Berliner Mauerweg - Vom Griebnitzsee zum Wannsee

Etappenlänge: 12 Kilometer

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Stadtplan Berlin.de
Bildvergrößerung: Griebnitzsee 1959; Grenzschild auf dem Wasser
Griebnitzsee 1959; Grenzschild auf dem Wasser
Bild: Landesarchiv/Horst Siegmann

Diese Etappe beginnt am S-Bahnhof Griebnitzsee. Unweit davon, am Gleisdreieck Griebnitzsee / Kohlhasenbrück, hat am 18. April 1962 ein Fluchtversuch stattgefunden, bei dem zwei Menschen starben. Der 19-jährige Offiziersschüler Peter Böhme war aus der Flak-Artillerie-Schule der Nationalen Volksarmee in Potsdam desertiert und wollte mit einem anderen Offiziersschüler nach West-Berlin fliehen. Bei einem Schusswechsel mit DDR-Grenzsoldaten wurde Peter Böhme tödlich getroffen. Ebenfalls getötet wurde der Gefreite Jörgen Schmidtchen, der als Postenführer der Grenztruppen die Flucht verhindern wollte.

Bildvergrößerung: Mauerrest Griebnitzsee
Mauerrest Griebnitzsee
Bild: SenStadt

Die Grenze zum ehemaligen West-Berlin liegt in der Mitte des Griebnitzsees; nur ein kleiner Teil ganz im Westen gehörte vollständig zur DDR. Die Sperranlagen zogen sich am südlichen Seeufer entlang, das von der DDR-Führung für den Grenzausbau enteignet worden war. Ein Mauerrest am Ufer des Griebnitzsees blieb erhalten; er steht wie alle Reste der Berliner Mauer unter Denkmalschutz. In Verlängerung der Stubenrauchstraße erinnern Informationsstelen an die Maueropfer Willi Marzahn, Peter Böhme und Jörgen Schmidtchen.

Für DDR-Bürger war der See nicht zugänglich; erst nach 1990 ist der ehemalige „Kolonnenweg“ zum beliebten Spazierweg geworden. Um ein bleibendes Wegerecht für die Öffentlichkeit wird mit den alten und neuen Grundstücksbesitzern heftig gestritten. An der Parkbrücke wechselt der Mauerweg von Babelsberg auf die andere Seite, wo er durch die Waldmüller- und Möven- auf die Königstraße führt.
Mauerweg über Parkbrücke
Parkbrücke
Bild: SenStadt/Guggenthal

Dabei durchfahren Sie zwischen Parkbrücke und Königstraße die einstige DDR-Exklave Klein Glienicke, ein schmetterlingsförmiges Siedlungsgebiet, das von der Mauer umschlossen war. Eine Infotafel zum Berliner Mauerweg in der Waldmüllerstraße berichtet über die Geschichte der Exklave. Die angrenzenden Schlösser und Gärten sowie der Böttcherberg gehörten zu West-Berlin. Klein Glienicke war nur von Babelsberg über die Parkbrücke erreichbar, die von Grenzkontrollposten der DDR überwacht wurde. Bewohner mussten einen Registriervermerk im Personalausweis vorweisen, Besucher für ihren Aufenthalt einen Passierschein beantragen. Denn Klein Glienicke lag im „Grenzgebiet“, für das besondere „Sicherheitsvorschriften“ galten. Wegen dieser Einschränkungen zogen vor allem jüngere Leute aus Klein Glienicke fort. Leerstehende Häuser wurden abgerissen; 1979 musste die Kapelle geschlossen werden. Im Juli 1973 gelang zwei Familien durch einen 19 Meter langen, nur mit Kinderschaufel und Spatenblatt gegrabenen Tunnel vom Keller ihres Hauses die Flucht nach West-Berlin. Wegen des hohen Grundwasserspiegels galt ihr Grundstück laut „Grenzsicherungsplan“ als „nicht tunnelgefährdetes Gebiet“ und wurde nur sporadisch kontrolliert. Dass der Grundwasserspiegel in Hitzeperioden erheblich sinkt, hatten die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR allerdings nicht bedacht. In der Waldmüllerstraße finden Sie auch Informationsstelen für die Maueropfer Horst Körner, Rolf Henniger, Norbert Wolscht, Rainer Gneiser und Günter Wiedenhöft.

Bildvergrößerung: Glienicker Brücke bei Nacht
Glienicker Brücke
Bild: Markus Mainka

Auf der Königstraße fahren Sie westlich zur Glienicker Brücke. Als „Grenzübergangsstelle Potsdam“ durfte sie nach dem Mauerbau nur von Mitarbeitern der west-alliierten Militärverbindungsmissionen, Privatpersonen mit Sondererlaubnis und später auch von in der DDR akkreditierten Diplomaten genutzt werden. Den Nimbus der „Agentenbrücke“ hat die Glienicker Brücke 1962 durch den Austausch des KGB-Agenten Rudolf Abel gegen den amerikanischen Pilot Francis Powers erhalten, der während eines Spionageflugs über der Sowjetunion abgeschossen worden war. Nach dem Tausch kam es nur noch 1985 und 1986 zu vergleichbaren Aktionen. Doch die Faszination des Grenzübergangs blieb ungebrochen. 1989 war die Glienicker Brücke eine die beiden ersten zusätzlichen Übergangsstellen, die schon am Tag nach dem Mauerfall, am 10. November 1989 geöffnet wurden.

Möglich ist hier ein Abstecher zur Villa Schöningen auf der Potsdamer Seite der Glienicker Brücke. Kurz hinter der Villa an der Schwanenallee befinden sich Informationsstelen für die Maueropfer Herbert Mende und Horst Plischke. Horst Plischke ertrank am 19. November 1962 bei seinem Fluchtversuch. Herbert Mende wurde ohne Fluchtabsicht im Grenzgebiet angeschossen und erlag am 10. März 1968 seinen Verletzungen.

Bildvergrößerung: Mauerweg am Volkspark Klein-Glienicke
Mauerweg am Volkspark Klein-Glienicke
Bild: Senatskanzlei

Zwischen dem Jagdschloss Glienicke und Kladow verlief die Grenze in der Mitte von Glienicker Lanke und Havel, westlich an der Pfaueninsel vorbei. Zusätzlich zu Unterwassersperren in Ufernähe ließ die DDR-Führung an Land Sperranlagen mit zwei Mauern oder Zäunen, Grenzstreifen und Wachtürmen anlegen. Der Mauerweg führt von der Glienicker Brücke am östlichen Ufer durch den Volkspark Klein Glienicke zum S-Bahnhof Wannsee. Unterwegs treffen Sie am Krughorn auf eine Infotafel des Berliner Mauerwegs, die über die Geschichte der Sacrower Heilandskirche berichtet.

  • Streckeninfos: Vom S-Bhf. Griebnitzsee führt die zwölf Kilometer lange Tour zunächst entlang des Griebnitzsees Richtung Westen. Am Ende des Sees überquert man die Glienicker Lanke und gelangt durch Klein Glienicke an die Glienicker Brücke. Von dort bringt Sie der Weg an der Havel entlang durch den Volkspark Klein-Glienicke über Krughorn und Moorlake zur Pfaueninselstraße, die durch den Wald auf die Königstraße führt. An der Kreuzung Königstraße / Kronprinzessinnenweg geht es links zum S-Bhf. Wannsee. Eine Anschlussstrecke von der Glienicker Brücke nach Sacrow entlang des Jungfern-, Lehnitz- und Krampnitzsees wird von der Stadt Potsdam geplant.

Sehenswürdigkeiten an der Strecke

Schloss Babelsberg

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Bild: ALCE - Fotolia.com

Karl Friedrich Schinkel hat Schloss Babelsberg ab 1833 im englisch-neugotischen Stil als Sommerresidenz für den späteren Kaiser Wilhelm I. errichtet. Nach Schinkels Tod 1841 setzte Ludwig Persius die Arbeit fort. Weitere Informationen

Jagdschloss Glienicke

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Bild: Wolfgang Bittner LDA

Das 1682 für den Großen Kurfürsten errichtete Jagdschloss Glienicke wechselte mehrfach den Besitzer, war Lazarett und Tapetenfabrik, bis es Prinz Karl von Preußen 1859 als Sommersitz für seinen Sohn Friedrich Karl erwarb. Weitere Informationen

Schloss Glienicke

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Bild: Wolfgang Bittner LDA

Mit dem Bau der Berlin-Potsdamer Chaussee entwickelte sich Klein Glienicke ab 1791 vom Gutshaus des Jagdschlosses zur Schlossanlage. Prinz Carl von Preußen erwarb das Areal 1824 als Sommersitz. Weitere Informationen

Schloss Pfaueninsel

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Bild: draghicich - Fotolia.com

Für Friedrich Wilhelm II. und seine Geliebte, Gräfin Lichtenau, entstand 1794–97 Schloss Pfaueninsel. Hofbaumeister Brendel errichtete eine künstliche Ruine in Fachwerkkonstruktion, die an ein „verfallenes römisches Landhaus“ erinnern sollte. Weitere Informationen

Kirche St. Peter und Paul

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Bild: Wolfgang Bittner LDA

Die evangelische Kirche St. Peter und Paul haben die Schinkelschüler Stüler und Schadow 1834–37 erbaut. Weitere Informationen

Haus der Wannsee-Konferenz

Link zu: Haus der Wannsee-Konferenz
Bild: Haus der Wannsee-Konferenz

Am 20. Januar 1942 trafen sich in der Villa Marlier am Großen Wannsee Spitzenbeamte des nationalsozialistischen deutschen Staates und der SS. Sie planten die Organisation der endgültigen Vernichtung der Juden Europas. Weitere Informationen

Liebermann-Villa

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Bild: Berlin Partner GmbH / FTB-Werbefotografie

Der Maler Max Liebermann ließ sich 1909-10 von Paul Baumgarten d. Ä. am großen Wannsee eine Sommerresidenz errichten. Der nach eigenen Ideen gestaltete Garten lieferte ihm die Motive für mehr als 200 Gemälde. Weitere Informationen

Kleist-Grab

Link zu: Kleist-Grab
Bild: BA Steglitz-Zehlendorf

Am Kleinen Wannsee liegt das Grab des Dichters Heinrich von Kleist (1777–1811). Im Zuge der Vorbereitungen zu den Olympischen Spielen ließen die Nationalsozialisten 1936 den Grabstein renovieren. Weitere Informationen