Berliner Mauerweg - Von Hohen Neuendorf nach Hermsdorf

Etappenlänge: 6 Kilometer

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Ehemaliger Grenzwachturm Nähe Utestraße
Ehemaliger Grenzwachturm Nähe Utestraße
Bild: GRÜN BERLIN, Markus Hillich

Die Strecke beginnt an der Utestraße, in deren Nähe ein DDR-Grenzwachturm erhalten ist. Er wird seit 1990 von der Deutschen Waldjugend als Zentrum für ihre Naturschutzarbeit genutzt. Zwischen Hohen Neuendorf und dem Ortsteil Bergfelde verlief die Grenze vom nördlichen Ende der Frohnauer Invalidensiedlung parallel zur Utestraße mitten durch den Wald. Als Teil der Außengrenzen der DDR wurde dieser Abschnitt bereits 1952 geschlossen und ab 1961 mit Grenzmauern bzw. -zäunen, Licht-Trasse und Kolonnenweg zu tief gestaffelten Sperranlagen ausgebaut. Die in den 1980er Jahren errichtete „Führungsstelle“ diente der Grenzüberwachung und zugleich als Kontrollstelle für weitere Beobachtungstürme, die durchschnittlich alle 500 Meter im Grenzstreifen standen. Eine „Führungsstelle“ war mit drei Grenzsoldaten und einem Offizier besetzt und verfügte über eine Arrestzelle für „Grenzverletzer“. Der 19-jährige Ost-Berliner Joachim Mehr versuchte mit seinem 23-jährigen Freund Hans-Jürgen K. am 3. Dezember 1964 bei Bergfelde nach West-Berlin zu fliehen. Zwei Grenzsoldaten entdeckten die beiden im Grenzstreifen und gaben gezielte Schüsse ab. Joachim Mehr wurde getötet, der verletzte Hans-Jürgen K. kam mit dem Leben davon. Die Grenzsoldaten erhielten Auszeichnungen und wurden befördert. In der Nähe des Wachturms informieren Stelen über die Maueropfer Rolf-Dieter Kabelitz, Willi Born und Joachim Mehr.

Bei der Umrundung des Hubertussees fahren Sie am Bieselfließ vorbei. Für den Ausbau der Sperranlagen wurde sein Lauf verlegt und kehrte erst Anfang der 1990er Jahre in das natürliche Flussbett zurück. Wenn Sie nach der waldreichen Wegstrecke auf der Oranienburger Chaussee weiterfahren, finden Sie an der Ecke Edelhofdamm den Gedenkort für Herbert Bauer und Michael Bittner. Am Jahrestag des Mauerbaus treffen sich hier Vertreter von Reinickendorf (ehem. West-Berlin) und Glienicke Nordbahn (ehem. DDR) zu einer Gedenkveranstaltung. Herbert Bauer starb am 25.12.1952 als West-Berliner Polizist im Einsatz während eines bewaffneten Konflikts durch die Kugel eines sowjetischen Soldaten. Lange vor dem Mauerbau wurde er Opfer der Teilung und ist der einzige aus dieser Zeit, an den heute noch im Grenzverlauf erinnert wird. Michael Bittner versuchte am 24. November 1986 an der Nohlstraße über die Mauer nach West-Berlin zu fliehen, nachdem er ohne Erfolg mehrere Ausreiseanträge gestellt hatte. Im Grenzstreifen berührte er den Signalzaun und löste Alarm aus. Zwei DDR-Grenzsoldaten bemerkten den Flüchtenden und töteten ihn mit mehreren Schüssen. An der Oranienburger Chaussee/Ecke Nohlstraße finden Sie weitere Informationen zu den Maueropfern Friedhelm Ehrlich und Michael Bittner.

Bildvergrößerung: Luftaufnahme "Entenschnabel" (Reinickendorf) 1976
Luftaufnahme "Entenschnabel" 1976
Bild: Landesarchiv/Karl-Heinz Schubert

Nicht weit entfernt von diesem Ort fand am 24. Januar 1962 die erste von mehreren Tunnelfluchten aus Glienicke Nordbahn statt. Vor dem Haus in der Ottostraße, aus dem der Tunnel gegraben wurde, berichtet eine Infostele über die geglückte Flucht. Fluchtwillige und ihre Unterstützer reagierten damals mit der mühevollen Anlage von unterirdischen Gängen darauf, dass seit dem 13. August 1961 die Grenze zu West-Berlin überall hermetisch abgeriegelt worden war und bereits mehr als zehn Flüchtlinge an der Berliner Mauer den Tod gefunden hatten. 28 Menschen gelang auf Höhe der Oranienburger Chaussee 13 die Flucht durch einen Tunnel aus dem Keller des Hauses. Nur vier Hausnummern entfernt entstand 1962 ein weiterer unterirdischer Fluchtweg, über den sieben Männer und vier Frauen – mehrheitlich zwischen 70 und 80 Jahre alt – Anfang Mai West-Berlin erreichen konnten. Weiter südlich passieren Sie die Straße Am Sandkrug, die mit ihren Grundstücken wie ein „Entenschnabel“ von Glienicke (DDR) nach Frohnau (West-Berlin) hineinragte. Wegen der besonderen Lage durften Besucher, Handwerker, Ärzte oder Lieferanten die Siedlung nur mit einer Sondererlaubnis betreten. Nach dem Viermächte-Abkommen über Berlin fanden ab 1971 zwischen der Regierung der DDR und dem West-Berliner Senat Gespräche über einen Gebietsaustausch statt. Dabei wurde auch eine Grenzbegradigung an der Enklave Entenschnabel erwogen, um die Oranienburger Chaussee als West-Berliner Zufahrt zu einem neuen Grenzübergang zu nutzen. Als aber die DDR-Regierung die Einrichtung der „Grenzübergangsstelle Stolpe“ am Zerndorfer Weg anbot, verlor die Frage nach dem Austausch des Entenschnabels für den West-Berliner Senat an Bedeutung.

  • Streckeninfos: Die sechs Kilometer lange Etappe startet am S-Bhf. Hohen Neuendorf. Über die Ruhwald- und Berliner Straße fahren Sie in südlicher Richtung bis zur Utestraße, die linker Hand direkt am Waldrand beginnt. Nach einiger Zeit biegt der Weg nach Norden ab und führt Sie über die Grenzlinie auf ehemaliges DDR-Territorium. Hinter dem Turm der Waldjugend führt der Mauerweg wieder nach Süden, umfährt den Hubertussee auf der östlichen Seite und bringt Sie über Jägerstieg, Geierpfad, Bieselheider – und Bundschuhweg auf die Oranienburger Chaussee (B96). Die Straße Am Sandkrug führt Sie als kurze Stichstrecke in den „Entenschnabel“. Südlich davon knicken Grenze und Mauerweg in östlicher Richtung ab. Wer zum S-Bhf. Hermsdorf möchte, biegt nach Westen in die Burgfrauenstraße und fährt über Olafstraße und Waldseeweg zum Bahnhofsplatz.