Berliner Mauerweg - Von Schönefeld nach Lichtenrade

Etappenlänge: 16 Kilometer

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Stadtplan Berlin.de
Bildvergrößerung: Mauerweg: ehemaliger Kolonnenweg in Großziethen
Ehemaliger Kolonnenweg
Bild: SenStadt

Die Tour führt über weite Strecken an der Stadtkante entlang durch die unverbaute Landschaft im Süden Berlins. Der ehemalige „Kolonnenweg“ der DDR-Grenztruppen ist hier zum Teil erhalten, auch Peitschenlampen stehen noch, die nachts den Grenzstreifen ausgeleuchtet haben. Am “Dörferblick”, einer knapp 90 Meter hohen, heute begrünten Müllkippe bog die DDR-Grenze rechtwinklig nach Norden ab; sie lief auf das Panorama der Gropiusstadt und auf jene Stelle zu, an der zwischen 1973 und 1977 ein Loch in der Mauer war: Am Kölner Damm bestand ein provisorischer Übergang in die DDR, der nur für den Transport von Abfällen eingerichtet worden war. Von dort fuhren die Fahrzeuge der West-Berliner Stadtreinigungsbetriebe auf einer eingezäunten Straße zur Hausmülldeponie Großziethen. Eine Infotafel des Berliner Mauerwegs markiert heute die Einfahrt zu der Deponie, auf der in vier Jahren ca. 4,4 Mio. Tonnen Müll gelagert wurden. Als Stadt ohne Umland hatte West-Berlin kaum Kapazitäten für eigene Mülldeponien und war daher während der Teilung auf langfristige Abfallbeseitigungs-Verträge mit der DDR angewiesen. Sie wurden nach 1990 als Verträge mit dem Land Brandenburg fortgesetzt. Ab 1997 transportierte die Neukölln-Mittenwalder-Eisenbahn Bauschutt und Erdaushub von den Baustellen des Potsdamer Platzes nach Großziethen. Damit sollte die Mülllagerstätte gesichert werden, die anschließend in eine Freizeitanlage umgewandelt wurde.

Bildvergrößerung: Gedenkstein an die „gewaltlose Öffnung der Grenzanlagen“ zwischen Großziethen und Berlin-Buckow
Gedenkstein an die „gewaltlose Öffnung der Grenzanlagen“
Bild: Senatskanzlei

In der Nähe des Kölner Damms trifft man auch auf einen Gedenkort für den 20-jährigen Eberhard Schulz, der 1966 hier erschossen wurde. Von der Kreuzung Lipschitzallee fahren Sie an der Ringslebenstraße bis zum Buckower Damm, an dem ein Gedenkstein an die „gewaltlose Öffnung der Grenzanlagen“ zwischen Großziethen und Berlin-Buckow erinnert. Zum zehnten Jahrestag setzten am 2. Januar 2000 Vertreter des Bezirks Neukölln den Gedenkstein, „bei dem sich Neuköllner und Großziethener Gemeindevertreter mit Zeitzeugen in enger Verbundenheit und Gedenken an dieses große historische Ereignis trafen.“ Ein Blick in den Stadtplan zeigt die Ortsteile Buckow und Großziethen als ein geschlossenes Siedlungsgebiet, was einen Gedenkstein an diesem Ort noch verständlicher macht.

Gedenktafel Kullack
Gedenktafel Horst Kullack
Bild: gedenktafeln-in-berlin.de

In Höhe der Rathenower Straße biegt die Mauerlinie entlang des Töpchiner Wegs nach Süden ab. Durch die Straße 9, die Groß Ziethener Straße zum Grenzstreifen zurückgekehrt, finden Sie auf dem ehemaligen Grenzstreifen Informationsstelen für Horst Kullack, auf Höhe der Wittelsbacherstraße das Gedenkkreuz, das lange vor dem Mauerfall auf West-Berliner Gebiet aufgestellt worden ist. Horst Kullack wurde am 31. Dezember 1971 im Alter von 23 Jahren bei einem Fluchtversuch ohne vorherige Warnung angeschossen. Drei Wochen später erlag er am 21. Januar 1972 nach mehreren Operationen seinen schweren Verletzungen in einem Krankenhaus.

Bildvergrößerung: Mauerweg bei Großziethen
Mauerweg bei Großziethen
Bild: Senatskanzlei

Am Kirchhainer Damm (B96), den Sie passieren, ehe Sie zum S-Bahnhof Lichtenrade abbiegen, wurde 1977 die „Grenzübergangsstelle Mahlow“ eröffnet. Dort fuhren regelmäßig Transporte für Siedlungsabfälle und Bauschutt aus West-Berlin zur Deponie Schöneiche. Es verkehrten auch LKW, die Baumaterialien nach West-Berlin brachten. Außerdem war Personenverkehr im Zusammenhang mit der Mülldeponie zugelassen. Für die DDR-Grenztruppen wurde die B96 hier untertunnelt. Ganz in der Nähe finden Sie die Informationsstele für das Maueropfer Herbert Kiebler.

An der Bahnstrecke, die damals stillgelegt war, kam am 26. Juli 1966 Eduard Wroblewski im Kugelhagel der DDR-Grenzsoldaten zu Tode. Vergeblich hatte er dort in den Abendstunden versucht, nach West-Berlin zugelangen. Ein Gedenkort für den damals 33-Jährigen wurde 2009 am Mahlower Grenzgraben, Nähe Paplitzer Straße eingerichtet.

  • Streckeninfos: Diese Etappe ist 16 Kilometer lang, also vor allem für Radfahrer geeignet. Sollten Sie die Tour unterbrechen wollen, können Sie den Weg bequem um ca. ein Drittel verkürzen, indem Sie zum U-Bhf. Lipschitzallee abbiegen. Leider muss der Grenzstreifen zwischen Schönefelder Straße und Kleinziethener Weg am so genannten Dörferblick großräumig umfahren werden, da die geplante Trasse auf dem Grenzstreifen noch nicht fertig gestellt werden konnte. Westlich des Kirchhainer Damms führt der Weg vor dem Bahndamm über die Paplitzer, Petkusser, Horstwalder und Hilbertstraße nach ca. 1,5 Kilometern zum S-Bhf. Lichtenrade. Eine Querung der alten Dresdner Bahn und der S-Bahntrasse in Höhe des Grenzstreifens konnte bisher nicht realisiert werden. Daher muss über Paplitzer, Petkusser und Horstwalder Straße die nördlich gelegene Unterführung im Verlauf der Wolziger Zeile angesteuert werden.

Sehenswürdigkeiten an der Strecke

Gropiusstadt

Link zu: Gropiusstadt
Bild: Thomas Duchauffour - Fotolia.com

Nach dem Masterplan des Bauhaus-Gründers Walter Gropius sollte die Großsiedlung Britz-Buckow-Rudow 1963-73 aus kleinen, durchgrünten Wohnvierteln mit 5-geschossigen, kreisrunden Häusern und eigenen Geschäftszentren entstehen. Weitere Informationen