Steinstücken

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Steinstücken 1972
Bild: Landesarchiv Berlin

Die gut 12 ha umfassende, zum Ortsteil Wannsee des Bezirks Zehlendorf gehörende Siedlung Steinstücken befindet sich südwestlich von Kohlhasenbrück an der Stadtgrenze Berlins. Von 1945-71 war Steinstücken die einzige bewohnte Exklave West-Berlins in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bzw. der DDR.

Steinstücken liegt auf einem Teil der ehemaligen Feldmark des wahrscheinlich schon bei seiner Erwähnung im Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 wüsten Dorfes Wendisch Stahnsdorf. 1787 hatte die Gemeinde Stolpe 151 Morgen Acker der Feldmark erworben, von denen ein Teil zum Potsdamer Forst gehörte. 1817 entstand hier eine kleine Kolonie, die nach einer auf eiszeitliche Steinfunde zurückgehenden alten Flurbezeichnung den Namen Steinstücken erhielt. Als das 1898 in der neuen Landgemeinde Wannsee aufgegangene Dorf Stolpe bei der Bildung Groß-Berlins 1920 Teil des Berliner Bezirks Zehlendorf wurde, kam Steinstücken – obwohl räumlich nicht mit der Stadt verbunden – bis auf den zum Potsdamer Forst gehörenden Teil gleichfalls zu Berlin. Gemäß den auf den deutschen Verwaltungsgrenzen beruhenden Vereinbarungen der Alliierten zur Besetzung Berlins (Londoner Protokoll) gehörte Steinstücken ab 1945 zum amerikanischen Sektor und wurde zur Exklave in der Berlin umgebenden SBZ/DDR.

Am 18. Oktober 1951 wurde Steinstücken vorübergehend von der „Volkspolizei“ der DDR besetzt. Auf Intervention der USA machte die DDR diese Annexion jedoch nach vier Tagen rückgängig. Ende Mai 1952, als im Zuge sich verschärfender Ost-West-Auseinandersetzungen die DDR ihre Grenzen zur Bundesrepublik und zu West-Berlin abriegelte, wurde auch Steinstücken mit Sperranlagen umgeben. Seitdem war der Zugang für die rund 200 Einwohner nur über einen von der DDR kontrollierten, gut 1 km langen Verbindungsweg möglich. Besucher, auch Lieferanten zum Beispiel, mussten eine Meldebescheinigung über einen Zweitwohnsitz in Steinstücken vorweisen. Nach dem Mauerbau 1961 wurden drei US-Soldaten in Steinstücken stationiert. Hubschrauber stellten die Verbindung her. An die Schutzfunktion der Alliierten erinnert heute auf dem bis Ende 1976 genutzten Landeplatz ein aus zwei Rotorblättern gebildetes kleines “Luftbrücken”-Denkmal.

Bildvergrößerung: Eröffnung der Verbindungsstraße Steinstücken
Eröffnung der Verbindungsstraße am 30.08.1972
Bild: Landesarchiv Berlin

Nach dem Abkommen über den Gebietsaustausch von 1971 war die Exklave nun durch einen etwa 900 m langen und 100 m breiten Korridor mit dem Berliner Stadtgebiet verbunden. Am 30. August 1972 wurde eine Stichstraße eröffnet, die den öffentlichen Zugang und die Anbindung an das West-Berliner Nahverkehrsnetz (Bus 118) herstellte. Die bis dahin ausschließlich aus der DDR erfolgende Versorgung mit Energie und Wasser wurde nach und nach auf Belieferung aus West-Berlin umgestellt. Im Jahr der Grenzöffnung 1989 bezogen noch zwölf Häuser Wasser aus dem Potsdamer Netz. Ein bemerkenswertes Gebäude in Seinstücken ist das 1926/27 nach Plänen von Erich Mendelssohn errichtete Wohnhaus Bernhard-Beyer-Str. 12.

Im November 2005 wurde im Rahmen des Projekts “Mauer-Stele”, mit denen in Potsdam an den Verlauf der Berliner Mauer erinnert wird, eine Informationstafel zur Geschichte Steinstückens eingeweiht. Auch der Berliner Mauerweg führt nach Steinstücken und weist mit einer Informationstafel an der Stein-/ Ecke Bäkestraße auf die Geschichte der ehemaligen West-Berliner Exklave hin.