Berliner Pflegefamilientag: Berlin startet Bereitschaftskrisenpflege in allen Bezirken

Pressemitteilung vom 07.09.2026

Anlässlich des 24. Berliner Pflegefamilientags hat Familiensenatorin Katharina Günther-Wünsch den berlinweiten Ausbau der Bereitschaftskrisenpflege bekannt gegeben. Die zwölf Bezirke beginnen jetzt damit, jeweils zwei Bereitschaftskrisenpflegestellen mit je zwei Plätzen einzurichten. So können perspektivisch bis zu 48 zusätzliche Plätze in einem familiären Umfeld entstehen. Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und die bezirklichen Jugendämter haben dafür ein gemeinsames Konzept und einheitliche finanzielle Rahmenbedingungen entwickelt.

Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie: „Wenn ein Kind seine Familie plötzlich verlassen muss, ist das ein tiefer Einschnitt. Gerade in einer solchen Situation braucht es Menschen, die Sicherheit geben, Nähe zulassen und verlässlich da sind. Pflegefamilien übernehmen damit eine besondere Verantwortung – oft von einem Tag auf den anderen. Mir ist wichtig, dass wir ihnen dafür gute Bedingungen und verlässliche Unterstützung bieten. Denn wer Kindern in einer schwierigen Lebensphase ein Zuhause gibt, verdient nicht nur unseren Dank, sondern auch unsere volle Unterstützung.“

Bereitschaftskrisenpflege bietet insbesondere Säuglingen und Kleinkindern in akuten familiären Krisensituationen kurzfristig ein geschütztes und verlässliches Zuhause. Pflegepersonen nehmen sie kurzfristig und zeitlich befristet bei sich auf. Sie bieten ihnen Sicherheit und Geborgenheit, während das Jugendamt die weitere Perspektive klärt.

Der Pflegefamilientag verbindet die Würdigung des Engagements der Berliner Pflegefamilien mit Austausch und Vernetzung. Zugleich zieht das Land Bilanz über die Verbesserungen der vergangenen Jahre. Zum 31. Dezember 2025 lebten 2.001 junge Menschen in Berlin in Vollzeitpflege.

Seit 2023 hat Berlin die Pflegekinderhilfe mit einem umfassenden Maßnahmenpaket gestärkt:

• Höhere finanzielle Unterstützung: Zum 1. September 2024 wurden die Pauschalen für den Lebensunterhalt von Pflegekindern erstmals seit 2012 angehoben. Die monatliche Pauschale für Pflege und Erziehung stieg von 300 auf 420 Euro.
• Startbonus Pflegekind: Seit Januar 2025 erhalten Pflegepersonen, die ein Kind bis zum Schuleintritt neu aufnehmen, für bis zu zwölf Monate zusätzlich 924 Euro monatlich. Im Jahr 2025 wurde der Startbonus 78 Pflegepersonen beziehungsweise Pflegefamilien gewährt, 2026 bis zum 19. August bereits 37 Mal. Für 2026 und 2027 stehen jeweils 800.000 Euro zur Verfügung.
• Wohnortnahe Beratung: Seit 2026 ist grundsätzlich das Jugendamt am Wohnort der Pflegeeltern zuständig, wenn ein Pflegekind länger als zwei Jahre in der Familie lebt. Das reduziert lange Wege, wechselnde Zuständigkeiten und zusätzlichen Abstimmungsaufwand.
• Mehr Unterstützung und Beteiligung: Berlin finanziert unter anderem Ferienreisen für Pflegekinder, Supervision für Pflegeeltern und niedrigschwellige therapeutische Angebote. Mit PRIO besteht seit Juli 2024 zudem eine unabhängige Anlauf-, Beratungs- und Ombudsstelle für junge Menschen in Pflegefamilien und stationären Hilfen.
• Auch die gesellschaftliche Anerkennung wurde gestärkt: Im Januar 2026 richtete das Land erstmals einen berlinweiten Jahresempfang für Pflegeeltern aus. Diese Würdigung soll künftig jährlich stattfinden.

Der 24. Berliner Pflegefamilientag fand am 6. September 2026 in der Zitadelle Spandau statt. Veranstaltet wurde das Familienfest von der Familien für Kinder gGmbH, dem Jugendamt Spandau und der Wadzeck-Stiftung.

Informationen Bereitschaftskrisenpflege: www.pflegekinder-berlin.de und info@familien-fuer-kinder.de

Weitere Informationen zu Pflegefamilien: https://familienportal.berlin.de/meine-familie/pflegeeltern