Berlin zieht Konsequenzen aus dem Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer. Mehr als 14.000 Schülerinnen und Schüler sowie über 2.500 Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeitende wurden zu Gewalt, Konflikten, Diskriminierung und Konformitätsdruck befragt. Die Ergebnisse wurden anschließend in zwei Workshops mit Wissenschaft, Schulpraxis und Expertinnen und Experten beraten. Die Erkenntnisse aus diesem Prozess sind in einen umfassenden Maßnahmenkatalog eingeflossen. 13 zentrale Maßnahmen werden jetzt als erster Aufschlag vorgestellt.
Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie: „Sicherheit an unseren Schulen ist nicht verhandelbar. Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, ohne Angst zu lernen, und unsere Beschäftigten müssen sich darauf verlassen können, dass Regeln gelten und durchgesetzt werden. Deshalb schauen wir bei Gewalt, Einschüchterung und Druck nicht weg. Wir handeln. Unser Maßstab ist dabei klar: Wir schützen diejenigen, die Schutz brauchen, wir stärken diejenigen, die Verantwortung übernehmen – und wir lassen Gewalt nicht folgenlos.“
Die jetzt vorgestellten Maßnahmen setzen bewusst an unterschiedlichen Stellen an. Prävention soll früher greifen, unter anderem durch den Ausbau von TLG+ und Familienklassenzimmern und einen gezielteren Einsatz qualitätsgesicherter Angebote. Eine digitale Präventions- und Beratungsplattform soll Jugendlichen und Eltern frühzeitig Unterstützung ermöglichen; Lern- und Entwicklungsgespräche sollen soziale Belastungen und Konflikte stärker in den Blick nehmen. Schulen sollen klare und verbindliche Regeln erhalten: Geplant sind berlinweite Grundregeln für Schul- und Hausordnungen sowie ein einheitlicher Maßnahmenkatalog für Gewalt- und Krisenvorfälle. Auch der Umgang mit religiösem Konformitätsdruck wird ausdrücklich adressiert.
Senatorin Günther-Wünsch: „An Berliner Schulen gelten die Regeln der Schule – und zwar für alle. Niemand darf unter Druck gesetzt werden, weil er anders glaubt, anders lebt oder andere Entscheidungen für sein Leben trifft. Religionsfreiheit schützen wir. Religiösen Druck auf andere akzeptieren wir nicht.“
Dazu gehören auch verbindlichere Reaktionen auf Gewalt. Schwere Vorfälle sollen nach einheitlichen Verfahren dokumentiert und aufgearbeitet werden. Bei komplexen Fällen sollen Schule und Jugendhilfe verbindlicher zusammenarbeiten. Präventionskonferenzen sollen als weiterentwickeltes schulisches Krisen- und Koordinationsgremium die erforderlichen Akteure zusammenbringen und Prävention verbindlicher koordinieren. Gleichzeitig sollen die bestehenden Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen überprüft und geschärft und die rechtlichen Voraussetzungen für verbindliche Anti-Gewalt-Trainings und sozialpädagogische Intensivmaßnahmen geklärt werden.
Ahmad Mansour, Psychologe sowie Gründer und Geschäftsführer von MIND prevention: „Schule ist der Ort, an dem gesellschaftliche Entwicklungen zuerst sichtbar werden. Sie ist aber auch der wichtigste Ort, an dem wir Kinder und Jugendliche für Demokratie, Freiheit und ein respektvolles Miteinander gewinnen können. Wer Gewalt und demokratiefeindliche Einstellungen wirksam abbauen will, muss früher ansetzen: mit der Förderung von Empathie, Ambiguitätstoleranz – der Fähigkeit, Widersprüche auszuhalten – und einer konsequent gewaltfreien Kommunikation. Diese Kompetenzen sind kein pädagogischer Luxus, sondern die Grundlage einer resilienten Gesellschaft. Dafür brauchen wir starke Lehrkräfte, neu gedachte Elternabende als fachlich fundierte Bildungsangebote und deutlich mehr Investitionen in Schulen – insbesondere in Prävention, Beziehungsarbeit und Kommunikation. Bildung ist unsere wirksamste Sicherheitspolitik.“
Die 13 jetzt vorgestellten Maßnahmen mit Zielen und Zeithorizonten sind als Anlage beigefügt. Weitere Maßnahmen aus dem gemeinsamen Arbeitsprozess werden im weiteren Verfahren beraten und konkretisiert.
Den Abschlussbericht des Berliner Konflikt- und Gewaltbarometers finden Sie jetzt online unter https://www.berlin.de/sen/bildung/unterstuetzung/gewalt-und-notfaelle/bkug-barometer-2026.pdf.