„Ich lese vor – Du auch?“ Unter diesem Motto findet am 20. November 2026 der Bundesweite Vorlesetag statt. Bereits zum 23. Mal sind Menschen in ganz Deutschland dazu aufgerufen, Kindern Geschichten vorzulesen und damit ihre Freude am Lesen zu wecken. Passend dazu zeigen die aktuellen Ergebnisse des Vorlesemonitors 2026 eine erfreuliche Entwicklung: Immer mehr Eltern lesen ihren Kindern regelmäßig vor. Allerdings profitieren nicht alle Kinder gleichermaßen von gemeinsamen Vorlesemomenten.
Die Zahlen des aktuellen Vorlesemonitors machen Mut: 76,4 % der Eltern von Kindern zwischen einem und acht Jahren lesen ihren Kindern regelmäßig vor. 2024 waren es noch 67,7 % gewesen. Damit setzt sich der positive Trend der vergangenen Jahre fort. Für die aktuelle Untersuchung haben die Deutsche Bahn Stiftung, die Stiftung Lesen und DIE ZEIT, die 2004 auch den bundesweiten Aktionstag initiierten, insgesamt 914 Eltern befragt. Besonders deutlich wird diese positive Entwicklung bei den jüngsten Kindern: Während 2024 nur 59 % der Eltern von Einjährigen regelmäßig vorlasen, sind es 2026 bereits 75 %. Bei den Zweijährigen stieg der Anteil von 78 % auf 93 %. Auch bei den Achtjährigen ist eine deutliche Verbesserung zu beobachten: Hier erhöhte sich der Anteil von 35 auf 55 %.
Trotz der positiven Entwicklung gibt es weiterhin Handlungsbedarf: Knapp ein Viertel der Eltern (23,6 %) liest seltener als einmal pro Woche vor, 12,4 % überhaupt nicht. Für diese Kinder fehlen damit wichtige Gelegenheiten, Geschichten gemeinsam zu entdecken und Sprache im Alltag zu erleben.
Dabei ist Vorlesen weit mehr als das gemeinsame Betrachten eines Bilderbuchs oder das Anhören einer Geschichte. Es unterstützt die Sprachentwicklung, erweitert den Wortschatz und fördert das spätere Lesenlernen. Gleichzeitig entstehen Momente der Nähe und des Austauschs zwischen Kindern und Erwachsenen. Wenn Kinder Fragen stellen, Vermutungen über den weiteren Verlauf einer Geschichte äußern oder von eigenen Erlebnissen erzählen, wird das Vorlesen zu einer interaktiven Erfahrung. Kinder können Sprache so aktiv ausprobieren und ihr Verständnis für Geschichten und Zusammenhänge vertiefen.
Allerdings hängt es weiterhin auch vom Bildungshintergrund der Eltern ab, wie häufig Kindern vorgelesen wird. So lesen 80 % der Eltern mit formal höherem Bildungsabschluss regelmäßig vor, bei Eltern mit formal niedrigerem Bildungsabschluss sind es 70 %. Interessanterweise zeigt sich dieser Unterschied bei Familien ohne Zuwanderungsgeschichte deutlicher als bei solchen mit Zuwanderungsgeschichte. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Vorleseförderung möglichst viele Familien erreichen muss – unabhängig von ihrer sozialen oder familiären Situation. Dazu können auch Kitas, Schulen, Bibliotheken und andere Bildungseinrichtungen beitragen, indem sie Eltern für die Bedeutung des Vorlesens sensibilisieren, Bücher zugänglich machen und selbst Gelegenheiten schaffen, bei denen Kinder Geschichten erleben.
Hier setzt auch der bundesweite Vorlesetag am 20. November an: Er möchte Menschen für das Vorlesen begeistern und zum eigenen Engagement ermutigen. Das diesjährige Motto „Ich lese vor – Du auch?“ stellt deshalb diejenigen in den Mittelpunkt, die ihre Zeit und ihre Geschichten mit Kindern teilen. Ob in der Kita, in der Schule, im Hort, in der Bibliothek, im Verein oder zu Hause: Jede und jeder kann mitmachen. Auch ungewöhnliche Vorleseorte sind willkommen. Neben pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften können sich beispielsweise Eltern, Großeltern, Ehrenamtliche oder Menschen aus Unternehmen und Organisationen beteiligen. Wer eine eigene Vorleseaktion plant, kann diese auf der Website des Vorlesetages anmelden. Neu ist in diesem Jahr auch die Möglichkeit für Bildungseinrichtungen, Gesuche einzustellen und freiwillige Vorleser/-innen zu finden. Umgekehrt können sich Interessierte über das Portal passende Einrichtungen suchen, bei denen sie sich engagieren möchten.
Ergänzt wird der Aktionstag durch das Digitale Vorlesefest: Prominente lesen aus bekannten und neuen Büchern vor. Die Videos können unabhängig von Ort und Zeit angeschaut werden und ermöglichen so noch mehr Kindern den Zugang zu Geschichten. Denn jede vorgelesene Geschichte kann der Anfang einer lebenslangen Lesefreude sein.