In Berlin wurde in der vergangenen Woche das Projekt „Übergänge gemeinsam gestalten“ gestartet. Ziel ist es, Kindern den Wechsel von der Kita in die Grundschule zu erleichtern und ihnen einen guten Start in die Schulzeit zu ermöglichen.
Grundlage des Projekts sind die „Kompetenzen zum Übergang in die Grundschule“ (KÜGs). Sie wurden in einem gemeinsamen Prozess von pädagogischen Fachkräften aus Kindertageseinrichtungen und Lehrkräften aus Grundschulen unter wissenschaftlicher Begleitung des KiTeAro-Instituts entwickelt. Die KÜGs sind ein Teil des Verfahrens „Beobachtung und Einschätzung im Kitaalltag – kindzentriert und ganzheitlich“ (BeoKiz) und bilden die Grundlage der Lerndokumentation, die im letzten Kitajahr erstellt wird.
Berlin ist das erste Bundesland, das diese Kompetenzen schrittweise in allen Kitas einführt. Ab dem Kitajahr 2027/28 werden sie verbindlich in allen Berliner Kitas angewendet. Die KÜGs bieten pädagogischen Fachkräften eine gemeinsame Grundlage, um die Entwicklung der Kinder systematisch zu beobachten. Sie machen die Stärken, Interessen und Lernfortschritte der Kinder sichtbar und unterstützen eine gezielte Begleitung ihrer weiteren Entwicklung. Die Beobachtungen werden in der Lerndokumentation festgehalten, die beim Übergang in die Grundschule mit Zustimmung der Eltern an die aufnehmende Schule weitergegeben wird.
So können die Lehrkräfte schon vor Schulbeginn wichtige Informationen über die Interessen, Stärken und Kompetenzen eines Kindes sowie darüber erhalten, in welchen Bereichen es weiter gefördert werden kann. Dadurch können sie die Kinder von Anfang an bestmöglich begleiten und an ihre bisherigen Erfahrungen anknüpfen.
Die auch im überarbeiteten Berliner Bildungsprogramm verankerten Kompetenzen umfassen verschiedene Bereiche, die für den Start in die Schule wichtig sind. Dazu gehören zum Beispiel sprachliche, mathematische sowie soziale und emotionale Kompetenzen aber auch motorische und lebenspraktische Kompetenzen. Pädagogische Fachkräfte ermitteln mit ihrer Hilfe, über welche Fähigkeiten die Kinder bereits verfügen. Bei Bedarf berücksichtigen sie in der pädagogischen Planung verstärkt Situationen, in denen die Kinder diese Kompetenzen vertiefen können.
Bei den lebenspraktischen Kompetenzen wird etwa beobachtet, ob sich ein Kind selbstständig anziehen, konzentriert einer Handlung wie Puzzeln oder Malen nachgehen, bei kniffligen Aufgaben andere Lösungswege ausprobieren, sich innerhalb einer Kita allein zurechtfinden oder Verkehrsregeln wie eine rote Ampel beachten kann. Bei Schwierigkeiten werden diese Kompetenzen im Alltag verstärkt gefördert.
Wenn es um die Beobachtung und Förderung motorischer Kompetenzen geht, stehen Fähigkeiten wie Balancieren, Springen, Schaukeln oder der Umgang mit Bällen, aber auch das Zeichnen mit einem Stift im Mittelpunkt des Interesses.
Ob ein Kind korrekte Hauptsätze bilden, Silben und Anlaute deutlich aussprechen, Fragen sinnhaft beantworten oder Buchstaben aus dem eigenen Namen wiedererkennen kann, gehört zu den sprachlichen Kompetenzen, die zum Übergang in die Grundschule beobachtet werden.
Zu den sozialen Kompetenzen gehören die Fähigkeit, Freundschaften zu pflegen, Konflikte verbal zu lösen, die Meinungen von anderen Kindern oder Erwachsenen zu tolerieren sowie die bewusste Einhaltung von vereinbarten Regeln.
Emotionale Kompetenzen lassen sich beobachten, wenn ein Kind Freude, Lust, Ärger, Enttäuschungen ausdrücken, seine eigenen Gefühle benennen und die anderer berücksichtigen kann.
Beim Erkennen von Unterschieden und Übereinstimmungen (z.B. in Wimmelbüchern), dem flexiblen Umgang mit Mengen oder Altersangaben und dem Erfassen einer Menge von bis zu sechs Elementen handelt es sich um mathematische Kompetenzen.
Das Projekt „Übergänge gemeinsam gestalten“ begleitet die Einführung von BeoKiz und den KÜGs. Zum Auftakt kamen 75 Tandems aus Kitas und Grundschulen zusammen. Insgesamt beteiligen sich 150 Fach- und Leitungskräfte aus beiden Bildungsbereichen. Gemeinsam arbeiten sie daran, die Zusammenarbeit zwischen Kitas und Grundschulen zu stärken und Kindern einen erfolgreichen Übergang in die Schule zu ermöglichen.
Das Projekt wird vom KiTeAro-Institut im Auftrag der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie umgesetzt. Ziel ist es, Kitas und Grundschulen noch besser miteinander zu vernetzen, damit Kinder beim Wechsel in die Schule bestmöglich unterstützt werden.