Das mobile Theater EUKITEA hat aktuell einiges zu feiern. Aus diesem Anlass sprachen wir mit Stephan Eckl, dem Gründer und künstlerischem Leiter des Theaters über vier bewegte Jahrzehnte, die Grundsätze präventiver Theaterarbeit an Schulen und aktuelle Produktionen.
Herr Eckl, das Theater EUKITEA feiert aktuell gleich doppelt Jubiläum: letztes Jahr am Hauptstandort im bayrischen Diedorf und dieses Jahr in Berlin. Können Sie das erläutern und uns am Werdegang des Theaters teilhaben lassen?
Was 1984 als kleines, mobiles Theater unter dem Namen „Spielwerk“ in Walkertshofen in Bayern begann, hat sich in den letzten 40 Jahren zu einem internationalen Theater mit eigenem Theaterhaus in Diedorf bei Augsburg entwickelt. Vor nunmehr 20 Jahren begannen wir unsere präventive Theaterarbeit auch in Berlin anzusiedeln – mit andauerndem Erfolg. Mit einem engagierten Team aus Künstler/-innen und Organisationstalenten hat EUKITEA seit zwei Jahrzehnten über zwei Millionen Zuschauende, vor allem Kinder und Jugendliche, erreicht und mehr als 14.000 Aufführungen auf die Bühne gebracht.
Sie betreiben Ihr Theaterhaus im bayrischen Diedorf. Wie können in Berlin ansässige Schulen von Ihren Angeboten profitieren?
Der Hauptstandort mit eigenem Theaterhaus ist in Bayern, das ist richtig. Allerdings haben wir uns über die letzten 20 Jahre einen etablierten Berliner Standort aufgebaut, mit eigenem Organisationsteam und eigenem Schauspielteam. Von unserem Berliner Büro in der Nähe der Friedrichstraße können wir dank unseres mobilen Spielteams Schulen in ganz Berlin bedienen, auch jene am Stadtrand oder in Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf. Da wir direkt vor Ort an die Schulen kommen, wo wir üblicherweise in Turnhallen oder Aulas spielen, ist der Organisationsaufwand für die Schulen überschaubar.
Wie werden die Stücke konzipiert und wie sieht eine Inszenierung an Schulen oder pädagogischen Einrichtungen typischerweise aus?
Unsere präventiven Theaterprojekte sind allesamt Eigenproduktionen. Recherche und Stückentwicklung werden von Fachorganisationen begleitet. Wissenschaftliche Erkenntnisse und Fachwissen fließen so in den künstlerischen Prozess mit ein.
Die schauspielerische Darbietung und das damit verbundene emotionale Erleben des jungen Publikums erleichtert den Einstieg in die angebotenen Themenkomplexe. Unser Theaterspiel dient als Impulsgeber, um Toleranz, Gerechtigkeit, gegenseitigen Respekt und Versöhnungsarbeit nachhaltig im Schulalltag zu etablieren.
Mit der Buchung einer Vorstellung erhalten Schulen kostenfrei unser stückbezogenes Arbeitsmaterial, in denen die Lehrkräfte Anregungen erhalten, wie sie das jeweilige Theaterstück und die behandelte Thematik mit ihren Schüler/-innen vor- und nachbereiten können. Mit diesem Angebot wollen wir die Nachhaltigkeit unserer Theaterarbeit zusätzlich gewährleisten. Zur weiteren Vertiefung bieten wir außerdem nachbereitende Workshops für Schüler/-innen und Lehrkräfte sowie Elternabende an.
Können Sie uns anhand des aktuellen mobilen Repertoires die grundlegenden Themen beschreiben, die EUKITEA auf die Bühnen bringt?
Wir beschäftigen uns immer mit Themen, die Kinder und Jugendliche bewegen und die ihnen in ihrer Alltagswelt begegnen. Aktuell befinden wir uns im Entwicklungsprozess für ein neues Theaterstück zum Thema Demokratieförderung und Erinnerungskultur. Unser Jugendstück, das ab Oktober unseren mobilen Spielbetrieb bereichern wird, regt zur Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit an: Ausgehend von der Bücherverbrennung 1933 spannt es den Bogen bis in die Gegenwart und sensibilisiert junge Menschen für rechtspopulistische Tendenzen und Rassismus in der Gesellschaft.
Unser Repertoire umfasst ansonsten Themen wie Mobbing und Cybermobbing, Gewalt, Radikalisierung, psychische Gesundheit, Friedensbildung und persönliche Resilienz. Die behandelten, zum Teil sehr komplexen Themen werden von uns tiefgründig und altersgerecht, liebevoll und mit Humor aufbereitet. Unsere Theaterstücke sollen Impulse geben und Kinder und Jugendliche nachhaltig sensibilisieren, sich und ihrer Umwelt achtsam, wertschätzend und tolerant zu begegnen.
Sie haben zusätzlich zu den mobilen Angeboten „EUKITEA Online“ entwickelt. Was genau steckt hinter dem Projekt?
EUKITEA Online ist während der Corona-Pandemie entstanden und bot in dieser krisenhaften und belastenden Zeit die Möglichkeit, junge Menschen weiterhin mit unseren Theaterprojekten zu erreichen. Die Schüler/-innen sehen die Theaterstücke als Film und sind im Anschluss über ein Konferenz-Tool mit den Schauspielenden verbunden, um über das zuvor gesehene zu sprechen. Mit EUKITEA Online änderte sich also das Format, während der Inhalt der Stücke gleichblieb.
EUKITEA Online ermöglicht es uns zudem, Schüler/-innen zu erreichen, die andernfalls Aufführungen von uns nicht live erleben können. So konnten wir beispielsweise bereits ein Projekt an einer australischen Schule durchführen. Die digitale Erweiterung unseres Repertoires nutzen wir aber auch im deutschen Raum: So können die verschiedenen, von uns angebotenen Module – Theateraufführungen, Schüler/-innen-Workshops, Elternabende und Lehrer/-innen-Fortbildungen – sowohl persönlich vor Ort, hybrid oder rein digital stattfinden, je nachdem, wie es für die konkrete Situation am sinnvollsten ist.