Unterstützungsangebote für Familien

Bildausschnitt: Hände halten schützend Scherenschnitt von einer Familie
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Die Kinder- und Jugendhilfe hat den gesetzlichen Auftrag, Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei der Erziehung zu beraten und zu unterstützen, junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung zu fördern und sie vor Gefahren für ihr Wohl zu schützen.

Hilfebedarf für Familien in schwierigen Lebenslagen ergibt sich häufig an der Schnittstelle zwischen Gesundheitshilfe und Jugendhilfe.

  • Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD)
    Der KJGD bietet Beratung, Unterstützung und Koordinierung in allen Fragen der Gesundheit des Kindes oder Jugendlichen sowie bei Problemen, die die gesundheitliche Entwicklung beeinträchtigen könnten (z.B. bei Entwicklungsstörungen, Behinderungen, Einstufung des Integrationsstatus für die Tageseinrichtungen und Kindertagespflegestellen). Für Familien mit Säuglingen erfolgt bei Bedarf eine weitergehende Begleitung, insbesondere wenn Risikofaktoren vorliegen, die die körperliche, seelische und soziale Entwicklung des Kindes gefährden könnten.
  • Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst (KJPD)
    Der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst übernimmt Aufgaben der Untersuchung und Behandlung verhaltensauffälliger und seelisch kranker Kinder und Jugendlicher.
  • Familienförderung – Familienbildung
    Für werdende Mütter, Väter und Familien bieten öffentliche und freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe spezielle Informationen und Kurse zu Fragen der Erziehung, der Förderung der gesunden Entwicklung des Kindes und zum gewaltfreien Zusammenleben an. Es gibt viele Orte, wo Eltern und Kinder gemeinsamen Aktivitäten nachgehen, Erfahrungen austauschen oder Unterstützung bekommen können, unter anderem durch: Mutter-Vater-Kind-Gruppen, Elterncafés und -treffpunkte, Gesprächskreise, PEKIP-Gruppen, Baby-Massage, Elternkurs „Starke Eltern – starke Kinder®“.
  • Erziehungs- und Familienberatung
    Die Erziehungs- und Familienberatung ist eine spezifische Jugendhilfeleistung, die in jedem Berliner Bezirk in öffentlicher und freier Trägerschaft zur Verfügung steht für:
    • Beratung und Bildung zu allgemeinen Fragen der Erziehungsförderung
    • Beratung als ambulante Hilfe zur Erziehung
    • Beratung in Fragen der Partnerschaft, Trennung und Scheidung
    • Beratung und Unterstützung bei der Ausübung der Personensorge
  • Aufsuchende Elternhilfe
    Als Bestandteil des Sozialen Frühwarnsystems in Berlin ist aufsuchende Elternhilfe ein ambulantes Angebot, das bereits vor der Geburt einsetzt. Es begleitet und unterstützt Erstgebärende in belastenden Lebenslagen, die aus Mangel an Erfahrungen, Kenntnissen oder Motivation bzw. aus Überforderung nicht in der Lage sind, sich die notwendige Hilfe zu organisieren. Sie dient der Stärkung der Elternkompetenz und wird von Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern in enger Zusammenarbeit mit Hebammen und Entbindungspflegern sowie Familienhebammen erbracht.
  • Gemeinsame Wohnformen für Mütter/Väter und Kinder
    Mütter und Väter sowie Schwangere erhalten mit diesem stationären Angebot Unterstützung bei der Erziehung und Pflege ihres unter 6 Jahre alten Kindes. Ziel der Hilfe ist die Festigung der Bindung zwischen Mutter und Kind bzw. Vater und Kind, die Stärkung der Erziehungskompetenz und die Verselbstständigung und Befähigung zur eigenverantwortlichen Lebensführung mit dem Kind.

Berlinweite Träger im Kinderschutz

  • Kinderschutz-Zentrum Berlin e.V.
    Das Kinderschutz-Zentrum Berlin bietet Eltern, Kindern und Jugendlichen und allen Personen, die sich um Kinder sorgen sofortige Beratung (auch anonym) bei drohender oder bereits erfolgter Kindeswohlgefährdung. In Krisensituationen ist die vorübergehende Aufnahme in die Kinderwohngruppe, nach Absprache mit dem zuständigen Jugendamt, möglich. Angebote der Elternbildung (zum Beispiel Elternabende, Elterngruppen, Eltern-Kind-Gruppen im Bereich der Frühen Hilfen) sowie Fortbildung von Fachkräften (insbesondere zu allen Fragen des Schutzauftrags der Jugendhilfe) und fachbezogene Öffentlichkeitsarbeit machen den präventiven Anteil der Beratungsarbeit aus. Darüber hinaus bietet das Kinderschutz-Zentrum für Professionelle Fachberatung zum Umgang mit Familien bei Misshandlung, sexuellem Missbrauch und Vernachlässigung sowie zur Risikoeinschätzung der Gefährdung gemäß § 8a SGB VIII.
  • Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Berlin e.V.
    Der Kinderschutzbund Berlin bietet Beratung (auch anonym), Krisenintervention und Hilfe für Eltern, Kinder, Angehörige oder Nachbarn bei Gewalt gegen Kinder an. Pädagogische Fachkräfte können zur Einschätzung des Gefährdungsrisikos und zur Planung der weiteren Handlungsschritte im konkreten Fall Fachberatungen in Anspruch nehmen. Darüber hinaus führt der Kinderschutzbund allgemeine Fortbildungen für Fachkräfte zum Thema Umgang bei Kindeswohlgefährdung und Kinderschutz nach § 8a SGB VIII durch. Neben diesen Beratungen koordiniert der Deutsche Kinderschutzbund den berlinweiten Elternkurs “Starke Eltern – Starke Kinder®”. Der Kurs vermittelt das anleitende Erziehungsmodell und unterstützt Eltern darin, den Familienalltag wieder entspannt und gewaltfrei zu machen.
  • KiZ – Kind im Zentrum des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks gAG
    Kind im Zentrum bietet betroffenen Mädchen und Jungen und ihren Angehörigen oder Bezugspersonen Beratung (auch anonym) und Therapie zur Bewältigung von sexuellem Missbrauch und zum Umgang mit Verdachtsfällen. Das Hilfeangebot richtet sich in Zusammenarbeit mit der Justiz auch an Täter. Darüber hinaus bietet Kind im Zentrum für Professionelle und Institutionen fallbezogene Fachberatungen (auch nach §8a/b SGB VIII) an, führt Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen durch und macht fachbezogene Öffentlichkeitsarbeit.
  • Wildwasser e.V. Arbeitsgemeinschaft gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen
    Wildwasser e.V. bietet Mädchen und ihren Angehörigen oder Bezugspersonen Beratung zur Bewältigung von sexuellem Missbrauch und zum Umgang mit Verdachtsfällen. Darüber hinaus führt Wildwasser e.V. fallbezogene Fachberatungen für Professionelle und Institutionen durch sowie Informationsveranstaltungen und Fortbildungsangebote zur Aufklärung über sexuellen Missbrauch. Bei Bedarf können Mädchen in die Krisenwohnung aufgenommen werden. Wildwasser e.V. bietet mädchenspezifische ambulante und stationäre Hilfen zur Erziehung an und ist am Mädchennotdienst beteiligt.
  • neuhland e.V.
    neuhland e.V. ist eine Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in Notlagen, wenn Gefühle der Ausweglosigkeit oder Suizidgefahr bestehen. Bei Bedarf besteht die Aufnahmemöglichkeit in die Krisenwohnung. Im Rahmen der Präventionsarbeit zum Thema Suizidgefährdung bietet neuhland e.V. Informationsveranstaltungen für Schulklassen, Studentengruppen und Multiplikatoren sowie Projektarbeit in Schulen. Darüber hinaus führt neuhland e.V. Fortbildungen sowie Beratung und Supervision bei Suizidgefährdung von Jugendlichen für Fachkräfte aus anderen Einrichtungen und Diensten durch.
  • Strohhalm e.V.
    Strohhalm e.V. ist eine Fachstelle für Prävention von Gewalt und sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen und arbeitet beratend, fortbildend und erzieherisch mit Kindern und Erwachsenen. Schwerpunkte der Arbeit sind
    • Präventionsprogramme gegen sexuellen Missbrauch für Grundschulen und Kindertagesstätten unter Einbeziehung der pädagogischen Fachkräfte, Eltern und Kinder und die Beratung pädagogischer Fachkräfte
    • Interkulturelle Präventionsarbeit
    • Beratung vor allem für Fachkräfte zum Thema sexuelle Übergriffe unter Kindern
    • Fortbildungen zu den Themen sexueller Missbrauch und Prävention und sexuelle Übergriffe unter Kindern
  • HILFE–FÜR–JUNGS e.V.
    Der Verein bietet verschiedene Projekte an:
    • Subway: Hilfe für Jungs, die unterwegs sind und anschaffen
      Im Rahmen niedrigschwelliger Arbeit wird Hilfe bei Problemen mit Gewalterfahrung, bei Obdach- und Wohnungslosigkeit, mit Hygiene, sexuellen Praktiken und übertragbaren Krankheiten geboten.
    • berliner jungs: Prävention, Beratung und Hilfe für Jungen, die von sexueller Gewalt bedroht oder betroffen sind
      Das Projekt berliner jungs leistet Aufklärungs- und Beratungsarbeit bei außerfamiliärer Gewalt gegen Jungen und dient dem Schutz von Jungen gegen sexuellen Missbrauch und sexuelle Ausbeutung, insbesondere im öffentlichen Raum. Das Projekt führt Präventionsveranstaltungen für Jungen durch, arbeitet in Schulen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und bietet Beratung für von Gewalt betroffenen Jungen und deren Erziehungsberechtigte. Darüber hinaus bietet berliner jungs Multiplikatorenschulungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendhilfe an.
    • Projekt Ambulante Hilfen: flexible Einzelfall -und Familienhilfen nach §§18, 30, 31, 35 SBG VIII für Jungen die von sexueller Gewalt bedroht oder betroffen sind
    • mut – mobile unterstützende Traumahilfe: Traumapädagogische Hilfe für Jungen und junge Männer, die durch sexuelle Gewalt traumatisiert sind.