Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

Porträt einer Jugendlichen
Bild: SenBJW

Mitreden, Mitgestalten, Mitentscheiden

Junge Menschen engagieren sich besonders dort, wo sie selbst betroffen sind. Sie weisen auf Probleme und notwendige Veränderungen hin und engagieren sich für die konkrete Umsetzung ihrer Vorschläge und Vorhaben, wenn sie dazu die Möglichkeit erhalten. Als Expertinnen und Experten ihrer Belange sind junge Menschen im Kiez, im Bezirk, aber auch auf Berliner Ebene aktiv und mischen mit. Das fängt in der eigenen Familie an und gilt ebenso für Kita und Schule. Auch für Planungen in Politik und Verwaltung liefern Kinder und Jugendliche wichtige Impulse für Entscheidungen. Beteiligung kann nur erfolgreich sein, wenn die Anliegen und Meinungen der Kinder und Jugendlichen ernst genommen und sie zur Einmischung ermutigt werden.

Ein Abkommen für die Jugend - Grundlagen für Beteiligung in Berlin

Bei der Umsetzung von Kinder- und Jugendbeteiligung hat Berlin bereits viel erreicht. So liegen fachliche Standards und Leitlinien zum Thema Beteiligung vor, die den Trägern der Kinder- und Jugendhilfe wie auch den Verwaltungen das nötige Rüstzeug bieten, um eine echte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen.

Bereits 2009 schlossen der Senat von Berlin und der Landesjugendring ein Abkommen für die Jugend. Ziel des Abkommens ist es, jugendspezifischen Belangen in wesentlichen stadtpolitischen Handlungsfeldern einen besonderen Stellenwert zu geben. Jugendpolitik findet nicht nur in der Kinder- und Jugendhilfe statt. Sie ist Querschnittspolitik. Seit 2010 existiert der Runde Tisch Jugend, der Anlass für zentrale Akteure der Stadt bietet, sich mit jugendpolitischen Themen auseinanderzusetzen.

Die Berliner Kinder- und Jugendhilfe bietet Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten:

  • In allen Berliner Bezirken gibt es Kinder- und Jugendbeteiligungsbüros oder Jugendparlamente.
  • Das jährlich stattfindende jugendFORUM ist ein anerkanntes und wichtiges Podium des Gedanken- und Meinungsaustausches zwischen Kindern, Jugendlichen und Politikerinnen und Politikern aus der Bezirks-, Landes- und Bundespolitik.
  • Alle Bereiche der Berliner Jugendarbeit sind darüber hinaus dem Ziel der Beteiligung junger Menschen verpflichtet. Dies geschieht auf verschiedene Weise, unter anderem in den Jugendbildungsstätten, in Jugendverbänden und durch Projekte der kulturellen Jugendbildung.

Landesprogramm Jugend-Demokratiefonds Berlin

Um die demokratische Beteiligung und das ehrenamtliche Engagement von Jugendlichen zu fördern, hat das Land Berlin den Jugend-Demokratiefonds Berlin aufgelegt. Die Gestaltung des demokratischen Miteinanders in einer Gesellschaft hängt ganz wesentlich von der Bereitschaft ab, sich aktiv einzubringen. Diese Bereitschaft unterstützt der Jugend-Demokratiefonds Berlin unter dem Motto Stark gemacht! Jugend nimmt Einfluss.

Darüber hinaus wird der Einsatz für Toleranz im Umgang miteinander und gegenüber anderen Menschen sowie gegen fremdenfeindliche und rassistische Einstellungen und Gewalt unterstützt. Der Jugend-Demokratiefonds fördert Projekte und Initiativen auf Landes- und auf Bezirksebene:

  • Landesweit werden besonders innovative und strategisch bedeutsame Vorhaben der Jugendbeteiligung gefördert.
  • Für die Bezirke stehen Mittel zur Verfügung, die aufgrund des Votums von bezirklichen Jugendjurys vergeben werden.

Seit dem Start des Landesprogramms konnten vielfältige Vorhaben der Beteiligung realisiert werden, unter anderem auf Landesebene die U-18 Wahlen, das jugendFORUM im Berliner Abgeordnetenhaus und Modelle der e-Partizipation. Auf Bezirksebene wurden besonders positive Erfahrungen mit Jugendjurys gemacht. Sie zeigen, dass Kinder und Jugendliche bereit und in der Lage sind, selbst über die Verteilung von finanziellen Ressourcen zu entscheiden.

Das Internet-Portal des Jugend-Demokratiefonds www.stark-gemacht.de bietet zahlreiche Informationen zum Thema Beteiligung, zu Möglichkeiten und Struktur des Landesprogramms sowie zu den geförderten Projekten. Regiestelle für die Umsetzung des Landesprogramms ist die Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin. (JFSB)

Kinder- und Jugendbüros

Die Kinder- und Jugendbüros helfen jungen Menschen, wenn sie sich einmischen möchten. Hier kann jede und jeder sich über Mitbestimmungsrechte informieren und sich am “Politikmachen” in ihrem oder seinem Bezirk beteiligen. Die Kinder- und Jugendbüros organisieren zum Beispiel ein Jugendforum, Diskussionen mit Politikerinnen und Politikern, ein Planungstreffen für den neuen Spielplatz, eine Demonstration, den neuen Kinderstadtplan oder einen Workshop für die Schülervertretung. Sie unterstützen Kinder und Jugendliche, wenn sie ein Anliegen öffentlich machen möchten und stellen den Kontakt zu Politik und Verwaltung her.

Nähere Informationen bieten auch die Jugendämter in den Bezirken.

jugendFORUM

Flaggen vor Berliner Abgeordnetenhaus
Bild: Thomas Röske / Fotolia.com

Das jährlich stattfindende jugendFORUM ist ein anerkanntes und wichtiges Podium des Gedanken- und Meinungsaustausches und eine etablierte Veranstaltung der Jugendbeteiligung in Berlin. Kinder und Jugendliche bestimmen das Programm und die Themen, die sie während des Forums mit Abgeordneten, Bezirkspolitikerinnen und Bezirkspolitikern und Vertreterinnen der Landesregierung diskutieren. Sie bereiten die Fragen und Themen vor, engagieren sich als Moderatorinnen und Moderatoren oder als sachkundige Themenpartner für bestimmte Fragestellungen.

Ziel ist – im Dialog von Jugendlichen mit Politikern und Verbänden – die Interessen und Gedanken von Jugendlichen der Berliner Landespolitik und der Öffentlichkeit bekannt zu machen. An diesem Tag haben die Jugendlichen das sagen. Sie übernehmen die Rolle der Politikerinnen und Politiker, leiten die Diskussionen und moderieren die zahlreichen thematischen Foren.

Themen des jugendFORUMs sind unter anderem Flüchtlingspolitik, Finanzierung der Jugendarbeit, Umweltpolitik und nachhaltige Wirtschaft, kulturelle Vielfalt, Rassismus, Gender und Diversity, Religiosität, Kinderrechte, Schulstress und die Wohnsituation von jungen Menschen. Das Forum bietet häufig auch kulturelle Aktivitäten, wie Rap- oder Tanzworkshops, an.

Das jugendFORUM ist Sonderschwerpunkt des Landesprogramms Jugend-Demokratiefonds Berlin. Die Organisation erfolgt in Verantwortung und Kooperation mit zahlreichen Trägern und Institutionen der Berliner Jugendarbeit. Bei der Weiterentwicklung des jugendFORUMS sollen sowohl die Bezirke mit ihren Aktionsfonds zur Kinder- und Jugendbeteiligung als auch Schulen und weitere Träger mit Projekten zur Demokratieförderung und -entwicklung junger Menschen noch stärker einbezogen werden.

U18-Wahl

Die Kinder- und Jugendwahl U18 ist eine der größten Bildungsinitiativen für junge Menschen in Deutschland. U18 begann im Jahr 1996 in einem einzigen Wahllokal in einem Jugendklub in Berlin-Mitte. Mittlerweile beteiligen sich viele tausend Kinder und Jugendliche an der U18 bei Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen, setzen sich im Vorfeld mit den Programmen der politischen Parteien auseinander und geben neun Tage vor der regulären Wahl ihre Stimme bei der U18-Wahl ab.

Inzwischen ist U18 auch in Europa bekannt. Anlässlich der Wahl zum Europäischen Parlament im Jahr 2014 haben Jugendliche aus verschiedenen europäischen Ländern bei “U18 goes Europe” zum ersten Mal zeigen können, dass ihnen die Mitbestimmung an Entscheidungen in der Europapolitik wichtig ist. Denn europäische Themen bestimmen jetzt und zukünftig die Lebenswirklichkeit von jungen Europäerinnen und Europäern entscheidend mit. Bei dem bundesweit größten Projekt der politischen Bildung und Partizipation mitzumachen lohnt sich.