Fundament

von Jan Neumann

Ein ironisch-poetischer Theaterabend

Regie: Stephan Thiel
Spiel: Christine Mertens, Nora Weil, Thomas Georgiadis, Thomas Witte
Bühne/Ausstattung: Christiane Hercher

Berlin-Premiere: 24. Februar 2011

Fundament
Fundament
Bild: Produktion

„Der größte Scheiß ist, dass ich nicht weiß, gegen welche Scheiße ich jetzt was machen kann“, brüllt der Student Benjamin Ullrich seinen gelangweilten WG-Mitbewohnern entgegen, nachdem er ihnen sämtliche aktuelle Vergehen der Menschheit um die Ohren geknallt hat: Folter, Kinderarbeit, Todesstrafe, Kampf ums Wasser, Verschwinden der Arten bis hin zu Atom­kraftwerken und Atom­bomben u.v.m – Ausschnitt einer WG-Szene, in der sich Benjamin Ullrich gegen seine desinteressierten, apolitischen Kumpane emphatisch auflehnt.
Szenenwechsel. Wir befinden uns im geschmackvoll eingerichteten Haus der wohlhabenden Familie Kremm und Hausherr Dr. Kremm macht sich philosophische Gedanken über das Sein: „Manchmal denke ich, ich habe ein schönes, privilegiertes Leben. Und dann möchte ich mich bei jemandem dafür bedanken. Da ich aber Atheist bin, weiß ich nicht bei wem…“.
Szenenwechsel. Eine Frau kämpft mit den Tränen, ist todunglücklich und hat eigentlich keinen Grund dazu. Alles ist im Lot. Mann, Haus, Kinder, Geld, alles da. Und trotzdem. In einem esoterischen Malworkshop vertraut sie sich einem schmierigen Guru an. Die vorder­gründig locker­flockige Szene pendelt zwischen Groteske und Abgrund.

FUNDAMENT ist ein Spiegel unserer Zeit und spiegelt ganz unterschiedliche Lebensentwürfe aus ganz unter­schiedlichen gesellschaftlichen Schichten.
Jan Neumann hat viel böse Situationskomik in sein Stück integriert und lässt seine rastlosen Figuren durchs Leben zappen. Oft ziellos und hektisch wie der Hamster in seinem Rad auf der Suche nach Orientierung und Halt. Diese Menschen sind um einen verheerenden Spreng­stoff­anschlag gruppiert. Ziel des Terrors ist ein Bahnhof, der das Bindeglied zum Zeitpunkt des Anschlags ist, wobei sich die Frage stellt, wer gerade noch oder nicht davon gekommen ist. Tragik oder Zufall?

Der Glaube allgemein ist Thema des Abends, aber nicht nur auf die Religionen bezogen, sondern auch darauf, wie ein Mensch zum Selbstmordattentäter werden kann. Es geht um das Fundament des Lebens schlechthin und darum was bleibt, wenn man die Fragen nach dem Sinn des Lebens nicht mehr zulässt. Es geht aber auch darum, inwieweit sich heute noch ernsthaftes moralisches Engagement ehrlich und ohne Kitsch formulieren lässt.