Geschichte und Literatur des Gebäudes

Geschichte des Gebäudes

Die nachfolgende Baubeschreibung des Kammergerichts ist im Rahmen einer Semesterarbeit im Fach Baugeschichte/ Denkmalpflege an der Technischen Fachhochschule im Wintersemester 2003/2004 entstanden.

Wir danken den beiden Verfasserinnen, Frau Anita Jentsch und Frau Susanne Storch, für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.

  1. Geschichte des Gebäudes
  2. Die künstlerische Bedeutung des Gebäudes
  3. Die Bedeutung für das Stadtbild
  4. Die Architekten
  5. Der Entwurf des Gebäudes
  6. Baubeschreibung des Kammergerichts

1. Geschichte des Gebäudes

  • Das Kammergericht ist das älteste deutsche Gericht, das ohne Unterbrechung gearbeitet hat und eines der größten Oberlandesgerichte Deutschlands. Es wurde 1468 erstmals urkundlich erwähnt und war bis 1735 ein Hofgericht. In diesem Jahre wurde das Gericht vom Hofe getrennt und zog in das Collegienhaus in der Lindenstraße 14.
  • Der Raumbedarf des Kammergerichts ist gegen Ende des 19. Jahrhunderts so groß geworden, dass das Collegienhaus seinen Platzansprüchen nicht mehr genügte. Es wurde für einen Neubau entschieden. Das neue Gebäude des Kammergerichts mit seinen mehr als 500 Räumen ist von 1909 bis 1913 auf dem Gelände des früheren Botanischen Gartens an der Elßholzstraße erbaut worden Der Botanische Garten hatte sich seit 1679 auf dem Gelände befunden und ist am Ende des 19. Jahrhunderts nach Dahlem verlegt worden, da das Grundstück an der Elßholzstraße mit seiner Große den neuen Aufgaben und Anlagen des Gartens nicht mehr gerecht werden konnte.
  • Um das neue Gebäude des Kammergerichts mit eventuell erforderlich werdenden Erweiterungsbauten jederzeit ergänzen zu können, wurden nördlich und südlich von ihm große Freiflächen reserviert. Auf dem restlichen Gelände entstand von 1909 – 11 ein Park, der durch den Stadtgartendirektor Albert Brodersen angelegt wurde und anlässlich des 100. Geburtstages Kleists dessen Namen erhielt.
  • Von August 1944 bis Januar 1945 tagte in dem Gebäude der Volksgerichtshof, der die Schauprozesse gegen die Beteiligten am Attentat auf Hitler im Juli 1944 verhandelte. Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 wurde das Gebäude Sitz des Alliierten Kontrollrates für Deutschland.
  • Als die UdSSR im März 1948 aus dem Kontrollrat auf Grund der wachsenden Spannungen zwischen sich und den westlichen Besatzungsmächten ausschied, kam dessen Tätigkeit dadurch zum Erliegen und nur noch 20 Räume wurden künftig von der Alliierten Luftsicherheitszentrale für Berlin genutzt.
  • Im März 1970 begann in dem Gebäude die Viermächte-Konferenz Großbritanniens, Frankreichs, der USA und der UdSSR und am 3. September 1971 wurde im Plenarsitzungssaal das Viermächte-Abkommen unterzeichnet.

2. Die künstlerische Bedeutung des Gebäudes

  • Mit seiner äußeren und inneren Gestaltung und seiner funktionellen Grundrisslösung spiegelt das Gebäude das Selbstverständnis Preußens wider. In der Empfangshalle soll dem Besucher die erhabene Großartigkeit des Rechts bewusst werden. Ihre Gestaltung ist angelehnt an Otto Schmalz “Verkehrsschleusen” im Land- und Amtsgericht l in Berlin, wobei hier zusätzlich barocke Elemente zu finden sind

3. Die Bedeutung für das Stadtbild

  • Das Gebäude des Kammergerichts prägt das Stadtbild mit seiner Beziehung zum Kleistpark und vor allem zu den Königskolonnaden entscheidend. Es ist gleichzeitig ein Beispiel für die Wilhelminische Stadtplanung Berlins im Bereich Schöneberg.

4. Die Architekten

  • Rudolf Mönnich wurde am 05.06.1854 in Osnabrück geboren und starb am 13.08.1922 in Berchtesgaden. Er war seit 1894 in Bertin tätig und hierbei unter anderem von 1907 -1922 im preußischen Ministerium für öffentliche Arbeiten. Gemeinsam mit Carl Vohl entwarf er das zwischen 1902 und 1906 gebaute Kriminalgericht Moabit in der Turmstraße 91. In den Jahren 1901 bis 1906 entstand nach gemeinsamen Planen von ihm und Paul Thoemer das Amtsgericht Wedding. Er fertigte auch den Gesamtentwurf für das Landgericht Berlin und leitete den Bau der Amtsgerichte von Lichtenberg, Pankow und Weißensee. In Lichtenberg wurde eine Straße nach ihm benannt, die irgendwann durch einen Schreibfehler zur Wönnichstraße wurde.
  • Paul Thoemer wurde im pommerschen Köslin am 20.06.1851 geboren und starb am 06.06.1918 in Bertin. Er studierte bereits in Berlin und war danach im Staatsdienst tätig. Zunächst arbeitete er im Dezernat für Eisenbahnhochbauten, später in dem für Justizbauten im Preußischen Ministerium für öffentliche Arbeiten. In letzterer Funktion schuf er- vielfach gemeinsam mit Rudolf Mönnich – in ganz Preußen Gerichtsbauten, in Berlin mehrere Amtsgerichte (darunter auch das Amtsgericht Wedding, dessen Gebäudekomplex als eines der imposantesten Berliner Gerichtsgebäude gilt). Thoemer fertigte auch den Vorentwurf für das Landgericht Berlin und entwarf die Fassaden für die Erweiterung des Königlichen Polizeipräsidiums.

5. Der Entwurf des Gebäudes

  • Der Vorentwurf für das Kammergerichtsgebäude wurde unter der Leitung des Wirklichen Geheimen Oberbaurates Paul Thoemer in Zusammenarbeit mit dem Regierungs- und Geheimen Baurat Rudolf Mönnich und dem Regierungs- und Baurat Fasquel entwickelt. Danach erfolgte die Ausarbeitung desselben durch den Regierungs-und Baurat Carl Vohl und Regierungsrat Lahrs. Mitarbeiter bei der Ausführung waren Rbm Rechholtz und kurzzeitig Rbm Dr. Philipp Rappaport. Die künstlerische Einzelausbildung und konstruktive Ausarbeitung wurde realisiert von Prof. Bernhard Schaede, Walter Ponto und Mertens.
  • Noch während der Entwurfsarbeiten wurden die Geschäfte des Kammergerichtes so umfangreich, dass noch wesentliche Vergrößerungen des Bauentwurfs vorgenommen werden mussten.

6. Baubeschreibung des Kammergerichts

  • Das Kammergericht ist ein 38-achsiges Gebäude, das aus 5 Geschossen (inklusive Sockelgeschoss) besteht und schon ursprünglich 540 Räume aufnahm. Seine Front zum Park hin ist 135,44 m lang (mit stark zurücktretenden Seitenflügeln} und in seiner Mittelachse ist es 66,8 m tief. Im Westen grenzt der Kleistpark an das Haus, das seine Hauptfront zu dieser Seite ausrichtet. Die Zufahrten zum Park sind nördlich und südlich des Gerichts durch Gittertore von der Straße abgetrennt. Wichtiger Bestandteil des Parks sind die barocken Königskolonnaden (1770 – 80) von Carl von Gontard, die 1910 aus der Königstraße am Alexanderplatz hierhin an die Potsdamer Straße versetzt worden sind. Der Haupteingang des Kammergerichts ist auf die Königskolonnaden ausgerichtet, befindet sich also genau gegenüber. Die parkseitige Vorfahrt befindet sich auf einer Terrasse, die bis in den Park hineinragt. Seit 1945 stehen rechts und links auf dem Vorplatz des Eingangs zwei Rossbändiger aus Bronze, die von dem russischen Bildhauer Peter Jakob Baron Clodt von Jürgensburg erschaffen wurden und die sich ehemals vordem Berliner Stadtschloss befanden. Sie waren ursprünglich ein Geschenk des Zaren Nikolaus I. an seinen Schwager Friedrich Wilhelm IV.
  • Das Gebäude wurde in Sandstein und Basaltlava ausgeführt. Die kleineren Innenhöfe wurden mit Eisenklinkern versehen, die größeren wurden verputzt. Der Fußboden des Sockelgeschosses und die Vorgärten an der Elßholzstraße mussten aufgrund baupolizeilicher Bestimmungen 0,5 bis 0,7 m unter das Straßenniveau gelegt werden. Die Baukosten beliefen sich auf 4.283.700 Mark, die sich wie folgt zusammensetzten: 3.482,900 Mark für das Geschäftsgebäude, 640,300 Mark für die Ausstattung und 160.500 Mark für Nebenanlagen, Pflaster und Gärten. Die Kosten für die Bauleitung waren hier noch nicht enthalten.
  • Stilistisch lässt sich das Gebäude äußerlich im norddeutschen Neobarock ansiedeln.
  • Die Treppenhalle ist im Zopfstil gehalten. Auf den ihr Vorgelagerten Mittelrisaliten, der um 4 m aus der Gebäudeflucht hervor springt, wurde bei der Gestaltung ein Schwerpunkt gelegt. Er ist reich verziert, untergliedert durch Säulen, die ein Gebälk tragen und der Giebel ist mit Bildhauerarbeiten geschmückt. Der Turm, der den Mittelrisaliten einst krönte, ist nicht mehr präsent. Er wurde während des 2. Wettkrieges durch die Wucht der Detonation einer Bombe, die in unmittelbarer Nähe des Gebäudes einschlug, bis zur Einsturzge­fährdung beschädigt und nach dem Krieg abgerissen. Sein Wieder­aufbau hatte 2 Millionen DM gekostet und ist aus Einsparungsgründen nicht realisiert worden.
  • An den Balkonen und Fensterüberdachungen ist reichlich figürlicher Schmuck aus schlesischem Sandstein angebracht. Ebenfalls aus diesem Material sind die Gesimse, Tür- und Fensterumrahmungen sowie andere besonders herausragende Bauteile an der Hauptfront gefertigt. An den anderen Fassaden bestehen diese Elemente aus Werksteinverblendungen. Sockel- und Erdgeschoss sind mit Quadern schlesischen Sandsteins verblendet, darunter befinden sich Platten aus rheinischer Basaltlava. Die Wandflächen sind an der Hauptfront mit rau abgeriebenem Terrasitputz und an den übrigen Fassadenseiten mit Kalkmörtelputz beschichtet. In den beiden großen Höfen sind die Wandflächen mit großen Ornamenten versehen worden. Die Wände der kleineren Höfe wurden mit glatten, weißen Ziegeln verblendet, die leicht zu reinigen sind und die zusätzlich den Lichteinfall optimieren sollten.
  • Das Dach ist zur Elßholzstraße hin mit Mönch und Nonne gedeckt worden und die Hofseite mit Falzziegeln. In den 70er Jahren fand eine Dachneueindeckung mit Flachdachpfannen statt.
  • Das Gebäude verfügt über zwei Haupteingänge, durch die man ins Innere zu den drei Haupt- und vier Nebentreppen gelangt. Ursprünglich waren auch zwei Aufzüge vorhanden. Einer von ihnen ist heute noch nahezu im Originalzustand und in Betrieb.
  • Bei der Innenraumgestaltung sollten “Dauerhaftigkeit und Zweckmäßigkeit’‘ (Zitat: Zentral Watt der Bauverwartung, 1913) maßgebend sein. Lediglich die Eingangshallen sowie die große Mittelhalle, die mit ihrer kuppelartigen Decke von 17m Spannweite durch alle Stockwerke reicht, mitsamt ihren Umgängen und Treppenräumen sind durch Bildhauerarbeiten in Form von Figuren und Ornamenten reicher geschmückt worden.
  • So sind etwa im oberen Stockwerk an den Säulen der Mittelhalle die Köpfe von zehn mit der Justiz in Verbindung gebrachten Persönlichkeiten ornamental abgebildet, zum Beispiel Cicero (106-43 v. Chr., römischer Philosoph und Staatsmann), Demosthenes (384 – 322 v, Chr., Redner und demokratischer Politiker Athens), Solon (640 – 560 v. Chr., athenischer Gesetzgeber), Justinianus (527 – 565, wollte römisches Recht und christlichen Glauben vereinen), Aristoteles (384 – 322 v. Chr., griechischer Philosoph) und Karl der Große (747 – 814, römisch-deutscher Kaiser), um hier nur einige zu nennen.
  • Aber auch Sitzungssäle und die Empfangs- und Arbeitsräume des Präsidenten und des Generalstaatsanwalts wunden repräsentativer ausgestaltet. Die Ausstattung der drei Gesellschaftsräume der Präsidentenwohnung erfolgte durch Prof. Bruno Paul und seine Schüler. Leider sind die Möbel und Textilien nicht mehr vorhanden. Die Wohnung erstreckte sich über 520 qm, bestand aus 16 Haupträumen und war äußerlich am Gebäude nicht wahrnehmbar. Sie verfügte außerdem über eine eigene Haupt- und Nebentreppe sowie einen eigenen Aufzug.
  • Als künstlerische Besonderheit hervorzuheben ist hierbei noch eine 2 m hohe Standuhr aus der Fabrik des Berliner Uhrenfabrikanten Bauer aus dem Jahre 1790, die jetzt im Dienstzimmer des Vizepräsidenten des Kammergerichts steht. Sie trägt oben eine vergoldete Figur der Gerechtigkeit und im Sockel einen Reliefkopf des athenischen Gesetzgebers Solon.
  • Alle Flure des Gebäudes sind mit Wandfliesen versehen worden, die sich etagenweise voneinander in ihrer Färbung unterscheiden. Die Fußboden sind mit Linoleum ausgelegt, das bei den Rekonstruktionsarbeiten Anfang der 90er Jahre originalgetreu in Holland nachgefertigt worden ist.
  • Selbst die Drückergarnituren der Türen im Gebäude, die nahezu alle noch ursprünglich sind, wurden originalgetreu bis ins kleinste Detail den ehemals vorhandenen nachempfunden.
  • Der Plenarsitzungssaal befindet sich im 1. Stock nördlich der Präsidentenwohnung an der Front zum Kleistpark, ist 8 m hoch und erstreckt sich somit über zwei Stockwerke. Er hat eine Fläche von 235 m2 und ist weitaus mehr künstlerisch in Szene gesetzt worden als die anderen Sitzungssäle. So ist seine Decke beispielsweise mit Gemälden von Albert Maennchen und diversen Stuckapplikationen verziert. Die in ihm befindlichen Säulen sind nur dem Schein nach aus Marmor. Sie bestehen aus Metall und sind farbig beschichtet. Im Dienstzimmer des Generalstaatsanwalts und in zwei weiteren an der Hauptfront gelegenen Sitzungssälen im 3. Stock befinden sich Stuckrosetten, die aus dem Dom zu Fürstenwalde stammen und die künstlerisch besonders wertvoll sind.
  • Flure und Wartehallen bekamen Tonnengewölbe mit Stichkappen, römische Kreuzgewölbe, Ring-, Kloster oder Trichtergewölbe – nicht zuletzt wegen der geforderten Feuersicherheit. Die Kuppel von 17 m Durchmesser über der Mittelhalle ist eine schubfreie Stahlbetonkonstruktion.
  • Die Bibliothek des Gerichts erstreckt sich über zwei reguläre Etagen des Hauses, in die jeweils eine Zwischendecke eingezogen wurde und somit 4 Etagen entstanden. Diese sind durch interne Treppenhäuser miteinander verbunden. In der Bibliothek befinden sich 7.000 Regale von je 1 m Länge, die voll von Büchern sind.
  • Im Jahre 1994 wurde mit umfangreichen Um- und Ausbau- sowie Rekonstruktionsarbeiten begonnen. Die zuständigen Architekten waren Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte. Die Kosten der Restaurierung des Gebäudes umfassten ca. 55 Millionen DM. Im Zuge der Arbeiten wurden zum Beispiel die Türen und Treppen auf den brandschutztechnisch neuesten Stand gebracht und Flure und Treppenräume farblich wieder hergestellt. Des Weiteren wurden einige Räume zu zusätzlichen Treppenhäusern umfunktioniert, um auch zusätzliche Fluchtwege zu schaffen. Es wurde auch ein neues Verbindungstreppenhaus am Hof C ins zentrale Treppenhaus geschaffen. Zusätzlich wurden Aufzüge in Stahl/Glas-Konstruktion vor der Fassade stehend in den Innenhöfen geschaffen.
  • Außerdem wurde das Dachgeschoss ausgebaut. Hierbei blieben alle ursprünglichen Gauben in Richtung Elßholzstraße und Kleistpark erhalten und nur die Gauben zu den Innenhöfen wurden durch neue ersetzt. Nach dem Umbau betrug die gesamte Geschossfläche des Gebäudes 35.165 m2 (vorher waren es 29.295 m2). Der Ausbau des Dachgeschosses hatte fast 6.000 m2 zusätzlicher Nutzfläche gebracht.
  • An verschiedenen Stellen wird man im Gebäude noch an die Zweckentfremdung desselben durch die Alliierten erinnert. So ist beispielsweise von den Amerikanern in der Eingangshalle aus Richtung der Elßholzstraße eine Pförtnerloge errichtet worden, die Bestandsschutz genießt.
  • Ebenso verhält es sich mit den mächtigen Fahnenmasten, die sich an der dem Park zugewandten Seite außen am Gebäude befinden. In der Eingangshalle zeugen noch die Zeiger der Uhr, die die Form eines Seepferdchens haben, von der Anwesenheit der amerikanischen Pioniereinheit, die hier nach dem Krieg Restaurierungsarbeiten durchführten und deren Talisman das Seepferdchen war.
  • Vor der Bibliothek des Hauses sind im Linoleum farbig die ehemaligen Umfassungen von Viehgehegen gekennzeichnet. Die russischen Besatzer hatten hier nach dem Krieg Schweine gehalten.
  • Bei allen Umbauarbeiten war es unbedingt wichtig, darauf zu achten, dass der Rückbau in den alten Zustand jederzeit möglich bleiben konnte.
  • Am 25. Juni 1993 ist das Kammergericht in der Elßholzstraße auf Grund seiner sowohl geschichtlichen, wissenschaftlichen und künstlerischen Bedeutung als auch seiner Bedeutung für das Stadtbild und des Interesses der Allgemeinheit in die Liste denkmalgeschützter Gebäude aufgenommen worden.

Literatur zur Geschichte des Kammergerichts

  • Die Geschichte des Kammergerichts, seiner Richter und seiner Prozesse ist Gegenstand vieler Veröffentlichungen. Die nachfolgende Übersicht ist nicht vollständig. Sie spiegelt eine subjektive Auswahl wider.
  • Die „klassische“ vierbändige Gesamtdarstellung ist die „Geschichte des Kammergerichts in Brandenburg-Preußen“ des Kammergerichtsrats Dr. Friedrich Holtze aus den Jahren 1890 – 1904. Bedeutsam ist dieses Werk durch den Nachdruck diverser Quellentexte.
  • Um eine monografische Geschichte des Kammergerichtsbezirks in der Zeit von 1945 bis 1980 handelt es sich bei dem Werk von Friedrich Scholz „Berlin und seine Justiz“, Berlin 1982. Scholz schildert die Situation in der Nachkriegszeit und den Wiederaufbau der Justiz in der geteilten Stadt, wobei dem Kammergericht eine besondere Bedeutung zukam.
  • Die prägnanteste geschichtliche Übersicht ist der Aufsatz von Uwe Wesel „Ja, wenn das Berliner Kammergericht nicht wäre – Seine Geschichte und seine Gegenwart“ in der KritV 1987, Seite 157 ff. Wesel bietet einen kurzen, aber umfassenden Überblick, der mit der Schilderung der Umstände der ersten urkundliche Erwähnung des Kammergerichts im Jahre 1468 beginnt. Er beschreibt einzelne Stationen wie den Müller Arnoldschen Prozess oder die Auseinandersetzung zwischen dem Kammergerichtsrat E.T.A. Hoffmann und dem Polizeidirektor von Kamptz in Zuge der „Demagogenverfolgungen“. Auch geht Wesel auf den Fall Hans-Joachim Rehse ein, einen Kammergerichtsrat, der als Beisitzer am Volksgerichtshof an 230 Todesurteilen mitgewirkt hat.
  • Zum 500. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung sind im Märzheft 1968 der Deutschen Richterzeitung mehrere Aufsätze über die Geschichte des Kammergerichts erschienen, so die detailreiche Abhandlung insbesondere zum 18. Jahrhundert von Werner Bienwald, „500 Jahre Kammergericht“, DRiZ 1968, Seite 66 ff., und eine „neuere“ Chronik der Zeit nach 1945 von Hans Günther, „’Kammergericht soll bleiben’ – ‚o.k.’“, DRiZ 1968, Seite 71 ff., in der u.a. geschildert wird, warum das Kammergericht entgegen dem anfänglichen Widerstand der Amerikaner seinen tradierten Namen behalten durfte. Weitere Aufsätze dieses Hefts sind „Friedrich der Große und das Kammergericht“ von Klaus Darkow (Seite 76 ff.) und eine Kurzbiografie über den „Kammergerichtsrat E.T.A. Hoffmann“ von Rudolf Wassermann (Seite 78 ff.). Zu E.T.A. Hoffmann gibt es auch eine Abhandlung von Ulrich Mückenberger „Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776-1822) ‚Das Literarische macht frei…’“, und zwar in dem Sammelband „Streitbare Juristen“ herausgegeben von der Kritischen Justiz, Baden-Baden 1988 (Seite 19 ff.). Die schon erwähnte Auseinandersetzung zwischen Hoffmann und von Kamptz wird auch bei Bernt Engelmann, „Richter zwischen Recht und Macht“, Göttingen 1995, Seite 43 ff. beschrieben.
  • In einem aktuellen Aufsatz beschreibt Rudolf Wassermann „Das Kammergericht unter dem NS-Regime“, RuP 2004, 47 ff. In dem erwähnten Sammelband schildert Johann Heinrich Lüth in seinem Beitrag „Arnold Freymuth (1879-1933), Hermann Großmann (1878-1937 (?)), Alfred Orgler (1876-1943 (?)) – Drei Richter für die Republik“ (Seite 204 ff.), das Schicksal dieser bis 1933 am Kammergericht tätigen Richter.
  • Rudolf Wassermann verfasste unter dem Kurztitel “Ein Gang durch die Geschichte des berühmten deutschen Gerichts (1468-1945)” das Buch ‘Kammergericht soll bleiben’, welches nicht unerwähnt bleiben darf. Es erschien im Herbst 2004 im Berliner Wissenschaftsverlag (BWV).

Die Gedenktafeln

  • Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Kammergericht 1468. Ursprünglich war es das Hofgericht der Kurfürsten von Brandenburg, das heißt es übte im Namen des Kurfürsten dessen Gerichtsgewalt aus. Das Kammergericht Berlin war -wie die übrigen Oberlandesgerichte- ein Gericht, gegen dessen Urteile keine Berufung vor den kaiserlichen Reichsgerichten eingelegt werden konnte. Es war damit das höchste Gericht im Königreich Preußen. Die Bezeichnung Kammergericht behielt es bis heute bei.
  • 1735 wurde das Kammergericht unabhängig vom (inzwischen königlichen) Hof und zog in das Collegienhaus in Berlin (heute Teil des Jüdischen Museums).
  • 1913 erhielt es ein eigens errichtetes Gebäude am Kleistpark in Schöneberg.
  • Ab 1951 hatte das Kammergericht seinen Dienstsitz im Gebäude des Reichsmilitärgerichts in der Witzlebenstr. 4-5. Dieses Gericht war zuständig für Berlin (West).
  • Durch die Teilung Berlins gab es seit 1949 zwei Kammergerichte; das Ostberliner Kammergericht wurde 1961 abgeschafft.
  • Nach der Wiedervereinigung zog das Kammergericht wieder an seinen angestammten Platz am Kleistpark.
Kammergericht_Juristen
Gedenktafel jüdische Juristen Berlin
Bild: kammergericht

Im Kammergerichtsgebäude am Kleistpark befindet sich auf der linken Seite im Haupteingang eine Gedenktafel für die jüdischen Juristen in Berlin. Diese Gedenktafel befand sich von 1988 bis 2007 im Foyer des dritten Obergeschosses des Gerichts in der Witzlebenstraße.

Gedenktafel Günter von Drenkmann
Gedenktafel Günter von Drenkmann
Bild: kammergericht

Bis 2007 befand sich in einem Neben-Treppenhaus im Erdgeschoss des Gerichts in der Witzlebenstraße eine Gedenktafel für den früheren Kammergerichtspräsidenten Günter von Drenkmann. Sie wurde im Zuge des Umbaus des Hauses abmontiert und befindet sich jetzt ebenfalls im Kammergerichtsgebäude am Kleistpark.