Straßenverkehr für Kinder immer riskanter

Straßenverkehr für Kinder immer riskanter

Am 16. Juni ist der jährliche Tag der Verkehrssicherheit. Unfälle mit abbiegenden LKWs, deren Fahrer im engen Straßenverkehr den Überblick verlieren, sind schon länger ein Thema. Ebenso wie Unfälle von Kindern, wie sie jetzt in Berlin mehrfach vorkamen.

Polizeiabsperrung

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Polizeiabsperrung

Erneut hat in Berlin ein Kind einen schweren Verkehrsunfall erlitten. Unklar ist aber in diesem Fall, ob das zwölfjährige Mädchen, das am Donnerstagabend in Spandau vor ein Auto lief, Schuld an dem Unfall trug. Das Mädchen lief über die Straße zu einem haltenden Bus und wurde von dem Auto einer 73-jährigen Frau angefahren. Die Zwölfjährige brach sich nach Polizeiangaben bei dem Unfall in der Daumstraße im Ortsteil Haselhorst die Hüfte und die Schulter.

Bereits zwei Kinder diese Woche tödlich verletzt

Erst am Dienstag und am Mittwoch waren zwei Kinder auf Fahrrädern im Straßenverkehr getötet worden. Am Dienstagnachmittag starb in Rummelsburg eine 13-jährige Radfahrerin. Sie wollte mit ihrem Rad Gleise überqueren, übersah offenbar die ankommende Straßenbahn und wurde angefahren. Ob sie letztlich durch den Zusammenstoß starb oder durch eine anfangs missglückte Bergung der Straßenbahn, stand zunächst noch nicht fest.

LKW erfasst Jungen beim Abbiegen

Am Mittwochmorgen wurde ein acht Jahre alter Junge in Spandau von einem rechtsabbiegenden Lastwagen überrollt und getötet. Offenbar übersah der Lkw-Fahrer den Jungen, der in Begleitung seiner Mutter war. Alle Beteiligten waren bei einer grünen Ampel losgefahren.

Christdemokraten fordern mehr Sicherheit

Die CDU erklärte am Freitag: «Berlin kann jetzt nicht so einfach wieder zur Tagesordnung übergehen.» Der Senat müsse sofort alle großen Verkehrskreuzungen auf mögliche Unfallgefahren überprüfen und noch vor der Sommerpause Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheit vorlegen.

Abbiegeassistenten für Lastwagen

Abbiege-Unfälle mit Toten und Verletzten sorgten in den vergangenen Jahren immer wieder für Empörung. Vor einer Woche hatte der Bundesrat eine Initiative Berlins zur verpflichtenden Einführung von Abbiegeassistenten für Lastwagen beschlossen. Damit wurde die Bundesregierung aufgefordert, sich auf europäischer Ebene dafür einzusetzen, dass neue LKW generell mit dem System ausgeliefert werden. Es warnt beim Abbiegen vor Radfahrern oder Fußgängern und leitet bei Bedarf eine Notbremsung ein.

Über 2000 Schwerverletzte im letzten Jahr

Im vergangenen Jahr gab es in Berlin zwar so wenig Verkehrstote wie seit Jahrzehnten nicht: 36 Menschen starben. Generell sterben in Großstädten weniger Menschen im Straßenverkehr als bei den Unfällen mit hohen Geschwindigkeiten auf dem Land. Allerdings war die Zahl der Unfälle im dichten Stadtverkehr mit 143 000 sehr hoch. Dabei wurden rund 2300 Menschen so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus mussten.

Kinder fühlen sich im Straßenverkehr nicht sicher

157 Kinder wurden 2017 bei Verkehrsunfällen schwer verletzt, 594 Kinder leicht. Nach einer aktuellen Umfrage kurz vor dem Tag der Verkehrssicherheit am Samstag fühlt sich in Deutschland jedes fünfte Kind zwischen 10 und 17 Jahren auf dem Schulweg durch den Straßenverkehr nicht sicher. Mädchen fühlen sich dabei noch deutlich öfter unsicher (24 Prozent) als Jungen (17 Prozent). Zu diesen Ergebnissen kommt die repräsentative Umfrage des Politikforschungsinstituts Kantar Public im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Großstädte gefährlicher als ländliche Gebiete

Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die sich «weniger sicher» oder «gar nicht sicher» fühlen, liegt in Großstädten (mehr als 100 000 Einwohner) und kleinen und mittleren Städten (5000 bis 100 000 Einwohner) bei etwa 20 Prozent. In Dörfern und Kleinstädten (bis 5000 Einwohner) fühlen sich die Kinder weniger gefährdet. Rund 15 Prozent sagen hier, dass sie sich nicht ganz sicher fühlen.

Neue Verkehrsregeln zum Schutz von Kindern

Das Deutsche Kinderhilfswerk forderte daher eine veränderte Verkehrspolitik für mehr Sicherheit von Kindern. Dabei gehe es um den Ausbau von Fuß- und Radwegen, flächendeckende Schulwegpläne und Tempo 30 überall dort, wo viele Kinder unterwegs sind.
Ein Warndreieck mit Schriftzug "Unfall"
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: 15. Juni 2018