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Denkzeichen in Berlin-Buch für die Opfer der national­sozialistischen Zwangssterilisationen und »Euthanasie«–Morde

Bildvergrößerung: Das Denkzeichen zeigt ein riesiges Kissen im Park vor der ehemalige "Städtische Heil- und Pflegeanstalt Buch“
Bild: Patricia Pisani

Der Kunstwettbewerb für ein Denkzeichen in Berlin-Buch in Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Zwangssterilisationen und »Euthanasie«–Morde ist in der Preisgerichtssitzung am 24.05.2013 entschieden worden.

Die ehemalige “Städtische Heil- und Pflegeanstalt Buch“, Bestandteil der Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Krankenhausstadt in Berlin-Buch, war zu der Zeit des Nationalsozialismus einer der Ausgangspunkte für den Massenmord an geistig behinderten und psychisch kranken Menschen. Mehrere Jahr­zehnte wurde dies in der Geschichte der Bucher Krankenanstalten verschwiegen.

An dem anonym durchgeführten Einladungswettbewerb beteiligen sich acht Künst­le­rinnen und Künstler bzw. Künstlergruppen. Das Preisgericht hat einstimmig den Entwurf der Berliner Künstlerin Patricia Pisani zur Ausführung empfohlen.
Der Entwurf der Künstlerin Patricia Pisani sah vor, auf der Rasenfläche des Klinik­gelän­des ein überdimensioniertes, weißes Kissen aus Kunstharz zu platzieren. Auf dem Kissen ist der Abdruck eines Kopfes zu erkennen. Die Vornamen der Opfer sind in Relief­buchstaben auf der Oberseite des Kissens zu lesen und zu ertasten.
Mit dem Kissen entstand ein Denkzeichen, dass die Verbrechen an den Schutz­be­fohle­nen auf vielschichtige und zugleich ambivalente Weise thematisiert. Hier wurde nicht der Zeigefinger erhoben, sondern in poetischer Form eine Leerstelle mar­kiert und ein Bezug zum heutigen Klinikstandort hergestellt.
Ergänzend dazu wurden zwei Informationsträger realisiert. Standort für das Denkzeichen ist der Campus C.W. Hufeland.

Wesentliche Unterstützung hat das Vorhaben von Beginn an durch Bürgerinnen und Bür­gern aus dem Ortsteil Buch, die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas sowie den Bund der Euthanasiegeschädigten und Zwangssterilisierten erfahren.

Für die Planung und Realisierung des Denkzeichens standen 60.000 Euro zur Ver­fü­gung. Die Auslobung des Kunstwettbewerbs und die Realisierung des Denk­zeichens wurden durch Mittel aus dem Programm Künstlerische Gestaltung im Stadtraum der Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten, des Hauptstadtkulturfonds, des Bezirks­kultur­fonds Pankow sowie mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Denk­mal für die ermor­de­ten Juden Europas, des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Kooperation mit der BBB Management GmbH, der Evangelischen Lungen­klinik Berlin (ELK), des Immanuel Krankenhaus Berlin-Buch, der Akademie der Gesundheit Berlin/Brandenburg e.V., der HOWOGE und insbesondere des HELIOS Klinikums Berlin-Buch ermöglicht.

Am Donnerstag, dem 14. November 2013 fand die Übergabe des Denkzeichens an die Öffentlichkeit in Berlin-Buch statt.
Es sprachen:
Dr. Torsten Kühne – Bezirksamt Pankow, Bezirksstadtrat für Verbraucherschutz, Kultur, Umwelt und Bürgerservice
André Schmitz – Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten des Landes Berlin
Dr. Mate Ivančić – Klinikgeschäftsführer, HELIOS Klinikum Berlin-Buch
Margret Hamm – AG Bund der »Euthanasie«-Geschädigten und Zwangssterilisierten

Übergabe eines Denkzeichens in Berlin-Buch am 14.11.2013 | Pressemitteilung vom 06.11.2013

Folder: Denkzeichen in Berlin-Buch für die Opfer der nationalsozialistischen Zwangssterilisationen und »Euthanasie«–Morde

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