Ein Schweizer Abgesandter des internationalen Roten Kreuzes kommt in ein von den Nationalsozialisten als „Vorzeigelager“ eingerichtetes Konzentrationslager, um sich ein Bild von den Haftbedingungen zu machen. Der namenlose Besucher ahnt, dass ihm etwas vorgemacht wird, als der Lagerkommandant sowie der Judenrat Gershom Gottfried ihn durch die idyllische Anlage mit Park, Musikpavillon, Synagoge, Kinderspielplatz und der Rampe („Himmelweg“) zur Krankenstation führen. Von beiden genötigt, alles zu fotografieren, um die Bilder dieses Lagers in die Welt zu tragen, spürt der Berichterstatter von Beginn an, dass alles, was er beobachtet, wie extra für ihn inszeniert wirkt. Als er dann den Bericht für die internationale Öffentlichkeit verfasst, fragt er sich, welche Rolle ihm persönlich in diesem kunstvollen Manipulationsdreieck zukommt. Denn er weiß: „Was ich sehe, sieht die Welt“, und die eigene Erinnerung wird zum jede Nacht wiederkehrenden Alptraum.
Juan Mayorga (geb. 1965) zählt zu den wichtigsten Vertretern der neuen spanischen Dramatik. Er ist Leiter des Teatro de la Abadía in Madrid und Mitglied der Real Academia Española. Durch sein Studium und spätere Lehraufträge in Münster und Berlin ist der Mathematiker und Philosoph eng mit der deutschen Kultur vertraut.
Stefanie Gerhold hat sieben seiner zahlreichen Stücke ins Deutsche übertragen, von denen HIMMELWEG (geschrieben 2003) mit zahlreichen Preisen bedacht und am erfolgreichsten ist.
Thematischer Ausgangspunkt für die Konstruktion dieses Stückes war das Unternehmen der Nazis, noch im Jahr 1944 im Ghetto Theresienstadt einen Propagandafilm namens „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ zu drehen. Was Juan Mayorga vor dem Hintergrund der Geschichte existenziell beunruhigt, ist die in diesem thematischen Zusammenhang abgründige Verknüpfung von Theater und Täuschung.
In der Lesung am 27. Januar der von Hedda Kage eingerichteten Fassung übernimmt ein Schauspieler die drei Rollen im inszenierten Räderwerk der unter den Augen der Welt stattfindenden Endlösung. Im Anschluss an die Lesung ist ein moderiertes Gespräch mit dem Publikum, der Übersetzerin Stefanie Gerhold und den an der Lesung Beteiligten vorgesehen.