Bruchlinien

von Michael Alexander Müller

Uraufführung

Bildvergrößerung: Bruchlinien
Titelfoto: Bruchlinien
Bild: Johanna Hasse

Regie: Johanna Hasse
Konzeption: Johanna Hasse, Francoise Hüsges
Text: Michael Alexander Müller
Komposition/Musik: Mark Fiebig, Lara Hüsges
Mit: Melissa Anna Schmidt, Urs Fabian Winiger
Ausstattung: Francoise Hüsges
Video/Animation: Mara Wild
Licht: Thomas Schick
Technik OFFline: Oliver Gayk, Robert Schüller
Technik ONline: Ole Schmetzer, Jonas Fülscher

Premiere: 28. August 2020

BRUCHLINIEN: Zwei Bühnen, zwei Städte, ONline, OFFline, analog, digital, aktiv, passiv.
Ein Thema. Der Missbrauch. Wir haben die Wahl, ob wir eine Grenze über­schreiten oder nicht, ob wir auf­merk­sam in unserem Umfeld sind, ob wir die Anzeichen für den sexuellen Miss­brauch erkennen und wahr­nehmen und uns als Gesell­schaft zu fragen, was wir dagegen unter­nehmen – etwa die Verjährungs­fristen endlich zu kippen und Miss­brauch zum Verbrechen zu erklären, der in der Familie und im sozialen Umfeld täglich in viel­fältigen Varianten und Ausprä­gungen mitten unter uns geschieht. Es ist unum­gänglich sich mit dieser Thematik aus­einander­zusetzen, die Zeichen zu lesen und zu handeln.

BRUCHLINIEN ist ein öffentlicher Bericht, in dem zwei wahre, aus persönlich­keits­rechtlichen Gründen jedoch anonym gehaltene Fälle sexuellen Miss­brauchs verhandelt werden. Da ist das Mädchen, das von ihrem Stief­vater jahre­lang unter den Augen ihrer Mutter miss­braucht wurde, und der Junge, der von seinem Jugend­betreuer eines Eisen­bahn­vereins über mehrere Jahre hinweg verge­waltigt wurde. Zwei Kinder, einge­schüchtert und gefangen in ein System aus Verrat, Manipu­lation, psychischem Druck und brutaler Gewalt im vertrauten Umfeld. Zwei Kinder, die das Erlebte über Jahre verdrängt und aus Angst und Scham­gefühl geheim gehalten haben. Jahre später erst können sie sich ihrer Ver­gangen­heit stellen, brechen das Schweigen und stellen Straf­anzeige.
Sie übergeben ihre Akten, Erinnerungs­protokolle und Briefe dem Autor Michael Alexander Müller, der ihr Erlebtes zu einem Theater­text dramatisiert hat. Eine Bericht­erstatterin und ein Bericht­erstatter rekapitu­lieren das Geschehen für die Öffentlichkeit. Vergangenes wird
gegen­wärtig. Während beide Fälle juristisch verjährt sind, erwachen die Menschen und ihre Schick­sale hinter den Akten zu neuem Leben, geben Auskunft und fordern Aufklärung.
Das Theater unterm Dach Berlin und das monsun.theater Hamburg arbeiten sowohl analog als auch digital zusammen. Während das Publikum im Saal des Theaters unterm Dach der Aufführung beiwohnt, fordern wir eine begrenzte Anzahl an Zuschauer_innen per Zoom auf, simultan die Vorstellung an ihren Monitoren zu verfolgen und aktiv teilzu­nehmen. Auf der moderierten Online-Plattform werden die Zuschauer zu Inter­aktionen auf­gefordert, die zurück auf die Bühne wirken. Es entsteht eine Partizipation an der visuellen Gestaltung der analogen Bühnen­ästhetik. Das Digitale verbindet sich mit dem Analogen und macht das Theater grenzenlos.

Eine simultane ON-OFFline-Kopro­duktion zwischen dem Theater unterm Dach Berlin und dem monsun.theater Hamburg.