Käthe 35 – Biographie eines Hauses

Erzählkunst zu Gast im TuD

Termine: 16. Juni + 29. September 2019

Bildvergrößerung: Britta Wilmsmeier
Britta Wilmsmeier
Bild: Erzählkunst e.V.

„Sie klopfte an, ganz unvermittelt, ich hieß sie herzlich willkommen und war doch überrascht, dass sie auf einmal in MEIN Zuhause eindrang. Geschichte. Seit ihrem Besuch war nichts mehr wie vorher.“

Vor zwei Jahren stand Britta C. Wilmsmeier vor einem Bild des DDR-Fotografen Harf Zimmermann. Auf dem Foto aus dem Jahr 1986 war eine Frau mit einem dicken Hund zu sehen – auf „ihrem“ Balkon. Wer war diese Frau und wer hatte noch alles in ihrer Wohnung, in ihrem Haus gewohnt? Sie begann Stein für Stein ihres Hauses in der Käthe-Niederkirchner-Straße um­zu­drehen. So lernte sie zwei Juden kennen, die einst in ihrem Haus gelebt hatten und über­lebten, weil ihre Eltern sie 1939, als kleine Jungs, nach Frankreich schickten. Mutter und Groß­mutter wurden von den National­sozialisten ermordet, wie weitere 63 Bewohner ihres Hauses.
Keine Türklinke, kein Treppen­geländer konnte berührt, kein Blick durch ein Fenster getan werden, ohne dass sich ihr Geschichte und Geschichten aufdrängten. Sie wurde eingeholt von Fragmenten aus 100 Jahren Berliner Vergangen­heit, die nun zu Teilen ihres Lebens wurden. Die Geschichts­atome, die sie sonst aus gebührendem Abstand beobachtet hatte, klebten auf einmal an ihr. Es fiel ihr wie Schuppen von den Augen, dass es genauso war wie in der Geschichte Die drei Geschlechter des Rabbi Baal Shem Tov. In Vergessen­heit geraten die Fakten, was was bleibt sind die Geschichten. Aber wer erzählt hier wem seine Geschichte?
Britta C. Wilmsmeier begibt sich auf eine Reise zum steinernen Zeugen eines Jahrhunderts voller Geschichte und Geschichten. Ihr Erzähl­programm wird musikalisch kommentiert von dem Jazz­musiker, Komponisten und Haus­mit­bewohner Roman Ott.