Krieg im Kopf – Labor

Wissenschaftlich theatrale Werkstattreihe zur Trilogie von ff-enterprise.fiktion & forschung

Krieg im Kopf – Labor
Bild: Stephan Röhl

In einer mehrteiligen Reihe untersuchen die Regisseurinnen Ingrun Aran, Miriam Sachs und Wenke Hardt die psychischen, körperlichen und gesellschaftlichen Folgen von Kriegs­hand­lun­gen auf direkt Betroffene, deren Angehörige und Nachfahren.
In der Auseinandersetzung mit dem eigenen Probenprozess, mit Experten und Betroffenen und bei Bedarf auch mit dem Publikum entsteht eine collageartige Materialsammlung aus Interviews, Textuntersuchungen und Bearbeitung, Lesung und Lesart.

Gefördert vom Berliner Senat, Fachbereich Literatur, unterstützt vom Kleist Archiv Sembdner Heilbronn

Kinder-Soldaten - Söhne und Töchter

In der ersten Folge: Kinder-Soldaten – Söhne und Töchter geht es sowohl um Kinder, die offiziell in Kriege geschickt werden – wie der 15 jährige Heinrich von Kleist, als auch um den illegalen Einsatz von Kindersoldaten – nicht nur in Afrika, sondern weltweit. Und es geht um die Beziehungen zwischen den Generationen.
Was haben die Regisseurin Ingrun Aran und Telemachos, Sohn des Odysseus gemeinsam? In einem dokufiktionalen Interview gehen wir der Frage nach, wie die Kriege der Eltern das Leben der Kinder prägen. Kann man nachvollziehen, was man selbst nicht miterlebt hat?
Mit Gästen aus Literatur, Wissenschaft und Politik.

Schlachthof 5 - Ein Realitäts-Check

Die zweite Laborveranstaltung trägt den Titel: Schlachthof 5 von Kurt Vonnegut. Ein Realitäts-Check. In Vorbereitung auf die Proben zu Odyssee 2.0, dem 2. Teil der Krieg im Kopf-Triologie, wird die Textvorlage einer Prüfung auf Herz und Nieren unterzogen.
Die Schauspielerinnen Daniela Holtz und Claudia Wiedemer und die Regisseurin Wenke Hardt untersuchen zusammen mit einem Traumatherapeuten und einem Oberst der Bundeswehr die soldatischen Romanfiguren auf Wirklichkeitsnähe. Diagnosen werden gestellt, schauspielerische Umsetzungsmöglichkeiten ausprobiert. Fiktion trifft Forschung.

Schreiben um Kopf und Kragen

Die dritte Laborveranstaltung trägt den Titel: Schreiben um Kopf und Kragen
Worte bewegen. Sie helfen, das Unsagbare sagbar zu machen, werden als Mittel zur Trauma­be­wälti­gung und Heilung genutzt.
Kann Schreiben Überlebensstrategie sein?
Welche großen literarischen Werke wären ohne Trauma­tisierung durch den Krieg vielleicht nicht entstanden? Und kann ein Trauma unter Umständen auch positive Auswirkungen haben? Diese und weitere Fragen stellen wir einem erfahrenen Psychiater, Trauma­thera­peuten und Philosophen und einer Autorin und Korrespondentin aus Krisengebieten.
Leitung: Wenke Hardt (hardt attacks)

Amok

Amok – ein Phänomen des 20sten Jahrhunderts. Der Krieg eines Einzelnen!
Das große Medienereignis 1999 – 20. April Amoklauf an der Columbine High School in Littleton (Colorado). Gus Van Sant verarbeitet die Ereignisse in Elephant. Michael Moore, fragt in Bowling for Columbine – “Sind wir verrückt nach Waffen – oder sind wir nur verrückt”?
Keine Wahnsinnigen, keine “gefährlichen Individuen”, sondern scheinbar normale Jugend­liche tun etwas völlig Irr­sinniges. Daran zerbricht alle Vernunft. (Joseph Vogl)
Die Laborveranstaltung geht den Fragestellungen nach: Was haben wir damit zu tun? Steckt der Amokläufer in jedem von uns?
Philosophen, Autoren, Schauspieler und Regisseure diskutieren mit wissen­schaft­lichen und künstlerischen Mitteln.
Regie/Moderation: Ingrun Aran
Mit: Iljá Pletner, Klaus Birkefeld, Manfred Theisen
Textauszüge:
Manfred Theisen: Amok | Joseph Vogl: Epoche des Amok | Chris Kyle: Sniper | Morton Rhue: Give A Boy a Gun | Hinderk M. Emrich: Gewalt Warum? | Joachim Gaertner: Ich bin voller Hass und das liebe ich | u.a.

Unsterbliches Trauma

Ein Geräusch, ein Geruch, eine Berührung und es ist wieder da. Das Trauma! Es ist zeitlos.
Kriegstraumata sind erst seit kurzem Thema unserer Zeit. Vietnam hat uns zum 1. Mal dafür sensibilisiert. Bei den ehemaligen Soldaten des 2. Weltkriegs waren Kriegserlebnisse meist Tabu. “Vergiss alles, schau nach vorn.” So auch in der Folgegeneration.
Heute brechen sich die alten Ängste Bahn, stammt also die tief sitzende Verunsicherung der Kriegsenkel von den Eltern oder Großeltern? Wirkt es nach, ein Leben lang? Überdauert es die Generationen? Die Regisseurin, Ingrun Aran, glaubt, dass erlebte Traumata in das Leben der Nachgeborenen hineinwirken.
Regie/Moderation: Ingrun Aran
Mit: Adolfo Assor, Iljá Pletner
Traumatherapeuten, Soldaten und Kriegsveteranen diskutieren
Textauszüge:
Wolfgang Borchert: Draussen vor der Tür I Michaela Huber: Trauma und die Folgen I Sabine Bode: Kriegskinder, Kriegsenkel I Swetlana Alexijewitsch: Zinkjungen, Der Krieg hat kein weibliches Gesicht I u.a.

Krieg und Drogen

In dieser letzten Laborveranstaltung geht es diesmal um ein Thema, das sowohl die Kriege selbst prägt, Soldaten zu Kampfmaschinen aufputscht – als auch die Kriegs­folgen versucht einzudämmen. Ein lukrativer Kreislauf von Zerstörung und Schadens­begrenzung in Text, Gespräch und Dokufiktion.
Gäste u.a.:
Dr. Wolf Kemper (Universität Lüneburg)
Autor Hans-Christian Dany (“Speed, eine Gesellschaft auf Droge”, Edition Nautilus), sowie ein Überraschungsgast aus der griechischen Mythologie, der von der Medikament-Ab­hängig­keiten der Troja­veteranen zu berichten weiß. Ob Alkohol, Opium, Heroin und Mariuhana – Kein Krieg ohne Drogen.