Mariakron: Penthesilea

von Kleist

Bildvergrößerung: Penthesilea, Fotomontage
Bild: Mariakron

Regie: Cornelius Schwalm
Mit: Helge Bechert, Sabine Langendorf, Andres Nickl, Katja Uffelmann, Verena Unbehaun
Dramaturgie: Sophie Nikolitsch
Kostüm: Cathleen Kaschperk
Bühne: Rebecca Schley

Premiere: 2. Dezember 2011

„Ohne ein Element von Grausamkeit ist Theater nicht möglich.“ (Artaud)

„Alles liegt darin: der ganze Schmutz und Glanz meiner Seele“ (Kleist)

Heinrich von Kleists Penthesilea ist dieses Alles: ein zunächst vollkommen fremd erschei­nender Textkonvolut, ein rauschhafter Trip, ein deutsches Sittenbild und Projektions­fläche bürgerlicher Sehnsüchte.
Die Gruppe Mariakron um Regisseur Cornelius Schwalm bringt die Penthesilea als meta­phorische Abbildung einer gutbürgerlichen Lebenswelt auf die Bühne. Denn die vor 200 Jahren darin gestellten Fragen nach der Ambivalenz von Liebe/Hass, Ratio/Trieb, Selbst­bestim­mung/­Fremd­bestimmung sind dieselben, mit denen wir moderne, aufgeklärte Menschen konfrontiert werden.
Mariakrons Penthesilea entsteht aus einem begrenzten Raum, einem stilisierten Wohn­zimmer und macht den Zuschauer zum unfreiwilligen Voyeur eigener und fremder Abgründe. Gutbürgerliche, kontrollierte Menschen, vereinzelt lebend, sich nach Liebe, Leben, einem Abenteuer sehnend, kommen zusammen, um gemeinsam Penthesilea zu lesen. Sie geraten vom Lesen ins Spielen, vom Diskurs in die Diskussion. Und da, der Schutz des scheinbaren Spiels macht es möglich: durch die kultivierte Zurückhaltung bricht der Instinkt, die Spiel­fläche wird zur Schlachtfläche: Die Helme beginnen zu glänzen und das Hündchen zu jaulen; das insgeheim ersehnte Gemetzel, das hier schlichter Ausdruck lang sublimierter Lust ist, nimmt seinen Anfang: „Verflucht das Herz, das sich nicht mäßgen kann.“