Inhaltsspalte

hardt attacks werkstatt: Glaube Liebe Hoffnung – die zerstörerische Macht der kleinen Paragraphen

nach Ödön von Horváth

unter Mitarbeit von J. Kristl

Regie: Wenke Hardt
Spiel: Sabine Gehre, Claudia Wiedemer, Patrick Khatami, Jan Uplegger
Ausstattung: Alexander Schulz, Thomas Altkrüger

Premiere: 28. Oktober 2010

Auf dem Höhepunkt der ersten Weltwirtschaftskrise 1932 traf Ödön von Horváth einen Freund, der als Gerichtsberichterstatter arbeitete. Er erzählte Horváth von dem authentischen Fall einer mittellosen Korsettvertreterin, die wegen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war und fragte Horvath, warum sich Dramatiker immer nur für Kapitalverbrechen interessierten, aber kaum jemals für die kleinen Vergehen. Horvath schrieb daraufhin „Glaube Liebe Hoffnung“.
Heute, fast 80 Jahre später wirft die globale Wirtschaftskrise erneut die Frage nach dem »gigantischen Kampf zwischen Individuum und Gesellschaft« auf. Die mittellose Korsett­ver­treterin von damals bangt heute um ihre schlecht bezahlte Stelle, wo ihr fehlende 1,20 Euro in der Super­markt­kasse zum Verhängnis werden. Später sitzt sie im Vorzimmer einer Arbeits­agentur und wartet ängstlich auf ihre Hartz IV Bezüge. Die Ohn­macht der Angst um das kleine Aus­kommen ist damals wie heute dasselbe. Dieses Vorzimmer der Arbeits­agentur ist der Ausgangs­punkt des Abends. Aus Angst wird Sprache, Wut, Revolte, Scheitern, Hoffnung. Aus Angst wird Lust und Kreativität und neuer Glaube. Aus Angst wird Güte, Demut und Liebe. Weil es keinen anderen Weg gibt. Aus Angst wird Glaube Liebe Hoffnung.