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Riggs-Ensemble: Das Fieber

von Wallace Shawn

Regie: Rosee Riggs
Spiel: Tobias Voigt

Berlin-Premiere: 07.02.2008

„Warum glaubst du, dass sie dich alle lieben? Und was, glaubst du, sollen sie denn an dir lieben? Was bist du? Du hast keinen Charme, nichts Reiz­volles, nichts Konzilian­tes an dir. Du bist einfach ein rück­sichts­loser, un­erträg­licher Fanatiker. Jawohl, der Partisan, der jede Nacht durch den Schlamm robbt, hat viel, viel weniger von einem Fanatiker als du. Sieh dich doch mal an. Sieh hin. Jeden Morgen wandelst du so steif in deine Küche, du gehst zu deinem Schrank. Du machst ihn auf und greifst nach dem Kaffee, dem Kaffee, von dem du erwartest, dass er sich auf dem Regal befindet. Und er hat da zu sein. Und wenn er eines morgens nicht da ist – oh, diese Hysterie! – die ganze Welt wird dafür bezahlen müssen! Beim bloßen Gedanken an das Un­vor­her­gesehene, die un­vor­her­gesehene Ent­behrung, fängst du an zu zucken, durch­zu­drehen, nach Luft zu schnappen.“

Irgendwo wird ein Gefangener hin­gerichtet. Ein Mann aus einem reichen Land reist in ein armes Land. Nachts, auf dem Kachel­boden im Bade­zimmer seines Hotels, denkt er über sein Leben nach und über die Diskrepanz zwischen seinem Wissen und seinem Handeln. In dieser Nacht erkennt er, was ihn mit dem zum Tode Ver­ur­teil­ten ver­bindet, was Kommu­nisten und Sozial­demo­kraten ver­bindet, Intellek­tuelle und marxisti­sche Revolu­tionäre, Touristen und Bettler. Er sieht seine Welt: gute Wohn­viertel, liebe­volle Familien, Parties, Vergnügen, Kunst, Demo­kratie. Und er sieht die andere Welt: schlechte Viertel, gefähr­liche Menschen, Armut, Gewalt, Folter und Unter­drückung.

Das Fieber ist die erste Produk­tion des »Riggs Ensembles«, einer freien Produktions­platt­form unter Leitung von Rosee Riggs. Das »Riggs Ensemble« erarbeitet seine Insze­nierun­gen in Zusammen­arbeit mit anderen Partner­theatern, in diesem Fall dem Schau­spiel­haus Wien, wo »Das Fieber« im April 2007 bereits mit großem Erfolg gezeigt wurde.