IN DEN RAUM ZEICHNEN

umreißen, verdichten, spuren

Eine dreiteilige Ausstellungsreihe mit 30 Künstlern

„Etwas Großmächtiges und schwer zu Fassendes scheint der Raum zu sein.“
(Aristoteles, Physik, IV. Buch)

Bildvergrößerung: Titelbild: In den Raum zeichnen
Titelbild: In den Raum zeichnen Bild: Claudia Busching und Pomona Zipser

Drei aneinander anschließende Ausstellungen in drei Berliner Galerien über die Linie als konstituierende Struktur und Instrument zur Erschließung von Volumen und Raum.
Den Fokus ausschließlich auf Werke lenkend, die zwischen zeichnerischem Denken und skulpturaler Setzung im Raum agieren. Ein Projekt über Skulptur in Berlin.

umreißen
Galerie Parterre Berlin
26.04.–18.06.2017 | Eröffnung: Di., 25.04.2017, 19.00 Uhr

verdichten
Galerie Nord | Kunstverein Tiergarten
20.05.–24.06.2017 | Eröffnung: Fr., 19.05.2017, 19.00 Uhr | Di.-Sa., 13.00 – 19.00 Uhr
Turmstraße 75, 10551 Berlin, Tel. (030) 9018-33453

spuren
Haus am Kleistpark
16.06.–13.08.2017 | Eröffnung: Do., 15.06.2017, 19.30 Uhr | Di.-So. 11.00 – 18.00 Uhr
Grunewaldstraße 6, 10823 Berlin, Tel. (030) 9027-76964

Lineare Skulptur zeichnet in den Raum, direkt und körperlich: Damit erweitert sie die Fläche, den klassischen Raum der Zeichnung, um eine dritte Dimension. Lineare Skulptur vollzieht eine extreme Reduktion von Volumen, eine Eroberung und Einschließung von leerem Raum.

Die Ausstellungsreihe IN DEN RAUM ZEICHNEN, kuratiert von der Malerin Claudia Busching und der Bildhauerin Pomona Zipser, untersucht künstlerische Formen der Aneignung von Raum sowie der Produktion dreidimensionaler Objektwelten. Anhand der vorgeschlagenen Lesarten linearer Skulptur – umreißen, verdichten, spuren – leistet sie einen Beitrag zum aktuellen Kunstdiskurs über die Linie.

Die Ausstellungsbesucher sind eingeladen, sich durch die räumlichen Kompositionen zu bewegen, die sich in erster Linie intuitiv erschließen. Skulptur, Installation und Video, kleine oder raumfüllende, zeitgenössische und historische Positionen bekannter und weniger bekannter Künstler/innen setzen den Raum unter Spannung. Interaktionen und ungewohnte Nachbarschaften der ausgestellten Werke bringen verborgene inhaltliche Korrespondenzen zum Vorschein.

umreißen

Unter dem Titel umreißen geht die erste Ausstellung der Aktualität und Fortsetzung der avantgardistischen Skulptur der 1920er Jahre nach. In der Galerie Parterre Berlin werden dafür historische Positionen von Norbert Kricke und Naum Gabo in den Kontext zeitgenössischer Werke gestellt: der Schwarzlichtinstallation von Jeongmoon Choi, den Skulpturen von Monika Brandmeier, Christoph M. Gais und einer Videoarbeit von Betina Kuntzsch.

verdichten

In der Galerie Nord I Kunstverein Tiergarten verdichten sich vor den Augen der Betrachter: Installationen von Harriet Groß, Angela Lubic, Matschinsky-Denninghoff, Andreas Schmid, Matthäus Thoma und Pomona Zipser neben einem Video von Betina Kuntzsch und Arbeiten von Gisela von Bruchhausen, Susanne Specht und Diana Sirianni.

spuren

spuren Der Titel der dritten Ausstellung im Haus am Kleistpark meint Spuren legen. Zu sehen sind eine Raumzeichnung von Asako Tokitsu, die sich über drei Räume erstreckt, eine Installation über zwei Stockwerke im Treppenhaus von Johannes Pfeiffer, ein Video von Bignia Wehrli, eine raumbezogene Lichtarbeit von Kerstin Ergenzinger, Arbeiten von Olaf Bastigkeit, Hartmut Böhm, Ka Bomhardt, Claudia Busching, Carola Dinges, Renate Hampke, Axel Lieber, Matschinsky-Denninghoff, Ev Pommer, Ursula Sax und Beate Terfloth.

IN DEN RAUM ZEICHNEN
Idee und Konzept: Claudia Busching und Pomona Zipser

Im Rahmen der Ausstellungen finden Vorträge von Eugen Blume, Stefanie Endlich, Angela Lammert und Andreas Schalhorn statt, Führungen für Besucher und Workshops für Schul­klassen.

Pressekontakt und Bildmaterial: Bluhm PR – Sylke Bluhm, Tel.: (030) 2021-5766, Fax: (030) 2021-5764, info@bluhmpr.de

Das Projekt IN DEN RAUM ZEICHNEN wird gefördert von der Stiftung Kulturwerk der VG Bild-Kunst und von der WILLMS NEUHAUS STIFTUNG – Zufall und Gestaltung.

Veranstaltungen

Linie als choreographische Bewegungsspur

Anthony MacCall Line Describing a Cone, 1973, Filmstill
Anthony MacCall Line Describing a Cone, 1973, Filmstill Bild: Anthony McCall

Donnerstag, 08.06.2017, 19.00 Uhr | Eintritt 3,- / 1,- €

Vortrag mit PD Dr. Angela Lammert

Die Linie folgt nicht nur einer Bewegung – angefangen vom Duktus der zeichnenden oder schreibenden Hand bis hin zu Aufzeichnungsformen von Tanz, Performance und Musik – sondern sie ist Bewegung. Sie kann in der Fläche wie im Raum – umreißen – verdichten – und Spur sein. Choreographische Bewegungsspuren sind zu finden u. a. als »Tanz auf dem Papier« (Henri Matisse), Überschneidung von Notation, Klang und Architektur (Iannis Xenakis), Sonakinatographie (Channa Horwitz), »Zeichnung in der Luft« (Trisha Brown), aber auch als Filmprojektion von Linien im Raum (Anthony McCall) oder temporäre Spur im Sand (Ana Teresa Keersmaeker). Kann die Linie als präziseste Form der Bewegung und damit als Notation verstanden werden? In Ihrem Vortrag wird Angela Lammert anhand von Film- und Bildbeispielen dieser Frage nachgehen.

Angela Lammert ist seit 2008 Leiterin interdisziplinärer Sonderprojekte der Sektion Bildende Kunst an der Akademie der Bildenden Künste, Berlin und seit 2013 Privatdozentin am Institut für Kunst- und Bildgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie realisierte zahlreiche Ausstellungen und Publikationen zur Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts, zuletzt erschienen: Bildung und Bildlichkeit von Notation. Von der frühen Wissenschaftsfotografie zu den Künsten des 20. Jahrhunderts (München 2016), Elemental Gestures. Terry Fox. Hrsg. gemeinsam mit Arnold Dreyblatt (Dortmund 2016), Film als Skulptur? Hrsg. (Dortmund 2016), Grenzenlos Kunst? Hrsg. gemeinsam mit Robert Kudielka. (Dortmund 2016).

Die lineare Skulptur, der Raum, das Nichts – und der Zufall?

Bildvergrößerung: Jeongmoon choi Drawing in Space – Unterbruch, Installation
Jeongmoon choi Drawing in Space – Unterbruch, Installation Bild: Jeongmoon choi | Foto: Dave Großmann

Sonnabend, 17.06.2017, 11.00-14.00 Uhr | Eintritt 3,- / 1,- €

Vortrag mit Dr. Fritz Jacobi in Zusammenarbeit mit der WILLMS NEUHAUS STIFTUNG – Zufall und Gestaltung

Die lineare Skulptur lässt sich als die „Artistin“ unter den plastischen Künsten bezeichnen. Sie entledigt sich weit­gehend der körperlichen Gewichtung und bezieht sich ganz auf den freien Raum, der optisch eigentlich nicht fassbar erscheint. Dennoch wird er durch die Material­segmente ins potentiell Fühlbare gehoben. Angesiedelt zwischen tech­no­ider Konstruktion und organischer Verzweigung, führen diese Struktur­gefüge zu einer Art Verschwisterung von tastbarer Stoff­lichkeit und sphärischer Substanz. Am Beginn dieser Entwicklung stehen so klassische Werke wie der Dreiklang (1919/1924) von Rudolf Belling, der seinerzeit bekannte: „Für mich ist Plastik zunächst Raumbegriff. […] Darum verarbeite ich die Luft ebenso wie festes Material und erreiche, daß der Durchbruch, früher ‚tote Form‘ genannt, denselben Formwert darstellt, wie seine Eingrenzung, das bearbeitete Material.“
Der Vortrag behandelt sowohl die Spezifik dieser Kunstform als auch die Frage, wo bei ihr über­raschend der Zufall eine wichtige Rolle spielt.

Fritz Jacobi, Kunsthistoriker, arbeitete seit 1970 an der Nationalgalerie (Ost), verantwortlich für die Skulptur nach 1945. 1972 Mit­be­gründer der „Studio-Reihe“ der Nationalgalerie. Ausstellungen u. a.: Fritz Cremer (1976), Werner Stötzer (1977), Gustav Seitz (1986) und Konturen. Werke seit 1949 geborener Künst­ler der DDR (1989). Danach bis 2009 Kustos der Neuen Nationalgalerie mit den Arbeits­bereichen: Skulptur des 20. Jahrhunderts, Kunst in der DDR und die Schenkung Otto van de Loo. Ausstellungen u.a.: Sabine Grzimek (1992), Figur und Gegenstand. Kunst in der DDR (1995), Geometrie als Gestalt–Strukturen der modernen Kunst. Von Albers bis Paik. (1999), National­galerie Berlin. Kunst in der DDR. Katalog der Gemälde und Skulpturen (Hrsg., 2003), Weltsprache Abstraktion. Gestalt-Magie-Zeichen (2006) und Dani Karavan–Retrospektive (2008).

Downloads

Karte: Die lineare Skulptur, der Raum, das Nichts – und der Zufall?

Vortrag mit Dr. Fritz Jacobi in Zusammenarbeit mit der WILLMS NEUHAUS STIFTUNG – Zufall und Gestaltung

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Karte: Linie als choreographische Bewegungsspur

Vortrag mit PD Dr. Angela Lammert

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Veranstaltungen: IN DEN RAUM ZEICHNEN

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Einladung: IN DEN RAUM ZEICHNEN

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Presseinformation: IN DEN RAUM ZEICHNEN

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Publikation

Zur Ausstellungsreihe erscheint ein Katalog mit Texten von Stefanie Endlich, Angela Lammert und Robert Kudielka.

Katalogpräsentation: Mittwoch, 12.07.2017, 19.00 Uhr im Haus am Kleistpark.