Adonis »Vom Wort zum Bild«

Ausstellung vom 22.01. bis 22.03.2020 (verlängert bis 07.06.2020)

Mit der Ausstellung Adonis. Vom Wort zum Bild wird erstmals in Berlin das bild­künst­lerische Werk des renom­mier­ten arabisch­sprachigen Lyrikers und Schrift­stellers Adonis (Ali Ahmad Said Esber) gezeigt.

Bildvergrößerung: Adonis: “o.T.”, 2005, mixed media
Adonis: “o.T.”, 2005, mixed media
Bild: Adonis (Ali Ahmad Said Esber)

Adonis’ Texte, in denen er lyrische Traditionen seiner Heimat mit einer ‚Poetik der Moderne’ verknüpft und fort­schreibt, wurden vielfach übersetzt und ausgezeichnet. Neben seinem lyrischen und essayistischen Schaffen vollzog Adonis den Schritt ‚vom Wort zum Bild’, wobei er dabei den literarischen Text nicht aufgibt, sondern dessen inhaltliche und formale Dimen­sionen vervielfacht. In diesen hand­schrift­lichen Blättern verarbeitet er neben eigenen auch Texte klassi­scher arabischer Dichter, die sich durch eine radikale Offen­heit und eine kritische Haltung der Religion gegenüber auszeichnen. Durch die Verbild­lichung und Versinn­bild­lichung der Schrift­sprache knüpft Adonis an die traditio­nelle bildende Kunst der arabi­schen Kultur, die Kalligrafie, an und legt in der Geste der künstlerisch geschriebenen Zeichen zugleich deren dynamischen und bildhaften Charakter offen. Semantische (wenn auch sie den Betrachter_innen, die nicht des Arabischen mächtig sind, als Geheimnisvolles verborgen bleiben) und ikonische Aspekte nähren und bereichern sich gegenseitig. Jedoch geht Adonis noch einen Schritt weiter, in dem er das Text-Bild durch zeichnerische, farbige Elemente ergänzt oder es in Assem­blagen und Collagen integriert, womit er gleich­sam eine Hommage an künst­lerische Ausdrucks­formen der europäi­schen Moderne – wie etwa der Kubismus eines George Braque oder Pablo Picasso oder die visu­ellen Arbeiten der Dada­isten – formuliert.

Mit etwa 50 Werken aus verschiedenen Schaffens­phasen gibt die Ausstellung einen umfang­reichen Einblick in das bildnerische Œuvre von Adonis und würdigt damit einen Künstler, der mit einer Epochen, Disziplinen und Kulturen verbindenden Poetik ein Bekenntnis zur kul­tu­rellen, künst­lerischen und gesell­schaft­lichen Vielfalt und Entfaltung formuliert. Deutlich wird dies auch an Kooperations­projekten mit anderen Künstlern wie beispiels­weise dem in Berlin lebenden, in Jerusalem geborenen Maler Kamal Boullata oder an den langen Papier­bahnen mit den präislamischen Gedichten Muallaqat (Die Hängenden Gedichte) aus dem 6. Jahr­hundert.

Ali Ahmad Said Esber (Künstlername Adonis) wurde 1930 in Kassabin, Syrien geboren. Von 1950 bis 1954 studierte er an der philoso­phischen Fakultät der Universität Damaskus und zog 1956 in den Libanon, wo er 1957 zusammen mit Yusuf al-Khal und anderen Schrift­stel­lern die avant­gar­dis­tische Literatur­zeitschrift Schi’r („Poesie“) herausgab. 1960 nahm er die libane­sische Staats­bürger­schaft an und gründete 1963 die eigene Zeitschrift Afak (Hori­zonte). 1973 promovierte er an der Université Saint-Joseph in Beirut. In den folgenden Jahren lehrte er trotz des beginnenden Libanesischen Bürger­kriegs sowohl an der Université Saint-Joseph als auch an der staatlichen Université Libanaise in Beirut. 1980 war er Gast­professor an der Universität Censier Paris III. 1984 hielt Adonis vier Vor­lesungen am Collège de France zur „Einführung in die arabische Poetik“. Seit 1985 lebt er dauerhaft in Paris. Von 1990 bis 1995 hatte er eine Gastdozentur an der Universität Genf inne. 1991 erhielt er den Preis für Poesie Jean Malrieu Étranger und 1994 den Prix de la Méditerranée und den Nazam Hikmet-Preis. Von 1996 bis 1997 war er Gast­dozent an der Princeton University. In den akademischen Jahren 1998/1999 und 2001/2002 war Adonis Fellow am Wissen­schafts­kolleg zu Berlin – in dieser Zeit arbeitete er an dem Gedicht­zyklus Al Kitab (das Buch).

Die Ausstellung wurde von Annette Tietz und Dorothea Schöne kuratiert.

Mit freundlicher Unterstützung durch die Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate.

Eröffnung

Dienstag, 21.01.2020, 19.00 Uhr

Es sprachen:
Annette Tietz, Galerieleiterin
Volker Braun, Schriftsteller, Berlin
Hubertus von Amelunxen, Kunsthistoriker, Berlin

Der Künstler war anwesend.

Veranstaltung

Maria Hartmann liest aus Texten von Adonis

Donnerstag, 27.02.2020, 19:00 Uhr

Maria Hartmann wurde 1958 in Hamburg geboren und erhielt ihre Schau­spiel­ausbildung bei Boy Gobert und Peter Striebeck. Anfang der 1980er Jahre wurde Maria Hartmann mit dem O.E. Hasse-Preis ausgezeichnet. Neben umfangreicher Tätigkeit in TV, Kino, Theater und Rundfunk, gilt ihre Passion insbesondere literarischen Lesungen. Maria Hartmann lebt in Berlin und Hamburg.
Maria Hartmann las an diesem Abend aus Texten von Adonis.

Weitere Infos: www.mariahartmann.com/