Via Lewandowsky: „Einfache Lösungen“

Ausstellung vom 28.05. bis 13.07.2014

Via Lewandowsky stellt in seiner Ausstellung folgende Fragen: Gibt es in der Kunst ein­fache Lösungen? Kann man komplexe Sachverhalte mit reduzierten Mitteln ins Bild setzen? Lassen sich Prinzipien, die man zum Beispiel vom Piktogramm, Emblem oder dem so­ge­nann­ten Schlüssel­bild kennt, auf ein Kunstwerk übertragen? Die Kunstgeschichte kennt sie als Objet trouvé oder als ikonographisch gewandelte Meister­werke. Lassen sich nach Ein­deutig­keit suchende Themen in ein Kunstwerk überführen, das von Natur aus einem offenen Bedeu­tungs­zusammen­hang verpflichtet ist?
Von der Vorstellung eines allgemeinen Wissens ausgehend führt Lewandowsky vor, wie sich die Komplexität der Sachverhalte durch eine einfache künstlerische Lösung zeigt. Die Prin­zi­pien dahinter sind direkte, unmittel­bare und ver­gleich­bare Ansätze, die freilich nicht ohne Widersprüche, Abgründe und Absurditäten auskommen. Das Simple, sowohl im kon­zep­tu­ellen Ansatz als auch in der Form, vermittelt Klarheit und Lesbarkeit. Gleichzeitig offenbart die Über­setzung in eine künst­lerische Form die ästhetische und philoso­phische Konstruktion einer vereinbarten künst­lichen Realität. Am Ende stehen Arbeiten, die sich als Solitär einer seriellen und repetitiven Aussage verwehren, sie dafür als Bild- und Ideen­entwurf die Lösung eines Problems auf einen Punkt bringen. Dabei führen zuweilen einfache Eingriffe in schein­bar belanglose und wenig ergiebige Vorlagen zu großen Verände­rungen mit weit­reichen­den inhalt­lichen Konsequenzen.
Eine ironische Spur zu suprema­tistischer Skulptur hat Lewandowsky mit seiner Arbeit Con­te­nance geschaffen. Contenance ist eine geometrische Skulptur, die sich gewisser­maßen von ihrer Form befreien will, dabei aber immer an ihre Grenzen stößt und gewisser­maßen an sich selbst scheitert. Dennoch: sobald das Aluminium­rohr bestehende Quadrat anfängt, sich an seinen Gelenken zu bewegen, sehen wir die vielfältigen Entfaltungs-Möglichkeiten, die der Skulptur inne liegen. Interessanter­weise erinnert das strenge Quadrat, das als die Urform der Moderne und insbesondere der konkreten Kunst gilt, sobald es in den Gelenken in Bewe­gung tritt auch an eine lebendige Choreographie. Die menschelnde Gestik der silbernen Rohre wird zur Kompositions­vorlage mit unendlicher Vielfalt.
Die Zahl 42 ist leicht lesbar und gehört zu jenen Zahlen, deren Besonderheit nicht auf den er­sten Blick ins Auge sticht. Am ehesten kann man noch die allgegenwärtigen 24 Stunden in ihr erkennen. Sie zu einem künst­lerischen Objekt zu machen, wie es Via Lewandowsky mit der Arbeit Fazit tut, bedarf es guter Gründe. Einen Namen hat sich die Zahl vor allem als kür­zes­tes Zitat der Film­geschichte aus dem Film „Per Anhalter durch die Galaxies“ von Douglas Adams gemacht. Dort ist sie die Antwort eines Computers nach 7,5 Millionen Jahren Rechen­zeit auf die Frage nach dem Sinn des Universum und des Lebens. Entsprechend ihrer Be­deu­tung als „ultimative Antwort“ ist die Zahl wie ein übergroßer Edelstein mit den typischen po­lier­ten Fasenkanten und verspiegeltem Hintergrund, in deren Innern es funkelt. Numerische Abstraktion und Anmut wird so zu existentieller Symbolik umgedeutet.
Die 80-Kanal-Soundinstallation Anstimmen inszeniert den aufgezeichneten Kammerton „a“ als Gesangs- und Instrumentalton von über 80 Schülern des Musikgymnasiums Latina August Hermann Francke in Halle. Durch die Einstimmung auf einen gemeinsamen Ton ist ein Zusammen­spiel überhaupt möglich. Der einmal angegebene Ton von einem Musizierenden an die anderen weiter­gegeben und von ihnen imitiert will die klangliche Einheit des indi­vi­du­ellen Ausdrucks aller Beteiligten. Es entsteht ein Klangbild, das es nur so jenseits der Mög­lich­keiten des Einzelnen gibt.
In der Ausstellung von Via Lewandowsky wird schnell klar, dass eine einfache Lösung recht komplexe Anforderungen mit sich bringen, die so auch zu einer Herausforderung für den Be­sucher werden können.

Eröffnung

  • Dienstag
    27.05.2014
    19.00 Uhr

    Begrüßung: Annette Tietz (Galerieleiterin)
    Einführung: Mark Gisbourne

Veranstaltung

  • Donnerstag
    03.07.2014
    20.00 Uhr

    Via Lewandowsky im Gespräch mit Katja Blomberg