Eine Linie ist eine Linie ist eine Linie ist eine Linie

Zeichnerische Positionen Berliner Künstlerinnen

Ausstellung vom 23.07. bis 21.09.2014

Künstlerinnen:
Sheila Barcik, Irina Baschlakow, Anke Becker, Laura Bruce, Claudia Busching, Veronike Hinsberg, Kerstin Grimm, Hanna Hennenkemper, Sabine Herrmann, Nanne Meyer, Bettina Munk, Juliane Laitzsch, Pia Linz, Inken Reinert, Chiyoko Szlavnics

Von jeher zählt das Zeichnen als Ritual, als Versuch des Erkundens der Welt und dessen Visualisierung zu unserer Kulturgeschichte. Spätestens mit der Verwissenschaftlichung unserer Gesellschaften wurde die Zeichnung in den Dienst der Erkenntnis gestellt. Möglicherweise hat sich diese Funktion der Zeichnung – wie die jedes anderen Mediums auch – in dem Sinne erschöpft, dass Weltbeschreibung, so präzise auch realisiert, nicht zwangsläufig Weltbeherrschung bedeuten kann. Doch bei der Frage, wie die Welt auch sein kann, bewahrt die Zeichnung ihre Brisanz, um bei der Frage, wie die Welt sein könnte, ihr unabgegoltenes utopisches Moment freizusetzen. So behauptet die Zeichnung ihr in alle Richtungen offenes Existenzrecht gerade in jenen Situationen, in denen die fest verfassten Strukturen unseres rationalen Denkens und konventionellen Sprechens an Grenzen geraten.
Die Zeichnung ist Spur einer Verwandlung innerer und äußerer Welten in sinnlich wie mental multivalent Erfahrenes und Erfahrbares. Mit jeder – aus der Hand eines Kindes oder der Hand aller, die sich das Staunen bewahren – entstehenden Linie beginnt dieses Fragen und Sagen, Zweifeln und Hoffen von neuem. Jenseits wie diesseits der Technisierung unserer Kommu­ni­ka­tions­mittel wusste sich die Zeichnung zu behaupten und – gerade im künst­lerischen Kon­text – neue Wege, Pfade, Linien zu bewandern.
Davon geben in der Ausstellung »Eine Linie ist eine Linie ist eine Linie ist eine Linie« 15 Berliner Künstlerinnen Zeugnis, in deren Werk die Zeichnung einen eigenständigen Schwer­punkt bil­det und deren künstlerische Praxis von narrativen Strukturen über abstraktes Formen­voka­bu­lar bis hin zur Zeichnung im Raum, im Film oder als Notation reicht. Dass es sich aus­schließ­lich um zeich­ne­ri­sche Positionen von Künstlerinnen handelt, soll nicht das Monopol der Zeichnung auf Weiblich­keit als Fragilität (Alan Badiou) behaupten. Bergen nicht gerade das unleugbar Fragile und das Ephemere eine ungeheure Kraft in sich? Diese ars dialectica realisiert sich in der spannungs­vollen Bewegung der Linie, die in jeder Zeichnung mit neuer Stimme zu uns spricht, so, wie es Richard Serra einst formulierte: „Drawing is another kind of language.“

Begleitprogramm während der Art Week Berlin

  • Sonntag
    14.09.2014
    17.00 Uhr

    Kollaborateurinnen. Künstlerische Praxis zwischen Salon, internationalem Netzwerk und Gemeinschaftszeichnung.
    Gespräch mit Anke Becker, Veronike Hinsberg und Inken Reinert, moderiert von Birgit Effinger (Goldrausch / Künstlerinnenprojekt)

  • Donnerstag
    18.09.2014
    19.00 Uhr

    Songlines. Akustischer Vortrag und Performance
    mit Ursula Block (Gelbe Musik / Archiv Broken Music, Berlin) und Ute Wassermann (Vokalkünstlerin, Berlin)

  • Samstag
    20.09.2014
    19.00 Uhr

    Entgrenzung. Von der Zeichnung zum Zeich(n)en im Raum.
    Vortrag und Präsentation eines Ausstellungsprojektes
    von Dr. Antonia Napp (freie Kunsthistorikerin und Kuratorin, Lübeck)

Publikation

Katalog zur Ausstellung: Sheila Barcik, Irina Baschlakow, Anke Becker, Laura Bruce, Claudia Busching, Veronike Hinsberg, Kerstin Grimm, Hanna Hennenkemper, Sabine Herrmann, Nanne Meyer, Bettina Munk, Juliane Laitzsch, Pia Linz, Inken Reinert, Chiyoko Szlavnics »Eine Linie ist eine Linie ist eine Linie ist eine Linie« – Zeichnung
Text: Anke Paula Böttcher, Annette Tietz, Nanne Meyer; Galerie Pankow (Hrsg.); Preis: 10,- €