Barbara Metselaar Berthold – Die Summe der Teile

Fotografie und Film

Ausstellung vom 01.10. bis 16.11.2014

Die Ausstellung war Teil des 6. Europäischen Monats der Fotografie

Die Fotografin Barbara Metselaar Berthold sammelt seit fast 40 Jahren Bilder, die wie ein imaginäres Museum ihr Leben, insbesondere im Kontext historischer Umbrüche, begleitet haben. Aufgewachsen in der tristen sozialistischen Diktatur Ostdeutschlands, gehören zu ihren prägenden Einflüssen die 1968er Bewegung und der nachfolgende Wechsel in den Westen, der Zusammenbruch der Mauer und die neue Einheit Deutschlands mit ihrer kommerzialisierten Welt. Ausgehend davon und angesichts der Globalisierung mit ihren Möglichkeiten und zugleich Schrecknissen, sowie der digitalisierten Kontrolle aller Lebens­bereiche stellt sie die Frage danach, was aus den Idealen ihrer Generation geworden ist. Welche sind übrig geblieben, welche Utopien gibt es heute?
Aufgrund ihrer Unübersichtlichkeit und Widersprüchlichkeit bezweifelt sie immer mehr die Aussagekraft von Einzelbildern und versucht seit Längerem, Bezüge herzustellen, um wenigstens einige spürbare Zusammenhänge und ihre persönlichen Konsequenzen ins Bewusstsein zu rücken. Diese können nachvollzogen, hinterfragt oder neu definiert werden und lassen auch mehrere Deutungen zu.

Barbara Metselaar-Berthold

zur Bildergalerie

aus der Serie/from the series: STRANGE NEIGHBOURS, work in progress 2010-2014 (color)

Veranstaltungen zur Ausstellung

  • Donnerstag
    23.10.2014
    19.00 Uhr

    Anläßlich 65 Jahre DDR und 25 Jahre Mauerfall
    KUNST UND MACHT – Lutz Dammbeck: “Zeit der Götter” und “Dürers Erben”
    Der aus Leipzig stammende Künstler Lutz Dammbeck setzt sich am Beispiel von Arno Breker, dem Hofbildhauer von Adolf Hitler, und den Leipziger Malern Bernhard Heisig, Werner Tübke und Heinrich Witz, die von Alfred Kurella ausersehen waren, den Sozialistischen Realismus zu entwickeln, mit dem Thema Kunst und Macht, Verführung und Resistenz auseinander.

  • Donnerstag
    30.10.2014
    19.00 Uhr

    Filmpräsentation: FROZEN MARGARITA
    Buch, Regie, Kamera, Schnitt, Produktion: Barbara Metselaar Berthold – 1998/99 – Video 45 Minuten (Teilnahme beim Internat. Dokumentarfilmfestival Leipzig und beim International Documentary Filmfestival Amsterdam)

  • Donnerstag
    13.11.2014
    19.00 Uhr

    Expressionismus und Stummfilm: DAS CABINET DES DR. CALIGARI (Robert Wiene 1920)
    Eine der Schaubuden auf der Kirmes ist das Cabinet des Dr. Caligari. Er kon­fron­tiert das Publikum mit einem Medium, Cesare, der die Zukunft vor­her­sagt. Caligari mordet. Enttarnt flieht der Schausteller ins Irrenhaus und macht sich dort zum Direktor, wird überwältigt und in eine Zwangsjacke gesteckt. Der Film kann als Anklage der damaligen Autoritäten, die Millionen Menschen in den Tod geschickt haben, gesehen werden. Die Kulissen wurden von drei Künstlern aus dem Umfeld des Expressionismus gemalt: Walter Reimann, Hermann Warm und Walter Röhrig. Sie gehörten zur Gruppe „Der Sturm“. Die expressionistischen Filmkulissen zeigen eine bewusst realitätsferne Land­schaft von Dächern und Stuben. Ihre be­klem­men­de Wirkung ist ein Spiegel des nervösen Seelenlebens der Zeit. Werner Krauß in der Rolle des Caligari, Conrad Veidt als Cesare.
    „Von Morgens bis Mitternacht“ (1922, nach dem Stück von Georg Kaiser) zeigt einen Bankangestellten, der seine Bank bestiehlt und sich und seine Familie in den Abgrund zieht.
    Die gemalten Filmkulissen werden verglichen mit expressionistischen Gemälden und Gedichten.

  • Donnerstag
    27.11.2014
    19.00 Uhr

    METROPOLIS (Fritz Lang 1926) und MENSCHEN AM SONNTAG (Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer und Billy Wilder, 1929/30)
    Der Film „Metropolis“ wurde in der Phase der Stabilisierung, der Film „Menschen am Sonntag“ während der Weltwirtschaftskrise gedreht. Sie zeigen zwei diametral entgegen gesetzte Gesellschaftsentwürfe: eine totalitäre Dystopie und eine freie Gesellschaft von Individuen, die ohne Ideologien ihre Freizeit genießen, gespielt ausschließlich von Laien­dar­stellern. Der Film ist ein Beispiel für die neue Sachlichkeit im Film.

  • Donnerstag
    11.12.2014
    19.00 Uhr

    Stanley Kubrick: BARRY LYNDON (1975)
    Der Film basiert auf dem Roman „Die Memoiren des Junkers Barry Lyndon“ von William Makepeace Thackeray aus dem Jahr 1844, der die Odyssee seines Helden während des Siebenjährigen Kriegs erzählt. Kubrick zitiert Gemälde von Chardin, Chodowiecki, Gainsborough, Hogarth, Reynolds und Watteau, teils als „Tableaux vivants“. Einige Szenen des Films wurden aus­schließlich bei Kerzenlicht gedreht, um die Stimmung der Rokoko-Interieurs authentisch einzufangen. Dazu benutzte Kubrick ein extrem licht­starkes Objektiv, das von den Carl Zeiss-Werken eigentlich für die NASA hergestellt wurde. Kubricks Filmtechnik entrückt dem Betrachter die Welt des Rokoko zu einer fremden, künstlichen Bild­komposition, mit deren Figuren er sich nicht mehr identifizieren kann.
    Peter Greenaway: DER KONTRAKT DES ZEICHNERS (1982)
    Auch Greenaways Film zeigt die hochartifizielle Kulissenwelt der englischen Aristokratie und betreibt mit dem Zuschauer ein Vexierspiel voller An­spie­lungen. Die extreme Ästhetisierung der Auftritte und die preziösen Sprach­spiele verweigern dem Zuschauer jede Möglichkeit, sich mit den Prota­go­nisten und ihren Handlungen zu identifizieren.

Workshops und Führungen zur Ausstellung

  • Zur Ausstellung fanden verschiedene Workshops und Führungen unter dem Titel Berlin und ich – Eine Collage statt.

Publikation

Katalog zur Ausstellung: Barbara Metselaar Berthold »Strange Neighbours« – Fotografie
Text: Barbara Metselaar Berthold; Galerie Pankow (Hrsg.); Preis: 7,- €