Gundula Schulze Eldowy: Das unfassbare Gesicht. El rostro inconcebibile

Fotografie

Ausstellung vom 13.10. bis 13.11.2010

Im Rahmen des Europäischer Monats der Fotografie

Zwei Schwalben fliegen/über den Dächern/der Glückseligkeit/der Windhauch des Morgens/­gibt ihrer Flugbahn ein Gesicht/gefrorenes Rauschen/im angehaltenen Atem/ritzt ein Gesicht/­ins steinerne Geröll/und das Meer schlägt/mit seinen Wellen/ ein Gesicht ins schäu­mende Getöse. (Gundula Schulze-Eldowy)

Gesichter – Gesichte und Geschichten – sind das große Thema der international renommier­ten Fotografin (Lyrikerin, Erzählerin, Filmerin u. a.) Gundula Schulze Eldowy, das ihr stilis­tisch wandlungsreiches Werk bestimmt. In über dreißig Jahren schuf sie ein OEuvre von zwanzig Serien. Die Künstlerin lebt in Berlin, Peru und auf Reisen. Arbeiten von ihr befinden sich u. a. im Museum of Modern Art, New York, in der Berliner Nationalgalerie, dem MOMA, San Francisco und im LACMA von Los Angeles, in der Bibliothèque Nationale de France, Paris und in vielen anderen Museen sowie öffentlichen und privaten Sammlungen. Internationale Preise wie z. B. „The 12th Prize for Overseas Photographers of Higashikawa Photo Fiesta ´96“, dem wichtigsten Japans, und Ausstellungen von Washington bis Wien würdigten die ungewöhnliche Kreativität ebenso wie die technische Brillanz ihrer Fotografien.

Waren es am Anfang ihrer Karriere noch sozialkritische Fotos, in denen sie den Menschen mit ungewöhnlicher Intensität ins Gesicht schaute, sind es jetzt Gesichter aller Gattungen: Gesichter von Menschen und Tieren, Felsgesichter, Trophäen­köpfe, Mumien, Goldmasken, Porträts antiker peruanischer Keramiken sowie Gesichter von Formen, die durch Regen, Wind und Sonne in Gestein, Sand und Wurzelwerk entstanden sind. Bei allen Porträts bedient sie sich eines Kunstgriffes, beschränkt die Perspektive auf den Ausschnitt von Augen, Nase, Mund, wodurch ein eigenartiger Effekt entsteht. Sie alle scheinen eine Art Zentralcode zu haben, einer gemeinsamen Quelle zu entstammen.

Die Ausstellung ist eine tiefenpsychologische Allegorie des Sehens. So paradox es klingen mag, kommt doch das, was wir sehen, aus den tiefsten Schichten unseres Inneren und nicht von außen. „In den Augen spiegelt sich die Welt, wie wir sie sehen wollen, nicht wie sie ist. Deshalb können hundert Menschen dasselbe erleben und trotzdem sieht jeder etwas an­deres.” Die Künstlerin benutzt das Land Peru, um innere Bilder darzustellen. Der Besucher, der die Ausstellung betritt, sieht sich mit Hunderten Augenpaaren konfrontiert. Die Fotografin nimmt auf symbolischer Ebene einen Rollentausch vor und macht den Betrachter zum „Be­trach­teten“. „Dem Anschauen antwortet ein Angeschautwerden“, so die Künstlerin. „Während ich von innen nach außen ein Gesicht anschaue, wird mein Gesicht auf dieselbe Art wahr­ge­nommen. Aber was sehen wir wirklich?“ Oft sind es die eigenen Projektionen, Glaubens­grundsätze, Klischees und Über­zeugungen, die man im Bild des Anderen festmacht.

Dienstag, 12.10.2010, 19.00 Uhr
Eröffnung

Donnerstag, 04.11.2010, 20.00 Uhr
Vortrag: CHOQ’EKIRAW – Stadt der Kondore

Gundula Schulze Eldowy berichtete in Ihrem Vortrag „Choq’ekiraw – Stadt der Kondore“ über ihre Erlebnisse und Eindrücke in Choq’ekiraw und anderen Bergstädten Perus.
„Choq’ekiraw ist eine alte, verwunschene Stadt, die halb unter Dschungelpflanzen der peru­anischen Anden verborgen ist. Obwohl sie früher als Machu Picchu entdeckt wurde ist sie in Europa kaum bekannt. Es führen weder Straßen noch Wege dorthin, nur ein äußerst stra­pa­ziöser Pfad der wild aus dem Felsgestein herausgerissen wurde. Ihn zu begehen kann tödlich sein, denn er ist gefährlich. Neben dem Pfad geht es 3.500 Meter tief in den Abgrund.“