Sport verbindet – unabhängig von Muttersprache oder sozialer Herkunft hat er bei vielen Jugendlichen einen hohen Stellenwert. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee der sportorientierten Jugendsozialarbeit, die über Bewegung und Sport Zugänge schafft und soziale Fähigkeiten stärkt. Wir stellen den Arbeitsbereich anhand gängiger Fragen inhaltlich vor.
Warum überhaupt sportorientierte Jugendsozialarbeit?
Sport eröffnet gute Möglichkeiten, soziale und persönliche Kompetenzen wie Team- und Kooperationsfähigkeit, Verantwortungsgefühl sowie Rücksichtnahme und Respekt zu vermitteln. Die sportorientierte Jugendsozialarbeit nutzt dieses Potenzial und fördert durch gemeinsamen Sport die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen, vermittelt Strategien zur Konfliktbewältigung und kann durch Erfolgserlebnisse das Selbstwertgefühl steigern. Die sportorientierte Jugendsozialarbeit ist eine besondere Angebotsform der Jugendhilfe, die sich gerade in den letzten Jahren merklich entwickelt hat und aufgrund ihrer Innovationskraft bundesweit Beachtung findet.
Wie ist die sportorientierte Jugendsozialarbeit in Berlin organisiert?
In Berlin wird die sportorientierte Jugendsozialarbeit überwiegend von der Sportjugend Berlin bzw. der gemeinnützigen Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit (GSJ) organisiert und realisiert. Auch die Träger der Straßensozialarbeit „Gangway“ und „Outreach“ nutzen u. a. Elemente des sportorientierten Ansatzes in ihrer Arbeit. Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie finanziert einen Großteil der Projekte in der sportorientierten Jugendsozialarbeit und wird dabei von den bezirklichen Jugendämtern unterstützt.
Die Einrichtungen und Projekte der sportorientierten Jugendsozialarbeit in Berlin agieren in einem Netzwerk verschiedener Akteure, Organisationen und Institutionen, die jeweils mit spezifischen Zielsetzungen und Methoden zur Verbesserung der Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen beitragen. Einen wichtigen Part im Netzwerk übernehmen die durch bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement getragenen Sportvereine in Berlin. Sie zählen rund 247.000 Kinder, Jugendliche und junge Menschen zu ihren Mitgliedern. Vor allem Sportvereine mit einer eigenen Jugendabteilung oder einem Jugendwart beteiligen sich auf freiwilliger Basis an der sozialen Integration und Unterstützung von jungen Menschen in schwierigen Lebenslagen. Diese Sportvereine bringen ihre sportfachlichen und sozial-integrativen Potenziale auf lokaler Ebene und insbesondere in der Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten und Schulen in das Netzwerk ein.
Was ist mit Jugendlichen, die nicht in Vereinen aktiv sind?
Obwohl sich Sportangebote in Vereinen und Sportverbänden gut eignen, um sozial benachteiligte Jugendliche in die Gemeinschaft zu integrieren, sind diese Angebote für einige nicht niedrigschwellig genug. Hier greift die sportorientierte Jugendsozialarbeit mit ihren kostenlosen, flexiblen Angeboten auf öffentlichen Plätzen, in Parks oder in Sportjugendclubs. Indem sie junge Menschen dort abholt, wo sie sich aufhalten, und neben klassischen auch neue Trendsportarten aufgreift, gelingt es ihr, auch Jugendliche anzusprechen, die sonst schwerer zu erreichen sind. Gerade in sozialen Brennpunkten leben viele Jugendliche, die in keinem Verein trainieren und auch sonst an keinen sportlichen Förderangeboten o.ä. teilnehmen. Für diese jungen Menschen können die SportJugendClubs als besondere Jugendfreizeitstätten eine gute Option darstellen. Sie
bieten Raum für Sport und Bewegung und berücksichtigen in ihrer pädagogischen Arbeit die spezifischen Interessen und Problemlagen der Kinder und Jugendlichen. Sie fördern nicht nur gewaltfreie Kommunikationswege sowie eine gesunde Ernährung und Lebensführung, sondern unterstützen auch bei Fragen zur schulischen und beruflichen Perspektive.
Neben festen Programmangeboten, Projekten und Veranstaltungen gibt es auch immer einen offenen Bereich. Die SportJugendClubs kooperieren untereinander sowie mit Schulen und Sportvereinen in ihrem jeweiligen Sozialraum. Mittlerweile gibt es im Berliner Stadtgebiet 14 solcher Einrichtungen, die alle von der GSJ, der Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit, betrieben werden. Von Parkour, Kletterwänden und Niedrigseilgärten über Wassersport bis hin zu klassischen Fitness- und Tanzangeboten – hier haben Jugendliche die Möglichkeit, sich an verschiedensten sportlichen Angeboten zu probieren. Zu den Clubs zählen auch die sogenannten Mädchensportzentren, die speziell Mädchen und junge Frauen ansprechen. Sie bieten neben Bewegungs- und Tanzangeboten auch Angebote rund um Themen wie Frauenrolle, Partnerschaft und Ernährung an.
Was für Angebote gibt es darüber hinaus?
Neben den festen Standorten der SportJugendClubs sind auch Mobile Teams der GSJ im Einsatz. Sie leisten aufsuchende sportorientierte Jugendsozialarbeit in schwierigen Sozialräumen oder in Gemeinschaftsunterkünften und öffnen Räume, die Kindern und Jugendlichen nicht ohne Weiteres zur Verfügung stehen. So ist das Mobile Team Streetball beispielsweise im Stadtgebiet unterwegs, um Jugendliche mit der vereinfachten Form des Basketballs in Kontakt zu bringen. In Zusammenarbeit mit Schulen werden entsprechende Wettkämpfe und Turniere veranstaltet oder auch die beliebten Streetball Nights im Stadtgebiet geplant, die begleitet durch musikalische und kulturelle Aktivitäten eine gute Alternative zum Rumhängen auf der Straße bieten.
Ein weiteres Projekt mit besonderem Fokus ist das KICK-Projekt gegen Jugenddelinquenz, das sich in enger Zusammenarbeit mit der Berliner Polizei an junge Menschen wendet, die bereits durch straffälliges Verhalten wie z.B. Körperverletzung o.a. auffällig geworden sind. Straffällige junge Menschen werden auf freiwilliger Basis von den zuständigen Polizeibeamten an das Projekt vermittelt und in sportorientierte und sozialpädagogisch betreute Freizeitangebote integriert. Darüber hinaus werden ggf. weiterführende Beratungs- und Betreuungsangebote organisiert und gemeinsam mit den Betroffenen Perspektiven für die weitere Lebensplanung entwickelt. Mittlerweile ein Kernstück der Arbeit, das durch das KICK-Team stetig ausgebaut wird, sind die sozialen Trainings und Projekttage zur Gewaltprävention mit Schulklassen: Schulen können sich bei
Gewaltvorfällen an das Projektteam wenden und ein entsprechendes Training vereinbaren. Im Vorfeld eines solchen Trainings wird mit der polizeilichen Prävention, die Kontakt zur Schule aufnimmt, mit der Klasse zusammenarbeitet und zu möglichen rechtlichen Konsequenzen aufklärt, eine Kooperation vereinbart.
Ein noch junges Feld der sportorientierten Jugendsozialarbeit ist in den letzten Jahren neu entstanden und wird innerhalb des Angebots von Sport 365 umgesetzt. Sport 365 bietet ganzjährig kostenfrei nutzbare Sportanlagen z.B. mit Streetballplätzen, Soccercourts und Beachvolleyballfeldern und betreut die Angebote sport- und sozialpädagogisch. Neben dem Sport stehen auch kultur-, kunst- und umweltpädagogische Angebote zur Verfügung. Sport 365 ist mit weiteren regionalen Akteuren im Quartier vernetzt und wurde bisher an zwei Standorten in Berlin realisiert – den beiden von Senatorin Günther-Wünsch besuchten Örtlichkeiten im Görlitzer Park sowie dem Kombibad Gropiusstadt. Planung und Umsetzung erfolgt gemeinschaftlich zwischen der Sportjugend Berlin und der GSJ, der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, der Senatsverwaltung für
Inneres und Sport, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie den jeweiligen Bezirksämtern und den Bäderbetrieben.
Unter dem Titel „Sichere Freibäder“ wurde in einigen städtischen Freibädern zuletzt ein weiteres gewaltpräventives Programm der sportorientierten Jugendsozialarbeit entwickelt und während der Sommerferien durchgeführt. Kostenlose Pop-Up-Angebote wie Mannschaftsspiele, Trampolinspringen oder Jonglieren bieten im Rahmen des Projekts eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, während im Programm „Cool am Pool“ junge Menschen selbst zu Konfliktmediatoren ausgebildet werden.