Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming – eine präventive Handlungsstrategie der Gleichstellungspolitik.

Gender Mainstreaming in der Berliner Politik und Verwaltung

Die Verpflichtung, Gender Mainstreaming in der Berliner Verwaltung umzusetzen, beruht auf verbindlichen Beschlüssen, die seit 2002 vom Berliner Senat und Abgeordnetenhaus – und auf Bezirksebene ergänzend vom Rat der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister (RdB) – gefasst wurden. Sie sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt worden. Gender Mainstreaming ist als ein komplexer und langjähriger Organisationsentwicklungsprozess zu betrachten. Ziel ist es, Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit für Frauen/Mädchen und Männer/Jungen auch durch eine modernisierte Verwaltung herzustellen.

Die Umsetzung von Gender Mainstreaming in der Berliner Verwaltung wurde im Rahmen der Verwaltungsmodernisierung im Jahr 2003 zunächst mit einer dreijährigen Pilot- und Einführungsphase gestartet. Seitdem ist Gender Mainstreaming integrierter Bestandteil aller Verwaltungsbereiche, das im alltäglichen Verwaltungshandeln berücksichtigt werden soll. Die Geschäftsstelle Gleichstellung unterstützt die Verwaltungen bei dieser Umsetzung.

An dem landesweiten Kooperationsprozess mit seinen gut funktionierenden Strukturen und der damit einhergehenden Kommunikation sind viele Akteurinnen und Akteuren aus Senats- und Bezirksverwaltungen, den verschiedenen Arbeitsgruppen, die Genderbeauftragten und externe Beratungsunternehmen beteiligt. Dabei kommt den dezentralen Genderbeauftragten der Senats- und Bezirksverwaltungen bei den ressortinternen Gender-Mainstreaming-Prozessen besondere Verantwortlichkeit zu. Ihre Hauptaufgabe ist die Informations- und Koordinationskorrespondenz bezüglich der hausinternen Prozesse.

Externe Gender- und Prozessberatung

Für die Durchführung genderrelevanter Projekte haben die einzelnen Senats- und Bezirksverwaltungen die Möglichkeit, externe Gender- und Prozessberatung in Anspruch zu nehmen. Die Bereitstellung entsprechender finanzieller Mittel erfolgt durch die Geschäftsstelle Gleichstellung. Auf der Grundlage eines Projektantrages, der neben dem geplanten Vorhaben mit einer klaren Zielstellung durch die jeweilige Verwaltung bei der Geschäftsstelle Gleichstellung vorliegen muss, erfolgt die Mittelbewilligung. Die zum Einsatz kommenden Genderexpertinnen und Genderexperten verfügen über jahrelange Organisationsberatungskompetenz, Gender- und Feldkompetenz.
Die Instrumente der genderspezifischen Projektbegleitung und der Genderberatung haben sich im Berliner Umsetzungsprozess bewährt und sind sukzessive ausgebaut worden. Denn in der Praxis hat sich gezeigt hat, dass allgemeine Gendertrainings nur Anstöße geben können und der Prozess der Implementierung in die Berliner Verwaltung, in das Führungsverhalten und in die fachlichen Inhalte der kontinuierlichen externen Beratung bedarf, bis genügend eigenständige Kompetenz erworben wurde.

Genderkompetenz

Genderkompetenz meint das Wissen und die Erfahrung über das Entstehen von Geschlechterdifferenzen, über die komplexen Strukturen von Geschlechterverhältnissen und ihre Konstruktion. Diese Genderkompetenz ermöglicht differenzierte Analysen, z.B. über gesellschaftliche, organisationsbezogene und persönliche Machtzugänge, über Ressourcenverteilung und gesellschaftliche Arbeitsverteilung zwischen den Geschlechtern. Die erworbene Genderkompetenz soll dann mit dem eigenen Fachwissen und dem Fachgebiet verbunden werden. Dieser Transfer in die eigenen Arbeitsfelder – die Brücke zwischen Theorie und Praxis – stellt die größte Herausforderung des Ansatzes dar. In der Berliner Verwaltung werden durch entsprechende fachpolitisch bezogene Schulungen/Workshops/Fachtagungen und externe Prozessberatung Voraussetzungen geschaffen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gender Mainstreaming in ihren jeweiligen Handlungsbereichen nachhaltig umsetzen können.
Neben der Berliner Verwaltungsakademie bieten auch andere einschlägige universitäre Einrichtungen und Weiterbildungszentren umfassende Angebote zum Erwerb von Genderkompetenz an.