Netzwerk Frauengesundheit Berlin

Gemeinsam für eine geschlechtergerechte Gesundheitspolitik in Berlin

Seit 2001 setzt sich das Netzwerk Frauengesundheit Berlin mit Unterstützung der Senatsverwaltung für eine Verbesserung der gesundheitlichen Situation von Frauen ein. Es lässt sich dabei leiten von der Vision: Berlin – eine gesunde Stadt für Frauen.

Vernetzung frauenspezifischer Gesundheitsprojekte

In Berlin entstanden Ende der 1970er Jahre eine Vielzahl frauenspezifischer Gesundheitsprojekte und -initiativen. Sie wurden – und werden größtenteils auch heute noch – vom Land Berlin gefördert, weil sie mit ihren Angeboten auf Defizite in der gesundheitlichen Versorgung von Frauen reagierten. Deutlich länger dauerte es, bis auch in den Bereichen Forschung und staatliche Gesundheitsversorgung erkannt wurde, dass geschlechtsspezifische Vorgehensweisen notwendig sind. Das ursprüngliche Feld der reproduktiven Gesundheit erfuhr erst in den 1980er und 1990er Jahren eine Erweiterung: Themen wie die gesundheitlichen Folgen von Gewalt, Kritik an der Medikation bei Frauen durch Ärztinnen und Ärzte, geschlechtsspezifische Wirkung von Therapien und Medikamenten fanden nun Eingang in öffentliche und fachliche Diskurse.

Den Impuls für die Gründung des Netzwerks Frauengesundheit Berlin gab eine Fachtagung der Abteilung Frauenpolitik im Jahr 1999 mit dem Titel „Gesundheit kennt kein Geschlecht?“. Sie löste eine breite Debatte über Wege für eine verbesserte gesundheitliche Versorgung von Frauen in Berlin aus. Im Ergebnis wurde 2001 das Netzwerk Frauengesundheit Berlin gegründet, um vorhandene Ressourcen zum Thema Frauengesundheit zu bündeln und zu mobilisieren. Heute arbeiten im Netzwerk mehr als 50 Mitgliedsorganisationen und Expertinnen zusammen.

Ziele und Arbeitsweise des Netzwerks Frauengesundheit Berlin

Das Netzwerk setzt sich ein:

  • für eine gesundheitliche Versorgung in Berlin, die sich (auch) an den Lebensbedingungen und Bedürfnissen von Frauen orientiert,
  • für eine geschlechtergerechte Sichtweise in allen Bereichen des Gesundheitswesens und der Forschung,
  • für eine bedarfsorientierte Unterstützung besonders benachteiligter Gruppen und
  • für eine verbesserte gesundheitliche Information von Frauen und für eine Stärkung ihrer Fähigkeit zur Eigenverantwortung.

In Kooperation mit der für Frauen und Gleichstellung zuständigen Senatsverwaltung arbeitet das Netzwerk mit Verantwortlichen auf fachlicher und politischer Ebene zusammen, führt Fachtagungen durch, veröffentlicht Informationsmaterialien zu Gesundheitsthemen von Frauen und Mädchen und informiert über aktuelle Themen, Termine und eigene Arbeitsschwerpunkte auf seiner Webseite.

Frauengesundheitspolitische Aktivitäten und Vorhaben in Berlin

Das Netzwerk setzt sich dafür ein, dass Mädchen und Frauen die Möglichkeit erhalten, informierte Entscheidungen über die Nutzung gesundheitlicher Angebote treffen zu können. Vor diesem Hintergrund wurden von Mitgliedsorganisationen des Netzwerks zum Teil in Kooperation mit der Senatsverwaltung und weiteren Institutionen Informationsmaterialien zu folgenden Themen herausgegeben:

  • Gewalt macht psychisch und körperlich krank
  • Hormonersatztherapie in den Wechseljahren
  • Die unterschätzte Gefahr: Frauenkrankheit Herzinfarkt
  • Kaiserschnitt: Ja! Nein! Vielleicht?!
  • HPV-Impfung – ein Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs? Eine Entscheidungshilfe – in deutscher, russischer, türkischer Sprache

Mit einer Fachveranstaltungsreihe im Berliner Abgeordnetenhaus „Berlin – eine gesunde Stadt für Frauen“ hat das Netzwerk auf Versorgungslücken und Handlungsbedarfe in verschiedenen frauenspezifischen Feldern – wie Gesundheit von Migrantinnen, gesundheitliche Folgen von Gewalt oder die gesundheitliche Situation behinderter Frauen in Berlin hingewiesen und engagiert sich in Kooperation mit der Senatsverwaltung weiter in diesen Themenfeldern.

Netzwerk Frauengesundheit Berlin

Übergreifende Aktivitäten
  • Das Netzwerk unterstützt bundesweite Initiativen wie die BUKO-Pharmakampagne, die sich u. a. für eine von der Pharmaindustrie unabhängige Patienteninformation über Arzneimittel einsetzt.
  • Gegenüber der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte in Deutschland bestehen seitens der Netzwerk-Mitglieder erhebliche datenschutzrechtliche Bedenken. Das Netzwerk unterstützt die Aktion Stoppt die e-card
  • Der Berliner Hebammenverband ist Mitglied im Netzwerk. Das Netzwerk unterstützt die E-Petition des Deutschen HebammenVerbandes an den Bundestag zur Existenzsicherung von Hebammen. In ihr heißt es: „Steigende Haftpflichtprämien und unzureichende Vergütung zwingen Hebammen zum Aufgeben der Geburtshilfe. Dadurch kann die flächendeckende Versorgung nicht mehr sichergestellt werden”.