LKA KTI 4 - Naturwissenschftliche Kriminaltechnik

In diesem Dezernat sind Hochschul- und Fachhochschulabsolventen aus vielen naturwissenschaftlichen Fakultäten, aber auch Phonetiker, Ingenieure für Textil- bzw. Bekleidungstechnik, Tontechniker, Elektrotechniker, Medizinisch technische Assistenten (MTA), Biologisch-chemische technische Assistenten (BCTA), Chemisch technische (CTA) und Pharmazeutisch technische Assistenten (PTA), tätig.

Das Dezernat gliedert sich in die Funktionsgruppen forensische Sachverständige und
technische Assistenten mit klar umrissenen und voneinander abgegrenzten Tätigkeitsfeldern, für die zusätzliche Qualifikationen notwendig sind. In der Regel werden diese intern und extern durch gründliche Einarbeitung, durch Hospitationen in anderen forensischen Laboratorien und durch die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen erworben.

eDNA - Expertensystem für die forensische DNA-Analyse

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Bild: mirpic – Fotolia.com

Zur Beschleunigung der forensischen DNA-Analyse entwickelt das Kompetenzzentrum Kriminaltechnik des Landeskriminalamtes in enger Kooperation mit europäischen Partnerinstituten das Softwarepaket eDNA. Das Projekt wird im Rahmen des „Prevention of and Fight against Crime“-Programms der EU gefördert. Weitere Informationen

LKA KT 41 - Betäubungsmittel / Toxikologie / Blutalkohol

BtM-Proben
Bild: Polizei Berlin

Zwei große Aufgabenfelder kennzeichnen die tägliche Arbeit dieses Sachgebietes:

Nachweis von Medikamenten und Betäubungsmitteln in Körperflüssigkeiten

Das Vorhandensein und die gegebene Wirkstoffkonzentration von Betäubungsmitteln und Medikamenten sowie deren Abbauprodukte in Blut und/oder Urin* wird immer dann ermittelt, wenn eine Ursache für rechtlich relevante Verhaltensauffälligkeiten und Bewusstseinseinschränkungen gefunden werden muss.

Anm.: Urinproben werden zur Untersuchung an die Labor Berlin Vivantes Charité GmbH weitergeleitet.

Die Blutprobenuntersuchung beinhaltet ein Drogenscreening, die qualitative und quantitative Bestimmung von Wirkstoffen sowie die Bestimmung des Blutalkoholgehaltes.

Für den Nachweis von Betäubungsmitteln und Medikamenten in Blutproben wird ein immunologisches Drogenscreening durchgeführt, fallbezogen schließt sich eine chromatographisch-massenspektrometrische Untersuchung zur Identifizierung und zur quantitativen Bestimmung der Wirkstoffe an.

Die Feststellung des Blutalkoholgehaltes erfolgt mit jeweils zwei Messungen in zwei unterschiedlichen Messverfahren. Die vier erhaltenen Ergebnisse müssen im Rahmen einer vom Bundesgerichthof vorgegebenen Messgenauigkeit übereinstimmen.

Massenspektrometer
Bild: Polizei Berlin

Untersuchung von Materialien auf Stoffe, die dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) oder dem Arzneimittelgesetz (AMG) und angrenzenden Verordnungen unterliegen, sowie die Untersuchung von Lebensmitteln auf zugesetzte giftige Substanzen

Alle aufgefundenen und beschlagnahmten Materialien werden mit unterschiedlichen Methoden untersucht; fallbezogen werden Wirkstoffbestimmungen und vergleichende Untersuchungen von einzelnen Substanzklassen durchgeführt.

Die Labore von LKA KTI 41 sind von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) nach DIN EN ISO/IEC 17025:2005 akkreditiert.

LKA KTI 42 - DNA-Analytik

Blutspuren an der Wand
Bild: Polizei Berlin

„Untersuchungsgegenstand“ der forensischen DNA-Analytik ist das genetische Material eines Menschen, das sich in jedem Zellkern befindet. Jeder Mensch verliert täglich Zellmaterial und seien es auch nur kleinste Mengen. Entscheidend für die Fallarbeit ist es, dieses Material zu finden.

Nach am Tatort erfolgter Sicherung und Dokumentation einer relevanten Spur, wie z.B. Blut- oder Sperma, wird im Labor zunächst die DNA (Desoxyribonukleinsäure) aus diesem Material herausgelöst und gereinigt.

DNA-Extraktions-roboter
Bild: Polizei Berlin

In bestimmten Bereichen des DNA-Moleküls befinden sich kleine variable DNA-Abschnitte, die für die Untersuchung vielfach kopiert, in ihrer Länge vermessen und in einen Zahlencode übersetzt werden. Das Kopieren der kurzen variablen DNA-Abschnitte einer jeden Spur oder Vergleichsprobe erfolgt mit der PCR-(Polymerase-Ketten-Reaktion)Methode. Das so entstandene Gemisch unterschiedlich langer DNA-Fragmente wird elektrophoretisch aufgetrennt und die Größe jedes einzelnen DNA-Fragmentes gemessen. Die jeweiligen Fragmentlängen werden in Zahlen codiert. Die Gesamtheit der Zahlenwerte ergibt den Zahlencode, auch genetischer Fingerabdruck genannt. Dieser ist für jeden Menschen individualspezifisch, so dass die Zuordnung einer Spur zu einem Spurenverursacher nahezu eindeutig ist. Nur eineiige Zwillinge können mit dieser Methode nicht unterschieden werden.

Stimmt der Zahlencode einer Spur nicht mit den Vergleichsspeichelproben von Personen überein, wird das DNA-Muster der Spur in die DNA-Datenbank eingestellt. Neben den Spuren unbekannter Täter sind auch DNA-Identifizierungsmuster bereits verurteilter Personen erfasst. Im Falle eines Treffers wird die zuständige Dienststelle umgehend informiert. In internationalen Abkommen wurden inzwischen Verfahrensweisen festgelegt, die einen Abgleich der nationalen Datenbanken untereinander auch weltweit möglich machen.

Die Sensitivität der DNA-analytischen Methoden ist dank der PCR-Technik inzwischen so hoch, dass kleinste Mengen für die Erstellung eines DNA-Profils ausreichen. Die hohe Empfindlichkeit der Methodik erfordert besondere Sorgfalt im Umgang mit dem Untersuchungsmaterial. Dies wird sowohl durch ein umfangreiches Qualitätsmanagement als auch durch die teilweise Automatisierung der Arbeitsprozesse gewährleistet.

LKA KTI 43 - Allgemeine Chemie

Mikroskop. Analyse von Autolackproben
Bild: Polizei Berlin

In diesem Sachgebiet werden alle allgemein-chemischen Fragestellungen, mit Ausnahme von Umweltproben und Explosivstoffen, bearbeitet.

Hauptuntersuchungsgebiete:

Untersuchung von Brandbeschleunigern
Identifizierung und vergleichende Zuordnung flüssiger Brandbeschleuniger (z.B. Lösemittel, Vergaserkraftstoffe) in Brandschuttproben, Bekleidungsstücke und Lungengewebe. Das Labor ist von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) nach DIN EN ISO/IEC 17025:2005 akkreditiert.

Gaschromatograf mit massen- selektiver Detektion
Bild: Polizei Berlin

Untersuchung von Lacken, Pigmenten und Polymeren
Ermittlungshinweise zum Fluchtfahrzeug anhand von Lackuntersuchungen,
vergleichende Zuordnung von Lacken, Klebern und Kunststoffen u.a. im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen und Einbruchsdelikten.

Untersuchung von Schreibmitteln
Identifizierung und vergleichende Zuordnung von Schreibmitteln (Kugelschreiberpasten, Inkjet- Tinten, Tonern, usw.) bei Dokumentenfälschungen.

Echtheitsbestimmungen von Gemälden
Pigment- und Bindemitteluntersuchungen.

Chemische Analytik
chemische Untersuchungen von Klebern, Papier, Anstrichstoffen, Sicherheitsfarbstoffen, Reizgas, unbekannten Substanzen.

LKA KTI 44 - Physik / Sprecher- und Audioanalyse

Sprecher- und Audioanalyse
Bild: Polizei Berlin

Zu diesem Sachgebiet gehören die Spezialgebiete:

  • Schmauchuntersuchung
  • Schussentfernungsbestimmung
  • Glasvergleichsuntersuchungen
  • Röntgenanalytik
  • Materialanalysen
  • Ursachenfeststellung bei Bränden, Explosionen und Unfällen
  • Sprecher- und Audioanalyse.

Schmauchuntersuchungen und Schussentfernungsbestimmungen dienen der Feststellung, von wem und aus welcher Entfernung ggf. Schüsse abgegeben wurden. Auch wird geprüft, ob es sich um eine Selbsttötung handeln könnte oder ein Fremdverschulden vorliegt. Da bei einer Schussabgabe eine Schmauchwolke entsteht, die sich sowohl auf den Schützen und die Tatwaffe als auch auf das abgefeuerte Projektil niederschlägt, wird mittels Rasterelektronen-mikroskopie eine vergleichende Elementanalyse durchgeführt.

Häufige Auslöser von Bränden sind defekte oder unbeaufsichtigt betriebene Elektrogeräte. Aber auch korrodierte oder überlastete Mehrfachsteckdosen, als Wäschetrockner missbrauchte Stehlampen und andere unsachgemäße Verwendungen elektrischer Geräte. Die Aufgabe der Sachverständigen ist es, im Schadensfall die Ursache zu ermitteln und die Sachbeweise zu dokumentieren. Dies geschieht zum einen am Brandort selbst, zum anderen im physikalischen Brandlabor.

Die Sprecher- und Audioanalyse untersucht vor allem die stimmlichen und sprachlichen Aspekte aus jedweder Art von Audioaufnahmen. Diese können im Zusammenhang mit allen Deliktsformen entstehen, vom Notrufmissbrauch bis zum Kapitalverbrechen. Das Aufgabenspektrum der Fachgruppe umfasst dabei unter anderem die technische Bearbeitung schwer verständlicher Aufzeichnungen zur Qualitätsverbesserung oder die Stimmenanalyse sowie den Stimmenvergleich zweier Sprecher zur Feststellung, ob die Stimme eines Verdächtigen mit der Täterstimme übereinstimmt.

LKA KTI 45 - Fasern / Textilien / Biologie / Boden

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Dieses Sachgebiet ist wesentlich durch die Untersuchung von Mikropartikeln gekennzeichnet. Die Analyse von Spuren- und Vergleichsmaterial erfolgt daher mit Hilfe mikroskopisch-analytischer Verfahren.
Ziel der Untersuchungen ist die Materialidentifizierung, der Materialvergleich und ggf. die Zuordnung zu einem Verursacher, beispielsweise zu einem Kleidungsstück, einer bestimmten Umgebung oder einer anderen biologischen oder mineralogischen Spurenquelle.
Kontaktnachweise sind somit sowohl über Textilfasern als auch über andere Spuren biologischer oder mineralogischen Herkunft möglich. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist die sorgfältige Spurensicherung.
Eine Plausibilitätsprüfung der Analyseergebnisse erfolgt in der Regel über die Ausarbeitung und Prüfung der Spurenverteilung in Bezug auf den Tathergang. Darüber hinaus können auf Basis spurenkundlicher Ergebnisse Rückschlüsse auf Tathergänge oder Geschehensabläufe (u.a. bei Verkehrsunfällen) gezogen werden.
Des Weiteren werden umfangreiche Referenzsammlungen gepflegt.

Textil
In der Textiltechnik werden neben der Untersuchung von textilen Mikrospuren (Einzelfasern) auch größere Spurengebilde wie Fäden, Stoffe, Knoten und Passspuren sowie Beschädigungen an Textilien analysiert. Dies schließt die Beurteilung von Spurenbildern und die daraus resultierenden Rückschlussmöglichkeiten auf Geschehens- und Tatabläufe ein. Darüber hinaus werden Anschmelzspuren untersucht, die im Rahmen von Verkehrsunfällen entstehen und wichtige Hinweise in Unfallzusammenhang liefern können. Auch Bildmaterial aus Straftaten wird hinsichtlich der Kleidung ausgewertet und mit der Bekleidung tatverdächtiger Personen verglichen. Derartige Textil-Bildvergleiche ermöglichen sowohl Ausschlüsse als auch individualcharakteristische Zuordnungen.

Allgemeine Biologie
Die allgemeinen biologischen Untersuchungen umfassen Spurenmaterialien botanischer, zoologischer und mineralischer Herkunft. Dazu gehören Untersuchungsmaterialien wie Pflanzenteile, Pilze, Haare, Federn, Baustoffe, Boden und vieles mehr. Auch in diesem Bereich werden Bewertungen von Spurenbildern herangezogen, um Geschehensabläufe und Tathergänge zu rekonstruieren.