LKA KTI 3 - Klassische Kriminaltechnik

LKA KTI 31 - Waffen / Munition / Ballistik

Waffen
Bild: Polizei Berlin

Das Tätigkeitsfeld umfasst die Untersuchung von tragbaren Waffen, insbesondere von Schusswaffen, ihnen gleichgestellten Gegenständen, Hieb- und Stoßwaffen, Waffenteilen, Waffenzubehör sowie, Munition und Munitionsteilen (Hülsen, Geschosse) und ballistische Untersuchungen. Die Sachverständigen stellen die allgemeine und spezielle Funktionsfähigkeit sowie die Leistung und die Wirkung von Schusswaffen einschließlich ihrer Munition und Geschosse fest. Ziel ist u. a. die gerichtsfeste waffenrechtliche Einordnung der tragbaren Waffen auf der Grundlage der einschlägigen waffenrechtlichen Bestimmungen.

Schusswaffen werden als Tatmittel bei der Begehung von Straftaten verwendet, die vom unbefugten Waffenbesitz über die Sachbeschädigung und die Körperverletzung bis hin zum Mord reichen. Durch die Initiierung des Schusswaffenerkennungsdienstes, wobei ein Vergleichsbeschuss mit den durch behördliche Maßnahmen sichergestellten Schusswaffen und deren gleichgestellten Gegenständen erfolgt, werden in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt mögliche Tatzusammenhänge mit registrierten, unaufgeklärten Straftaten überprüft und festgestellt.

Nach einem Schusswaffendelikt werden die Sachverständigen in der Regel am Tatort unterstützend tätig. Durch die Auswertung ballistischer Spuren wird eine Rekonstruktion des Tatgeschehens ermöglicht, z. B. durch die Analyse der Schussbeschädigungen, die Bestimmung der Schussrichtung, des Schützenstandortes und der Geschossflugbahn. Im Schießlabor werden erforderlichenfalls weitergehende experimentelle ballistische Untersuchungen unter Verwendung moderner Messgeräte (Doppler-Radar-Messung), Dokumentationstechnik (Hochgeschwindigkeits-Videographie) und Simulationsmedien (ballistische Seife, ballistische Gelatine) vorgenommen.

Da Schusswaffen auf Hülsen und Geschossen individuelle Spuren hinterlassen, führen mikroskopischen Vergleichsuntersuchungen von Tatmunitionsteilen mit Vergleichsmunitionsteilen zur Identifizierung oder zum Ausschluss sichergestellter Schusswaffen als tatsächliche Tatschusswaffen.

LKA KTI 32 - Urkunden / Schriften / Druck

Das Sachgebiet ist in drei Arbeitsbereiche gegliedert.

Im Arbeitsbereich Handschriftenuntersuchung werden Urheberidentifizierungen von handschriftlich ausgeführten Schreibleistungen und Echtheitsprüfungen, insbesondere von Unterschriften, durchgeführt. Für anonyme und pseudonyme Schreiben aus Bedrohungs-, Beleidigungs- oder Erpressungsfällen wird eine Tatschriftensammlung geführt, mit der Neueingänge auf Urheberzusammenhänge überprüft werden. Weiterhin werden Schriftproben abgenommen oder andere Maßnahmen unterstützt, die zur Beschaffung des für den Handschriftenvergleich erforderlichen authentischen Vergleichsmaterials führen.

Im Arbeitsbereich Urkundenuntersuchung werden in erster Linie Personaldokumente (Pässe, Ausweise, Führerscheine, Personenstandsurkunden u.a.m.) untersucht, wobei neben der Echtheit des gesamten Dokumentenvordrucks auch das Vorhandensein von Verfälschungen oder Manipulationen (Lichtbildauswechselungen, Veränderung der Gültigkeitsdauer o.ä.) zu prüfen ist. Das ge- oder verfälschte Personaldokument steht im Mittelpunkt zahlreicher Delikte (z. B. Menschenhandel, Schleusung) oder ist ein wesentliches Hilfsmittel bei der Begehung von Straftaten, die von Kontoüberweisungsbetrug bis Terrorismus reichen.

Einen weiteren Schwerpunkt bilden die klassischen Urkundenuntersuchungen, wie z.B. Sichtbarmachungen und Entzifferungen latenter Schriftzeichen, Untersuchungen von Passstücken und Strichkreuzungen oder Brieföffnungen sowie die Untersuchung von Kfz-Dokumenten und -Kennzeichen sowie darauf befindlicher Siegel und Stempel. Zur Aufgabenerfüllung werden umfangreiche Vergleichssammlungen unterhalten.
Im Arbeitsbereich Drucktechnik werden die übrigen Druckerzeugnisse, wie z.B. Wertdrucke oder Wertzeichen, Fahrausweise des ÖPNV, Vordrucke und Formulare von Behörden, kriminaltechnisch geprüft. Weiterhin werden Kopier- und Vervielfältigungsprodukte, gedruckte Veröffentlichungen jeglicher Art und die Maschinenschriften untersucht, ebenfalls Kunstwerke, wie z.B. Grafiken, Kunstdrucke.

Ergänzt wird das Sachgebiet durch den Bereich Forensische Linguistik / Textanalyse. Handschriftlich, drucktechnisch oder im Internet gefertigte Texte werden auf mehreren sprachlichen Ebenen im Hinblick auf Merkmale und Besonderheiten analysiert. Dabei sind nicht nur etwaige Fehler von Interesse, sondern ebenso die Textsorte, der Stil und der Inhalt. Durch die Gegenüberstellung mit vergleichstauglichen Texten können Aussagen zu möglichen Autorenschaftszusammenhängen getroffen werden.

LKA KTI 33 - Technische Formspuren

Werkzeuge
Bild: Polizei Berlin

Dieses Sachgebiet gliedert sich in vier Arbeitsbereiche.
Der Arbeitsbereich Werkzeugtechnische Einsatzsteuerung umfasst neben administrativen Maßnahmen, die Erfassung von Untersuchungsmaterial und die Auswertung von Spurenträgern. Hierzu werden umfangreiche Spurensammlungen geführt. Sie beinhalten Spurenträger verschiedenster Werkzeugspuren und Bruchstücke tatrelevanter Gegenstände.

Zu den Schwerpunktaufgaben des Arbeitsbereiches Werkzeugspuren/Schloss- und Sicherungstechnik zählen

  • der Werkzeugerkennungsdienst mit
    • dem Vergleich von Tatspuren verschiedener Tatort untereinander zur Feststellung von Tatwerkzeugzusammenhängen (Aufstellen von Straftatenserien)
    • der Werkzeugidentifizierung – Durchführung von Vergleichsuntersuchungen zur Feststellung, ob zur Untersuchung vorliegende Werkzeuge Verursacher von Tatspuren sind
  • die Passfähigkeitsuntersuchungen (Untersuchung von Bruchstücken hinsichtlich ihrer ursprünglichen Zusammengehörigkeit)
  • Die Untersuchungen von Schlössern und Schließzylindern und ihrer Schlüssel – mechanische Sicherungstechnik – zur Feststellung der Art und Weise ihrer Überwindung
  • Die Tatortarbeit
    • zur Suche, Sicherung und Dokumentation von Werkzeugspuren in Fällen besonderer Bedeutung (Kapitaldelikte und andere Straftaten, die in den Zuständigkeitsbereich des LKA fallen)
    • zur Rekonstruktion von Tatabläufen (u.a. Fingierungsnachweis) auf der Grundlage der vorgefundenen Spurenlage insbesondere an den Zugängen zu Tatorten oder an Verschlüssen von Behältnissen sowie
  • Die Material- und Sonderuntersuchungen mit Bezug zu technischen Formspuren.
Fahrzeuguntersuchungen
Bild: Polizei Berlin

Im Arbeitsbereich Fahrzeuge/Prägezeichen werden sichergestellte Kraftfahrzeuge im Hinblick auf Merkmale einer Überwindung oder Umgehung ihrer Sicherungseinrichtungen untersucht. Bei Verdacht einer Urkundenfälschung werden eingeprägte Kennzeichnungen an Fahrzeugen (FIN, Motornummer u. a.), aber auch an Gegenständen aller Art (Geräte-, Waffennummern) hinsichtlich ihrer Originalität bzw. möglichen Veränderungen näher betrachtet und ggf. für ein besonderes Verfahren der Wiedersichtbarmachung vorbereitet. Bei Passfähigkeitsuntersuchungen an zerbrochenen Kfz-Teilen oder Werkzeugen werden die Bruchflächen der einzelnen Teile mikroskopisch gegenübergestellt, um festzustellen, ob die Teile ursprünglich ein Ganzes bildeten.

Zu den Aufgaben des Arbeitsbereiches Schuh-/Reifenspuren gehört die Bearbeitung von Schuh-, Reifen-, Handschuh- sowie sonstiger Formspuren (z.B. geformte Verletzungen auf menschlicher Haut). Ein Teil der Spuren muss zunächst aufwändig, z.T. unter Verwendung spezieller Spurenkameras, aufbereitet werden. Besonders geeignete Spuren werden in eine Datenbank eingegeben, mit deren Hilfe es möglich ist,

Tatspurenzusammenhänge zwischen unterschiedlichen Tatorten herzustellen und in der eine Vielzahl von Referenzschuhsohlenmustern unterschiedlichster Hersteller enthalten ist. Somit können Hinweise gegeben werden, welchen Schuhtyp der Täter am Tatort getragen hat. Sofern ein entsprechender Schuh gefunden wird, besteht die Aufgabe des Sachverständigen darin, vergleichende Untersuchungen durchzuführen und festzustellen, ob das übersandte Vergleichsmaterial die Spur verursacht hat. Gleiches gilt für Reifen und Handschuhe.