Die Geschichte des Rathauses Neukölln

Karl-Marx-Straße 83 Rathaus
Bild: Bezirksamt Neukölln

Die Geschichte des Rathauses Neukölln

Das erste Rathaus für den Bezirk Neukölln war ein für das 19. Jahrhundert typischer preußischer Staatsbau mit Zinnen und Giebeln und wurde “Amtshaus” genannt. Der Bau eines Rathauses war nötig geworden, da die beiden Dörfer Böhmisch- und Deutsch-Rixdorf 1874 zusammengelegt wurden und die Einwohnerzahl der damals zum Kreis Teltow gehörenden Gemeinde langsam, aber stetig zu wachsen begonnen hatte. Dennoch fanden in den neuen Amtsräumen in den Anfangsjahren nicht nur die Gemeindeverwaltung, sondern auch die Wohnung des Bürgermeisters, ein Wasserreservoir, Schlafräume für Verwaltungslehrlinge, eine “Hofdruckerei” und das Amtsgericht Platz.

Der große Bevölkerungszuwachs um die Jahrhundertwende machte dann jedoch Erweiterungen des “Amtshauses” unumgänglich. Reinhold Kiehl, der 1905 zum Stadtbaurat berufen wurde, begann sofort nach seinem Amtsantritt, eine Reihe von Plänen für das gesamte Areal zwischen Karl-Marx-(damals Berliner Straße), Donau-, Schönstedt- und Erkstraße zu entwerfen. 1906 begannen nach diesen Plänen die Bauarbeiten. Bereits zwei Jahre später stand der 67 m hohe Rathausturm und die ersten Bauabschnitte an der Schönstedt- und der Donaustraße konnten bezogen werden. Da die Kosten mit anderthalb Millionen Mark für damalige Verhältnisse recht stattlich ausgefallen waren, mußte das alte Amtshaus vorerst weiter genutzt werden – ursprünglich sah Kiehl einen Abriß vor.

In den Jahren 1911 und 1914 konnten weitere Anbauten (Bauteil II und III Erweiterung Schönstedt- und Donaustraße) ihrer Bestimmung übergeben werden, doch die Folgen des ersten Weltkrieges, der Wirtschaftskrise und der nationalsozialistischen Kriegsvorbereitungen ließen alle noch bestehenden Pläne zur Vervollständigung der Ideen Kiehls scheitern.

In den folgenden Kriegswirren trug der Hauptbau mit dem Turm und seinen vielen Holzausbauten schwerste Schäden aufgrund eines Brandes davon und das alte Amtshaus brannte sogar völlig aus – es wurde drei Jahre später abgerissen. Erst 1950 konnte mit dem Wiederaufbau begonnen werden. So entstand der Flügel an der Karl-Marx-Straße, mit dem schon ehemals von Kiehl geplanten Vorplatz und 1953 dann im Stil der Zeit der Anbau an der Donaustraße.

Der jüngste Teil des Rathauses ist – obwohl man es ihm nicht ansieht – ein Verbindungsstück über der Durchfahrt in den Garagenhof (vor dem Parkplatz an der Erkstraße), welches 1955 fertiggestellt wurde.

Glücksgöttin Fortuna
Seit der Fertigstellung des Rathausturms im Jahre 1908 blickt sie über die Häuserschluchten Neuköllns. Fortuna, die kupferne Glücksgöttin auf dem Rathausturm. In 67 Metern Höhe hat die 2,20 m große Figur, die bereits 1905 von dem Bildhauer Josef Rauch erschaffen wurde, einen grandiosen Überblick auf einen der größten Bezirke Berlins. Das besondere an der Glücksgöttin Fortuna ist, dass es sich hierbei um eine bewegliche Turmfigur handelt. Sie richtet sich immer nach dem Wind und schaut in die entsprechende Richtung. In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges als Nazi-Kreisleiter Wollenberg das Rathaus in Brand stecken ließ, und damit der Hauptbau mit seinem Turm und seinen vielen Holzausbauten schwerste Schäden erlitt, wurde auch die Glücksgöttin Fortuna stark beschädigt.