Kapek fordert bei ÖPNV mehr Augenmerk auf Lückenschlüsse

Kapek fordert bei ÖPNV mehr Augenmerk auf Lückenschlüsse

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Antje Kapek fordert beim Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Berlin eine stärkere Fokussierung auf die Schließung von Lücken im Netz. «Wir brauchen in der Debatte um neue Schienenverbindungen in Berlin mehr Augenmerk auf Lückenschlüsse», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Bei ÖPNV mehr Augenmerk auf Lückenschlüsse

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Eine U-Bahn fährt in den U-Bahnhof «Bundestag» ein.

Der Senat solle die bereits laufenden Planungen für neue Tramlinien weiterhin prioritär verfolgen, verlangte Kapek. Für neue U- oder auch S-Bahn Strecken müssten Investitionsentscheidungen auf mindestens einem von drei Kriterien fußen, da solche Projekte sehr teuer seien: «Die Erschließung neuer Wohngebiete, ein überdurchschnittlicher Zuwachs an Fahrgästen oder die Schaffung neuer Umsteigemöglichkeiten etwa für Pendler.»
Als Beispiele für Lückenschlüsse nannte die Grünen-Politikerin eine Verlängerung der U1/U3 von der Warschauer Straße zum Frankfurter Tor oder eine Verlängerung der U3 von der Krummen Lanke zum S-Bahnhof Mexikoplatz im Berliner Südwesten. Sie seien mit der Schaffung neuer Umsteigepunkte verbunden und mit überschaubarem Aufwand und Kosten zu realisieren. «Ich glaube, dass zum Beispiel die U3-Verlängerung in der nächsten Legislaturperiode kommt.» Hier geht es um eine Strecke von weniger als 1000 Metern.
Kapek erinnerte mit Blick auf das Jubiläum 100 Jahre Groß-Berlin in diesem Jahr an mutige Entscheidungen im vergangenen und vorvergangenen Jahrhundert zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. «Mittelfristiges Ziel heute muss sein, dass in Berlin jeder Ort mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist.» Und weiter: «Wir reden über Teilhabe-Chancen für alle, da beginnt vieles mit der Infrastruktur.»
Berlins CDU-Chef Kai Wegner forderte vom rot-rot-grünen Senat mehr Engagement für neue U-Bahn-Linien. «Der Ausbau der U-Bahn ist das Gebot der Stunde», sagte er. Dieser könne noch in diesem verbleibenden Jahr der Legislaturperiode angestoßen werden. «Ein wachsendes Berlin braucht ein wachsendes U-Bahnnetz.» Jetzt müssten dazu langfristige Investitionsentscheidungen getroffen werden. «Wir brauchen das ganze Programm: neue Linien, Streckenverlängerungen und Lückenschlüsse», so Wegner. «Ohne den Mut zum visionären Denken wird das nicht gelingen.»
Die «Linkskoalition» stehe im Hinblick auf die U-Bahn für vier verlorene Jahre. «Eine Verkehrssenatorin, die bei der U-Bahn noch immer auf der Bremse steht, kann sich Berlin nicht mehr leisten», meinte Wegner. Vorschläge zum Bau neuer U-Bahn-Strecken sorgen in Senat und Abgeordnetenhaus immer wieder für Diskussionen und auch Streit. Neben der Opposition warf auch die SPD Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) wiederholt vor, hier nicht entschlossen genug zu handeln - was diese zurückweist.
Im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag wie auch im neuen, milliardenschweren Verkehrsvertrag mit der BVG, den der Senat am Dienstag billigte, wird neben einer Modernisierung der Bus- und U-Bahn-Flotte dem Ausbau der Straßenbahn Priorität eingeräumt - nicht zuletzt, weil das billiger ist und schneller geht.
Allerdings wurden auch vier Machbarkeitsstudien für U-Bahn-Verlängerungen in Auftrag gegeben: für die U7 von Rudow in Richtung Flughafen BER, in der Gegenrichtung für die Strecke vom Rathaus Spandau zur Heerstraße, für die U8 von Wittenau ins Märkische Viertel und zur Anbindung der geplanten Urban Tech Republic auf dem Gelände des dann geschlossenen Flughafens Tegel an die U6. Bis Ende des Jahres sollen Günther zufolge die Ergebnisse vorliegen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 9. Juli 2020 15:54 Uhr

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