Berliner Luft etwas sauberer: aber keine Entwarnung

Berliner Luft etwas sauberer: aber keine Entwarnung

Stickoxide, die aus Dieselautos stammen, können Menschen krank machen. Deshalb müssen sie reduziert werden. In Berlin geht die Belastung langsam zurück. An den geplanten Fahrverboten ändert das aber nichts.

Stadtverkehr

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Autos fahren auf der Straße des 17. Juni. Foto: Arne Immanuel Bänsch/Archiv

Berlin (dpa/bb) - Die Belastung der Berliner Luft mit dem Umweltgift Stickstoffdioxid (NO2) ist im vergangenen Jahr zurückgegangen, liegt aber weiter über dem zulässigen EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter im Jahresdurchschnitt. Das teilte die Umwelt- und Verkehrsverwaltung am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Zuvor hatte der RBB berichtet.
Aus einer Übersicht der Verwaltung mit vorläufigen Daten geht hervor, dass der Jahresmittelwert, der sich aus einem Netz von 23 Messstellen ergibt, im Vorjahr 46 Mikrogramm NO2 betrug. 2017 waren es 51, im Jahr 2016 52 Mikrogramm.
Die höchsten Werte wies die Leipziger Straße auf, an der über das Jahr gerechnet eine NO2-Belastung von 59 Mikrogramm gemessen wurde. Es folgt die Buschkrugallee mit 56 Mikrogramm. Die niedrigste Belastung gab es am Eichborndamm (36) und dem Markgrafendamm (37).
NO2 gilt als gesundheitsgefährdend. 2018 gingen die Werte an fast allen Messstellen zurück. Das betrifft auch die Leipziger Straße. Ob das an dem dort seit April, laufenden Modellversuch mit Tempo 30 liegt, steht laut Umweltverwaltung noch nicht fest. Vor allem Dieselautos gelten als NO2-Verursacher.
«Wir werten den Pilotversuch mit Tempo 30 an der Leipziger Straße dann aus, wenn er zu Ende ist: nach einem Jahr», sagte Sprecher Jan Thomsen. «Vorher sind Monatswerte oder Vergleiche mit anderen Straßen nicht zielführend, weil auch Wetter, Wind und Jahreszeiten bei der Stickoxid-Belastung eine Rolle spielen.» Neben der Leipziger Straße laufen solche Versuche noch auf anderen Abschnitten von Hauptstraßen.
Hintergrund sind die Überschreitungen bei den NO2-Grenzwerten, die auch Dutzende andere deutsche Städte betrifft. Folge sind Fahrverbote für ältere Dieselautos in immer mehr Kommunen.
In Berlin müssen laut einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts ab Sommer mindestens elf Abschnitte für Diesel der Abgasnorm Euro 5 gesperrt werden. Das betrifft allein mehr als 200 000 in Berlin zugelassene Pkw. Die Senatsverkehrsverwaltung prüft, ob auch Lkw und einige Euro-6-Diesel unter das Fahrverbot fallen.
Zudem muss Berlin bis Ende März einen neuen Luftreinhalteplan mit Maßnahmen vorlegen, um die NO2-Belastung zu senken. In dem Zusammenhang wurde ihr vom Gericht auferlegt, für weitere rund 100 Abschnitte Fahrverbote zu prüfen.
Eine gute Nachricht gibt es hingegen bei einem weiteren für Menschen gefährlichen Schadstoff. Laut Umweltverwaltung wurden beim Feinstaub an allen Messstellen die Grenzwerte eingehalten. Das gilt auch für die Silbersteinstraße als bisher größtes Sorgenkind.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 17. Januar 2019