Europa in der Senatsverwaltung für Kultur und Europa

Rückblick

Silhouette Berlins mit Bühnenvorhängen
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Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa hat durch das Referat für Angelegenheiten der EU (Berlin) und das Büro des Landes Berlin bei der EU (Brüssel) die europapolitischen Entwicklungen der letzten Monate aktiv begleitet und durch eigene Initiativen die Positionen des Berliner Senats eingebracht, und zwar sowohl
  • in den unterschiedlichen nationalen Gremien wie
  • Europaministerkonferenz der Länder,
  • Bundesrat
    als auch
  • in den europäischen Institutionen
  • Europäische Kommission,
  • Europäisches Parlament,
  • Rat der EU,
  • Ausschuss der Regionen
    und
  • Netzwerken
  • EUROCITIES,
  • Netzwerk der Hauptstädte und Hauptstadtregionen (CCRN),
  • und themenbezogenen Netzwerken wie zum Beispiel
    ERRIN (European Regions Research And Innovation Network).

Thematische Schwerpunkte bildeten:

Zukunft der EU

Ziel der Debatte über die Zukunft der EU ist es
  • den Brexit zu bewältigen,
  • die EU27 neu auszurichten („Wieviel Europa wollen / brauchen wir in welchen Bereichen?“, Option: differenzierte Integration?),
  • Europas Handlungsfähigkeit nach innen und außen zu stärken und dafür notwendige Reformen in Angriff zu nehmen,
  • die EU-Finanzen neu zu ordnen und turnusgemäß auf die Zeit nach 2020 aus-zurichten (Finanzrahmen, Kohäsionspolitik, Euroraum),
  • das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die EU zu stärken und europafeindlichem Populismus entgegenzuwirken.

Die Diskussion wurde insbesondere durch die Vorlage des einschlägigen Weißbuchs der Europäischen Kommission im März 2017 und die sich anschließenden Reflexionspapiere (Soziale Dimension, Globalisierung meistern, Wirtschafts- und Währungsunion, Verteidigung, EU-Finanzen nach 2020, Nachhaltiges Europa bis 2030) befördert. Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa hat sich durch die Teilnahme an Konsultationen, Gespräche der politischen Ebene mit hochrangigen EU-Vertretern in Brüssel, Anträge und Redebeiträge im Bundesrat und Berichterstattungen in der Europaministerkonferenz aktiv in die Debatte eingeschaltet und die Berliner Positionen eingespeist.

Berlin bekennt sich zur europäischen Integration als in der Welt einmaligem und erfolgreichem Projekt, das es zu bewahren und weiter zu gestalten gilt. Folgende Leitlinien sind aus Berliner Sicht unverzichtbare Grundlagen, an denen das europäische Miteinander und der Reformprozess auszurichten sind:

  • Gemeinsame europäische Werte achten, Beschlossenes respektieren und aktiv durch alle Mitgliedstaaten vertreten,
  • Konzentration auf das Wesentliche, kontinuierliche Prüfung der Notwendigkeit gemeinschaftlichen Handelns,
  • Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen und konkrete Ergebnisse liefern, um das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die EU zu stärken,
  • Verantwortlichkeiten klar benennen, Transparenz und Nachvollziehbarkeit europäischen Handelns für Bürgerinnen und Bürger,
  • Solidarität leben und Zusammenhalt stärken,
  • Mitgestaltung des europäischen Einigungsprozesses auf mitgliedstaatlicher Ebene durch konstruktive Nutzung der bestehenden Instrumente zur Mitwirkung nationaler Parlamente,
  • Europa der Regionen: Demokratische Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in die europäische Integration, einhergehend mit einer aktiven Rolle der lokalen und regionalen Gebietskörperschaften.
Europapolitische Kernanliegen Berlins sind:
  • Zügige Verabschiedung des mehrjährigen EU-Finanzrahmens für den Zeitraum 2021-2027,
  • Fortführung der EU-Strukturförderung für alle Regionen, Entbürokratisierung der Verfahren und weitere Stärkung der städtischen Dimension; angemessene finanzielle Ausstattung auch für die stärker entwickelten und Übergangsregionen sowie für grenzüberschreitende und grenzübergreifende Zusammenarbeit,
  • angemessene finanzielle Ausstattung des EU-Programms für Forschung und Entwicklung und Vergabe der Fördermittel unter Berücksichtigung der Kriterien Exzellenz, Wirkung sowie Qualität und Effizienz der Durchführung,
  • Umsetzung der Europäischen Säule der sozialen Rechte, insbesondere der 20 darin niedergelegten Prinzipien,
  • Fortsetzung und weitere Stärkung der Städteagenda für die EU,
  • klare Perspektive für die künftigen Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich / zügiger Fortschritt in den Brexit-Verhandlungen und Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Länder.

Zukunft der EU-Kohäsionspolitik

Der Senat von Berlin hat am 09.05.2017 eine von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa federführend koordinierte Senatsposition verabschiedet. Kernforderungen des Berliner Senats sind:

  • im mehrjährigen Finanzrahmen der EU für die Zeit nach 2020 Vorsorge für eine wirkungsvolle EU-Kohäsionspolitik für alle Regionen mit angemessener Finanzausstattung zu treffen,
  • den für die Bürgerinnen und Bürger sicht- und erlebbaren Mehrwert der EU-Kohäsionspolitik und die auch mit der Kohäsionspolitik verbundenen Werte der EU in der Kommunikation über die europapolitische Integration hervorzuheben und deutlich zu machen, dass diese in die Zukunft gerichtete Politik unverzichtbar ist,
  • dass die Europäische Kommission bei der thematischen Konzentration und den Ex-ante-Konditionalitäten subnationale Strukturen respektiert und regionalen/lokalen Strategien genügend Raum zur Entfaltung gibt,
  • im mehrjährigen Finanzrahmen der EU nach 2020 zusätzliche Flexibilität zu ermöglichen, damit die EU auf neue Herausforderungen schnell und angemessen reagieren kann, ohne dabei die Planungssicherheit genehmigter Programme in den Mitgliedstaaten zu gefährden,
  • die bestehenden administrativen Hürden und formellen Vorgaben für die Planung und Durchführung der nachhaltigen integrierten Stadtentwicklung erheblich zu verringern,
  • die Höhe des Anteils der Finanzinstrumente am Gesamtprogramm den Regionen zu überlassen,
  • die territoriale Zusammenarbeit finanziell auf mindestens dem bisherigen Niveau fortzuführen,
  • die beihilferechtlichen Vorschriften für die EU-Strukturfonds im Hinblick auf Synergien mit Finanzinstrumenten (EFSI) und EU-Förderprogrammen (Horizont 2020) zu vereinheitlichen,
  • eine Überprüfung und deutliche Verschlankung des gesamten Rechtsrahmens mit dem Ziel einer größeren Rechtssicherheit, Rechtsklarheit und Rechtskontinuität der EU-Kohäsionspolitik nach 2020.

Im Rahmen der auswärtigen Sitzungen in Brüssel am 05.09.2017 und 26.02.2019 hat der Senat für seine Position gegenüber hochrangigen Vertretern der Europäischen Kommission (u. a. Kommissar Oettinger) geworben. Darüber hinaus hat die Senatsverwaltung für Kultur und Europa die Berliner Forderungen in die Stellungnahmen europäischer Netzwerke wie EUROCITIES und „Hauptstädte und Hauptstadtregionen“ eingespeist. Auch über den Ausschuss der Regionen wurden die Berliner Anliegen durch Anträge und die Unterstützung der „Kohäsions-Allianz“ in den Meinungsbildungsprozess eingebracht.

Mehrjähriger Finanzrahmen nach 2020

Am 12.12.2017 hat der Senat auf Vorschlag der Senatsverwaltung für Kultur und Europa seine Forderungen für den Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) nach 2020 festgelegt.

Der Senat von Berlin setzt sich für einen MFR nach 2020 ein, der seinen Fokus auf Innovation, Nachhaltigkeit und Stärkung des sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhalts legt. Es wird daher die Fortführung der europäischen Kohäsionspolitik nach 2020 für alle Regionen mit einer angemessenen Finanzausstattung gefordert. Außerdem setzt sich der Senat für eine Erhöhung der EU-Haushaltsmittel für Forschung und Innovation im Rahmen des nächsten Forschungsrahmenprogramms ein, die jedoch nicht zu Lasten der Kohäsionsmittel gehen sollte.

Zur Erreichung dieser Ziele und zur Kompensation der durch den Brexit verursachten Lücke im EU-Haushalt hatte der Senat die Prüfung einiger Vorschläge sowohl auf Einnahmen- als auch Ausgabenseite angeregt. Diese wurden im Lichte der Debatte auf EU-Ebene wie folgt weiterentwickelt:

Einnahmen:
  • Anhebung der BNE-Eigenmittelobergrenze für den MFR nach 2020,
  • Berlin ist gegenüber dem Vorschlag der Kommission aufgeschlossen, dass künftig Einnahmen bzw. Gebühren, die aus der Umsetzung „originärer Aktivitäten auf europäischer Ebene“ resultieren, wie z. B. die Gebühren aus dem European Travel and Information Authorisation System (ETIAS) bzw. aus wettbewerbsrechtlichen Verfahren, dem EU-Haushalt direkt zu fließen.
Ausgaben:
  • Beachtung bzw. Einführung des Grundsatzes der nationalen Kofinanzierung bei allen Europäischen Struktur- und Investitionsfonds (ESIF) und Europäischen Garantiefonds,
  • Eurozonen-Budget: Der Europäische Rat hat entschieden, den Kern eines Eurozonenbudgets im Rahmen des EU-Budgets anzusiedeln. Berlin begrüßt, dass damit ein erster Schritt hin zu einer Stabilisierungsfunktion gemacht wurde. Bei der nun anstehenden Ausgestaltung der Funktion ist sicherzustellen, dass die Funktion als stabilisierendes Element durch die Einbindung in das EU-Budget nicht behindert wird, sondern die Wirkung komplementär ist. Beispielsweise könnten die Mittel des EMU-Budgets dazu genutzt werden, Krisenländern die nationale Kofinanzierung von EU-Förderprogrammen zu ermöglichen.

Umsetzung der Städteagenda für die EU

Die im Juni 2016 vom Rat der EU verabschiedete Städteagenda für die EU wird durch 14 Arbeitsgruppen („Partnerschaften“) umgesetzt, in denen die europäischen Institutionen, Mitgliedstaaten, Städte und Zivilgesellschaft auf Augenhöhe zusammenarbeiten, um stadtnahe Lösungen in den Bereichen Gesetzgebung, Finanzierung und Wissenstransfer zu generieren.

Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, ist seit März 2016 in der Partnerschaft „Integration von Migranten und Flüchtlingen“ Mitglied. Im Herbst 2017 konnte sich die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales auf Vermittlung des Büros des Landes Berlin bei der EU der Partnerschaft „Lokale Wirtschaft und Beschäftigung“ anschließen. Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa ist darüber hinaus Mitglied in der im Februar 2019 gegründeten Partnerschaft „Kultur und kulturelles Erbe“.

Die Partnerschaft „Integration von Migranten und Flüchtlingen“ hat im September 2017 ihr Aktionsprogramm vorgelegt, das bis Ende 2019 umgesetzt wird. Die Partnerschaft „Lokale Wirtschaft und Beschäftigung“ hat 2018 ihr Aktionsprogramm vorgelegt.

Europastaatssekretär Gerry Woop setzte sich u. a. im Rahmen der Hauptstadtbürgermeisterkonferenz (24.09.2018) in Brüssel für eine weitere Stärkung der Städteagenda für die EU ein.

Weitere Schwerpunktthemen:
  • Soziales Europa, hierbei vor allem die Europäische Säule der sozialen Rechte (Konsultationsbeitrag, Anträge im Bundesrat und in der Europaministerkonferenz, hochrangige Gespräche in Berlin und Brüssel),
  • Migration, Asyl und Integration (Information der Senatsverwaltungen und Bezirke über die Vielzahl aktueller legislativer und nicht-legislativer Entwicklungen auf EU-Ebene),
  • Urbane Mobilität mit den Schwerpunkten auf Luftqualität, Nachhaltigkeit (Radverkehr) und Sicherheit (Abbiegeassistenten),
  • Zukunft der neuen Programmgeneration u.a. in den Bereichen Forschung und Innovation (Horizont Europa) und Bildung (Erasmus), hierbei insbesondere Mitwirkung an den Positionspapieren der Länder im Rahmen des Bundesrates und der Fachministerkonferenzen.

Deutsch-Polnisches Netzwerk

Auch in 2018 hat sich die Senatsverwaltung für Kultur und Europa im Rahmen der Oder-Partnerschaft engagiert. So finanzierte sie im Jahr 2018 das Kulturprogramm im Kulturzug Berlin-Breslau. Zum Saisonauftakt im März fuhr Senator Dr. Lederer mit dem Kulturzug nach Breslau und traf im Zug im Rahmen der „Gespräche in Fahrt“ auf den stellvertretenden Breslauer Stadtpräsidenten. Zudem fand ein Treffen mit dem damaligen Breslauer Stadtpräsidenten statt. Im Rahmen des ersten Stadtforums Berlin-Breslau diskutierte der Senator mit Vertretern beider Städte über die Rolle von Kultur für die Entwicklung eines lebenswerten Stadtraumes. Aus diesem ersten Forum entstand das Berlin_Kulturforum_Wrocław, durch das ein Beitrag zur Vernetzung der Kunst- und Kulturszenen beider Städte geleistet werden soll. Das erste Kulturforum fand im November in Berlin statt. Im Mai 2018 trafen sich die politischen Spitzen der Oder-Partnerschaft in Dresden, auch Senator Dr. Lederer nahm an dem Spitzentreffen teil. Unter dem Titel „Berlin und Polen: Erinnern, Gedenken, Gestalten“ fand im Juni 2018 in Zusammenarbeit mit der Senatskanzlei das 7. Deutsch-polnische Netzwerktreffen statt. . Darüber hinaus wurden Projekte aus dem deutsch-polnischen zivilgesellschaftlichen Bereich gefördert.

Europakompetenz der Berliner Verwaltung

Für die Umsetzung von Politik und Recht im Land Berlin als Teil der Europäischen Union ist eine hohe Europakompetenz bei den Beschäftigten der Berliner Verwaltung eine wichtige Voraussetzung. Fremdsprachenkenntnisse, interkulturelle Kompetenz sowie Wissen über die EU-Institutionen und EU-Förderprogramme sind unabdingbar für eine frühzeitige Bewertung und Reaktion bei konkreten Gesetzgebungsinitiativen auf EU-Ebene und zur Vertretung der Berliner Interessen.

Der Senatsbeschluss vom 20. März 2018 über „Maßnahmen zur Stärkung der Europakompetenz in der Berliner Verwaltung“ basiert auf einer Vorlage der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und umfasst Maßnahmen in den Bereichen Fortbildungen und Fremdsprachen, Abordnungen, Entsendungen und Hospitationen sowie stärkere Vernetzung und regelmäßiger Austausch, durch deren Umsetzung die Europakompetenz des Verwaltungspersonals gestärkt werden soll.

Hierzu dient auch die europapolitische Fortbildungsreihe „Europa mitdenken“, die durch das Büro des Landes Berlin bei der EU 2018 erfolgreich fortgesetzt wurde. Europapolitische Informationsseminare in Brüssel wurden realisiert mit:
  • 01.-02.03.2018 Senatsverwaltung für Finanzen
  • 11.-13.04.2018 Senatsverwaltung für Kultur und Europa
  • 24.-25.05.2018 Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe
  • 04.-05.06.2018 Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie
  • 21.-22.06.2018 Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
  • 05.-07.09.2018 Senatsverwaltung für Inneres und Sport
  • November 2018 EU-Referenten/innen der Länder Berlin und Brandenburg unter Federführung des Büros des Landes Berlin bei der EU

Die Brexit-Verhandlungen

Nachdem die britische Regierung am 29. März 2017 die Europäische Union formell über ihre Austrittsabsicht informierte, begann eine nach Artikel 50 Abs. 3 des Vertrages über die Europäische Union vertraglich auf zwei Jahre festgelegte Frist für das Vereinigte Königreich und die übrigen EU-27 Staaten, um ein Abkommen über die Einzelheiten des Austritts auszuhandeln. Am 19. Juni 2017 begannen die Verhandlungen, an denen sich auch Berlin über den Bundesrat beteiligte.
Der Bundesrat benannte am 7. Juli 2017 zwei Beauftragte, durch die die Länder an der Ad-hoc-Arbeitsgruppe des Rates “Artikel 50 EUV” (Ratsarbeitsgruppe “Brexit”) teilnehmen können. Begleitend zu den Austrittsverhandlungen konstituierte sich weiterhin eine informelle Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum Thema Brexit. Dabei handelt es sich um ein permanentes Austauschgremium zwischen Bund und Ländern auf Arbeitsebene, das in regelmäßigen Abständen tagt. Bei den Sitzungen haben die Länder die Möglichkeit, ihre Anliegen an den Bund heranzutragen und an den Informationen auf Bundesebene teilzuhaben. Berlin ist regelmäßig durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa vertreten, wobei die Senatsverwaltungen und die Senatskanzlei jeweils vor und nach den Sitzungen eingebunden werden.
Zuletzt nahm der Bundesrat in seiner 966. Sitzung am 23. März 2018 zu den Brexit-Verhandlungen Stellung und konkretisierte seine Haltung zu den Verhandlungsleitlinien zum Rahmen des künftigen Verhältnisses zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich. Dabei nahm der Bundesrat Bezug auf seine vorhergehenden Stellungnahmen vom 31. März 2017 und vom 15. Dezember 2017, in denen er bereits zu den Verhandlungen über den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union und der Beteiligung der Länder daran Stellung genommen hat. In seiner Stellungnahme vom 23. März 2018 unterstreicht der Bundesrat insbesondere das Interesse der Länder, dass die künftigen Handelsbeziehungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich unter Wahrung der Integrität und Funktionalität des europäischen Binnenmarktes auch weiterhin einen möglichst freien Austausch von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen gewährleisten.
Auf Initiative von Berlin wurde ferner auf der 78. Europaministerkonferenz am 26./27. September 2018 in Brüssel ein Beschluss zum Brexit gefasst, in dem sich die Mitglieder der Europaministerkonferenz dafür einsetzen, dass die vom Brexit betroffenen Bürgerinnen und Bürger soweit wie möglich unterstützt werden. Auch fordern die Mitglieder der Europaministerkonferenz die Bundesregierung in ihrem Beschluss auf, die Länder in die Planungen der Bundesregierung und der Europäischen Kommission für das Szenario eines ungeregelten Austritts frühzeitig einzubinden, um die auf Landesebene erforderlichen Vorkehrungen rechtzeitig treffen zu können.
Zur Konkretisierung der Vorbereitungen des Landes Berlin auf den Brexit hat die Senatsverwaltung für Kultur und Europa zudem im Sommer 2018 eine Ressortabfrage durchgeführt, bei der die Ressorts aufgefordert wurden, den landesrechtlichen Anpassungsbedarf unter Zugrundlegung des Szenarios des Abschlusses des Austrittsabkommens und des Szenarios eines ungeordneten Austritts („No deal“) zu prüfen. In diesem Zuge wurde insbesondere auch der gesetzgeberische Umsetzungsbedarf für die nach dem Austrittsabkommen geplante Übergangsphase durch die Ressorts geprüft. Während der Übergangsphase soll das Vereinigte Königreich im Unionsrecht und im nationalen Umsetzungs- und Durchführungsrecht grundsätzlich weiter als Mitgliedstaat gelten. Nach Abschluss und Auswertung der Ressortabfrage sowie nach intensiver Abstimmung mit der Bundesregierung und den weiteren Ländern in der informellen Bund-Länder-Arbeitsgruppe legte die Senatsverwaltung für Kultur und Europa den Entwurf für das Berliner Brexit-Übergangsgesetz vor und bereitete damit das anschließende Gesetzgebungsverfahren vor.
Im November 2018 kamen die Unterhändler der Europäischen Union und des Vereinigten Königreichs schließlich zu einer Einigung. Sie legten den Entwurf des Austrittsabkommens und der Erklärung für den Rahmen für die zukünftigen Beziehungen vor, dem das britische Kabinett am 14. November 2018 zugestimmt hat. Nachdem sich auch die Staats- und Regierungschefs der europäischen Mitgliedstaaten am 25. November 2018 damit einverstanden erklärt haben, müssen im nächsten Schritt insbesondere das britische und das Europäische Parlament zustimmen, bevor das Austrittsabkommen von beiden Seiten ratifiziert werden kann.
Parallel zu den langwierigen Austrittsverhandlungen informierte die Senatsverwaltung für Kultur und Europa auf ihrer Internetseite (https://www.berlin.de/sen/europa/aktuelles/brexit/) kontinuierlich über den aktuellen Stand der Verhandlungen und die laufenden Vorbereitungen auf den Austritt. Durch einen regelmäßig erscheinenden Newsletter und durch Hinweise zu weiteren wichtigen Informationsquellen stellte die Senatsverwaltung für Kultur und Europa auf ihrer Internetseite weitere ausführliche Informationen zur Verfügung.

Europapolitische Öffentlichkeitarbeit

Unter Berücksichtigung der bereits ausgeführten Ziele der europapolitischen Öffentlichkeitsarbeit wurden im Jahr 2018 vielfältige Maßnahmen umgesetzt, wie zum Beispiel Lesungen, Workshops, Diskussions- und Informationsveranstaltungen.
In Schulen und Freizeiteinrichtungen fanden zudem in allen Bezirken Veranstaltungen mit einem Europa-Impulsreferat, einer Kurzdiskussion sowie einem anschließenden Quiz statt.

Unter dem Motto „Europa mittendrin – nachgefragt im Kiez“ erfolgten Einsätze des Europazelts der Senatsverwaltung für Kultur und Europa auf 20 lokalen Kiezfesten mit Kinderprogrammangeboten und Informationen und Diskussionen über bürgernahe Themen.

Speziell an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene richteten sich die folgenden Angebote:
  • Tour d‘ Europe für Jugendliche im Mai und November 2018: Fünf Tage, 250 Schülerinnen und Schüler und die Frage „Wo ist Europa in Berlin?”.
  • Prämierung herausragender Europabeiträge im Rahmen des jährlichen Berliner Schülerzeitungswettbewerbs
  • Fortführung der Planspielreihe „Next Level Europe- das Spiel der Regionen für Jugend- und Schulgruppen (Inhalt: das Spannungsfeld zwischen Regionalinteresse und den Forderungen der nationalen und europäischen Akteure erlebbar machen)

Zusätzlich fand am 9. Mai auch wieder die jährliche Preisverleihung Blauer Bär statt. Mit dem Europapreis Blauer Bär ehren das Land Berlin und die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland jährlich Berlinerinnen und Berliner für beispielhaftes, bürgerschaftliches Europaengagement. Der Preis dient zur Sichtbarmachung, Stärkung und Würdigung des lokalen Engagements und leistet damit auch ein Bekenntnis zur europäischen Integration.

Denkmalschutz

Durch das Engagement der Oberste Denkmalschutzbehörde wurde die Förderung von zahlreichen ECHY-Projekten ermöglicht. Hierzu zählten Landesprojekte, aber auch Projekte mit Bundesbeteiligung.
Für die Denkmalpflege stand das Jahr 2018 im Zeichen des ECHY (European Cultural Heritage Year), des europäischen Kulturerbejahres, und dem Leitmotiv „Sharing Heritage“. Dieses von der Europäischen Kommission ausgerufene Themenjahr wurde in Berlin von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa gerne aufgegriffen. Auf zahlreichen Veranstaltungen und Podien, mittels Vorträgen und Publikationen wurde die Bedeutung unseres gemeinsamen, europäischen kulturellen Erbes erarbeitet, sichtbar gemacht und vermittelt. Höhepunkt des ECHY bildete der Kulturerbegipfel im Juni 2018. Eine Woche lang trafen sich europäische Kulturschaffende und Denkmalpfleger in Berlin, um sich zum gemeinsamen Kulturerbe auszutauschen. Zum Abschluss der Summit-Woche veranstaltete die Senatsverwaltung für Kultur und Europa einen Mitmachmarkt auf dem Gendarmenmarkt, auf welchem Berliner und bundesdeutsche Vereine, Initiativen und Verbände sich vorstellten, um Aufmerksamkeit für ihre Schutzgüter warben und zum Mitmachen einluden. Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und das Landesdenkmalamt (LDA) waren mit eigenen Ständen vertreten.
Unter den Veranstaltungen des LDA als Beitrag zum europäischen Kulturerbejahr sind die Tagung „Iron Curtain – Green Belt: Grenzräume – Begegnungsräume. Das Erbe des Eisernen Vorhangs – Netzwerke und Kooperationsmöglichkeiten einer europäischen Grenzlandschaft“ vom 17.-19.06.2018, die Tagung „Jüdische Großstadtfriedhöfe in Mittel- und Osteuropa“ am 23./24.06.2018 sowie die Tagung „Gartendenkmale der 1950er und 1960er Jahre im europäischen Vergleich“ vom 05.-07.09.2018 hervorzuheben.
Der alljährlich stattfindende Tag des offenen Denkmals am 8./9.09 2018 wurde ganz im Sinne des Kulturerbejahres auch in Berlin unter dem bundesweiten Motto „Entdecken, was uns verbindet“ mit ca. 340 Besichtigungsangeboten in allen Berliner Bezirken begangen.
Der 21. Berliner Archäologentag am 17.10.2018 griff das Thema der Ausstellung „Bewegte Zeiten – Archäologie in Deutschland“ im Martin-Gropius-Bau auf und stellte Berliner Grabungen und Forschungen in den Mittelpunkt, die den Transfer von Menschen, Waren und Ideen innerhalb Europas beleuchteten.
Der 32. Berliner Denkmaltag am 16.03.2018 beging unter dem Motto „Erinnern und Aufbruch. Gemeinsames Erbe teilen“ den 450 Jahrestag Treptows und beleuchtete die Bezüge zum mit Treptows europäischen Partnerstädten und –gemeinden geteilten gemeinsamen Kulturerbe.